Die Februar-Ausgabe ist da!

Lieber Leser! Natürlich ist Februar der Monat mit dem Valentinstag. Wenn man diesen „Tag der Liebe“ nicht komplett den Floristen überlassen will, dann ist der 14.2. eine gute Gelegenheit zu fragen, wie Liebesbeziehungen zwischen Männern heute eigentlich aussehen. Besonders, weil aktuell im Kino ein Clint-Eastwood-Film zu sehen ist, der zeigt, wie eine der berühmtesten Männerbeziehungen des 20. Jahrhunderts lief: die zwischen FBI-Gründer J. Edgar Hoover und Clyde Tolson. Ihre verklemmte und (zumindest im Kino) sexuell unerfüllte jahrzehntelange Partnerschaft ist erschütternd. Und anrührend. Als Role Model taugen die beiden allerdings kaum als Valentinspaar für heute. Das liegt auch daran, dass wir 2012 so viele andere Rollenmodelle haben, die uns vielfältigste alternative Lebens- und Liebesmöglichkeiten aufzeigen. Viele davon können wir im Fernsehen sehen, in den schier endlosen Serien, in denen immer mehr schwule Charaktere jedweder Couleur zu erleben sind. Und so hat sich MÄNNER entschlossen, in diesem Heft neben J. Edgar die 50 (wie wir finden) wichtigsten schwulen Charaktere aus TV-Serien vorzustellen. Als entgegengesetzte Extreme, die zeigen, welch enorme Entwicklung wir gemacht haben, nicht nur seit Hoover gestorben ist, sondern auch seit Steven Carrington als erster offen schwuler Charakter in der Erfolgsserie Denver Clan in den 1980er Jahren über die Bildschirme flimmerte. Schön, reich und unglücklich. Ein Interview mit Jo Weil, dem Darsteller des schwulen Charakters in der ARD-Soap Verbotene Liebe, rundet den Themenschwerpunkt ab.
Um nicht nur von Liebe zu reden, ist das zweite große Thema dieser Ausgabe „Military“: von Mode über Psychologie und Wehrdienst bis zu einem Besuch im neuen Militärhistorischen Museum Dresden, wo die Bundeswehr eine Ausstellung zu „Sexualität und Militär“ vorbereitet. Artikel zu Operette und Pornografie, Glam-Orgelspieler, AbFab, Kraftklub, David Kross und zum posthumen Outing von Richard Nixon sind zur Abwechslung eingestreut. Viel Spaß beim Lesen dieses kombinierten „Love-“ und „Military Issue“.

Kevin Clarke, Chefredakteur

Linke will 175er entschädigen

Die Berliner Linken fordern eine Bundesratsinitiative zur Entschädigung aller Opfer des Paragraphen 175

Der Chef der Berliner Linken Klaus Lederer (Bild: Rupturebln/Wikipedia)

Der Chef der Berliner Linken Klaus Lederer (Bild: Rupturebln/Wikipedia)

Die Berliner Linken werden konkret: sie wollen Homosexuelle entschädigen, die unter dem Paragraphen 175 in der BRD und der DDR verurteilt worden sind. Klaus Lederer, offen schwuler Vorsitzender der Linken-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, hat gestern für den 26. Januar einen Antrag seiner Fraktion angekündigt, dessen Umsetzung eine Bundesratsinitiative zu diesem Thema zur Folge hätte.

Lederer sagte, bis der Paragraph 1994 endgültig abgeschafft worden sei, seien Zehntausende Männer in beiden deutschen Staaten verfolgt und verurteilt worden. „Die Strafjustiz der Bundesrepublik fällte Urteile über 50.000 Männer aufgrund des §175 StGB in der Fassung der Nazis, der bis 1969 weiterbestand“. Heute sei weitgehend unumstritten, dass daraus schwere Menschenrechtsverletzungen resultierten. Die Entschädigung der Opfer dieses Unrechts ist ein Wettlauf mit der Zeit, „denn viele von diesen Schandparagrafen betroffene Menschen sind inzwischen sehr alt“, so Lederer.

Der Antrag der Linken fordert die vollständige Rehabilitierung und Entschädigung der Opfer, sowie Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene um Forschung und Dokumentation zur Homosexuellenverfolgung in beiden deutschen Staaten voranzubringen.

Der Paragraph 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, war 1949 in der durch die Nazis 1933 verschärften Version ins Grundgesetz der Bundesrepublik übernommen worden, wurde 1957 vom Bundesverfassungsgericht so bestätigt und erst 1969 modifiziert. In der DDR wurde der schon damals abgeschwächte Paragraph 175 1968 durch den Paragraphen 151 ersetzt, der gleichgeschlechtliche Handlungen unter Erwachsenen straffrei stellte. Und auch der wurde 1988 ersatzlos gestrichen. Erst 1994 wurde „der 175er“ in Gesamtdeutschland abgeschafft.

Ein Antrag der Grünen auf Aufhebung aller 175er-Urteile zwischen 1949 und 1969 und Rehabilitierung der Opfer wurde im Mai 2011 im Bundestag mit den Stimmen von CDU/CSU und FDP abgelehnt.

(pasch)

Castro macht Ernst

Die Leiterin des “Nationalen Zentrums für sexuelle Aufklärung” kündigt die Einführung der eingetragenen Lebenspartnerschaft und Antidiskriminierungsgesetze in Kuba an

Blick auf das Capitol in Havana (Foto: Breogan67 at de.wikipedia)

Blick auf das Capitol in Havana (Foto: Breogan67 at de.wikipedia)

Als Mariela Castro, die Tochter von Kubas Präsident Raúl Castro und Leiterin des „Nationalen Zentrums für sexuelle Aufklärung“ (Cenesex), während einer Deutschlandreise 2010 Interviews gab, klang sie zurückhaltend aber hoffnungsvoll, wenn man sie auf die Rechte von Schwulen und Lesben in ihrem Heimatland ansprach. „Wie schon Galileo sagte, die Welt bewegt sich langsam, aber sie bewegt sich.“ Spiegel Online erklärte sie, „Der erfolgreiche Kampf von Frauen für gleiche Rechte, hat die Türen dafür geöffnet, nun auch gegen andere Vorteile in unserer Gesellschaft kämpfen zu können. Das ist ein neuer, wichtiger Teil der kubanischen Revolution, was letzten Endes selbst Fidel anerkennen musste. Für mich sind sexuelle Identität und Selbstbestimmung Menschenrechte. Die genau wie alle anderen Menschenrechte, von den Vereinigten Nationen anerkannt werden sollten. Diese Haltung fordert jedoch auch Widerspruch heraus. Besonders in einer Gesellschaft wie unserer, in der an so vielen Stellen gleichzeitig revolutionäre Prozesse ablaufen.“

Mariela Castro gilt als Vorkämpferin in Sachen Homorechte in Kuba, auch weil sie, wie viele andere Experten, einen entspannten gesellschaftlichen Umgang mit Homosexualität für eine Grundbedingung erfolgreicher HIV-Prävention hält.

Und scheint nun Ernst zu machen in Sachen schwuler Emanzipation: Am Montag gab sie bekannt, die Einführung eingetragener Lebenspartnerschaften für Schwule und Lesben und ein Verbot der Diskriminierung auf Grund sexueller Orientierung oder geschlechtlichen Identität, wären noch für dieses Jahr geplant. Die Diskussion zu diesem Thema im Parlament stünde an.

Damit setzt die kubanische Politik ihre sprunghafte Entwicklung in diesem Bereich fort. Schon 2010 waren auf Mariela Castros Betreiben hin, Geschlechtsanpassungen legalisiert worden. Zwar verbietet die kubanische Verfassung die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, aber als Fidel Castro 2008 sein Amt als Präsident aufgab, hat er die Jahrzehntelange Homosexuellenverfolgung in Kuba, der Tausende zum Opfer fielen, öffentlich bedauert und schnelle Verbesserungen versprochen.

(pasch)

MÄNNER-FAVORIT GEWINNT GOLDEN GLOBE

Der MÄNNER-Favorit aus der Januar-Ausgabe, Jean Dujardin, hat gerade bei den Golden Globes gewonnen – als bester Hauptdarsteller. Wir gratulieren. Und stellen zur Feier des Tages den Text online. Mit einem Foto der Filmseite aus dem Januarheft,

JEAN DUJARDIN, 39
Die Star aus dem wunderbaren Stummfilm The Artist
Man sagt, er sei Frankreichs Antwort auf George Clooney. Womit nicht unbedingt eine notorische Klemmschwester mit Italien-Fimmel und Kaffee-Werbevertrag gemeint ist, sondern eher ein irgendwie zeitloser Charmeur, der Eleganz und Humor gleichermaßen beherrscht. Letzteres bewies Jean Dujardin, der zunächst als Schlosser und dann als Bühnenkomiker arbeitete, bislang unter anderem als Lucky Luke, in Kleine wahre Lügen (seit Dezember auf DVD) oder in der ziemlich amüsanten James-Bond-Parodie OSS 117, die es bei uns immerhin ins Heimkino schaffte. Dass der 39-jährige Franzose allerdings noch viel mehr drauf hat, zeigt er nun in The Artist. In dem wunderschönen, schwarzweißen Stummfilm, der sich vor Hollywoods goldenen Jahren verneigt, nimmt es Dujardin sogar spielend und im wahrsten Sinne des Worte leichtfüßig mit Legenden wie Cary Grant, Clark Gable oder Rudolph Valentino auf. Dafür gab es in Cannes bereits den Darsteller-Preis. Und es würde nicht einmal wundern, wenn der Vater zweier Söhne damit Ende Februar sogar Kollege Clooney den Oscar streitig macht. (heid)

Wunderbares Bilderbuch: Gay in America

Es ist eine politische Provokation – aber eine subtile. Der New Yorker Fotograf Scott Pasfield (kleines Foto aus dem Bild unten) reiste drei Jahre lang durch die USA, um in allen 50 Bundesstaaten Männer anzusprechen, die zwar aus verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen kommen, unterschiedliche Hautfarben haben und allen möglichen religiösen Gruppierungen angehören. Aber sie hatten eins gemein: Sie sind alle schwul. Pasfield sammelte die Geschichten dieser Menschen, die er auf der Straße traf, und fotografierte sie, mitten in ihrem Alltag. Das Resultat bündelte er zu einem großformatigen 224-Seiten-Bildband mit dem Titel Gay in America.  In der offiziellen Pressemitteilung des Verlags heißt es: „A ground-breaking, stereotype-shattering, unprecedented book of intimate photos and deeply personal stories of 140 gay American men.“ Besser kann man das Buch kaum zusammenfassen, das in den US-Medien einschlug wie eine Bombe. Denn es widerlegt alle gängigen Stereotypen, die viele Menschen in Bezug auf Schwule haben. Pasfield selbst sagt: „Ich war überrascht, diese zum Teil sehr rauhen Männer zu treffen, die in ihrem ganzen Leben noch nie in einer Schwulenbar waren, glücklich in einer monogamen Beziehung leben und einfach ihr Ding durchziehen.“ Die Geschichten dieser und anderer Männer sind teils bewegend, auch die derjenigen, die schlussendlich einen Rückzieher machten und aus dem Buchprojekt ausstiegen, aus Angst vor einem öffentlichen Outing. Andere überwanden sich, um mit ihren Geschichten einer jungen Generation ein Vorbild zu geben, wie man es künftig vielleicht besser machen kann.
www.gayinamerica.us


(Seite aus der Januar-Ausgabe von MÄNNER mit der Gay-in-America-Geschichte)





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