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Adoption: Dresden macht’s möglich

Sachsens Landeshauptstadt ist Vorreiter bei der Vermittlung an schwule Paare

Im Gegensatz zur Leihmutter-Lösung, wo zum Teil schwindelerregende Summen gezahlt werden, ist eine Adoption zwar deutlich kostengünstiger – doch während man sich bei Leihmüttern einigermaßen verlässlich darauf einstellen kann, dass man nach der gelungenen Befruchtung neun Monate Zeit hat, das Kinderzimmer in Mauve oder einem frischen Apfelgrün zu streichen, kann es bei der Adoption Jahre dauern, bis man sich oft quasi über Nacht in Eltern verwandeln muss.

Dresden macht das richtig

Auch bei Christian und Matthias aus Dresden war das so: Als man sie einen Tag nach der Geburt des kleinen Fabius anrief, weil deren Mutter sich für die beiden Adoptivväter entschieden hatte, hatten sie noch nicht mal Windeln im Haus. Die beiden sind schon das zweite Paar, das mit Unterstützung des zuständigen Jugendamtes ein Kind aus dem Inland adoptieren konnte. „Dresden macht das richtig“, lobt denn auch Elke Jansen, die beim LSVD das Projekt Regenbogenfamilien leitet. Dabei sind in der sächsischen Landeshauptstadt eigentlich nur zwei ganz normale menschliche Regungen am Werk: ein fühlendes Herz und ein gesunder Menschenverstand.

Wir wollten herausfinden, wie die Männer miteinander umgehen. Ich weiß ja bei einem heterosexuellen Paar erstmal auch nicht, wie die miteinander leben.

„Als vor einigen Jahren das erste Männerpaar zu uns kam, fanden wir das schön und spannend“, sagt Marga Körner, die 59-jährige Sachgebietsleiterin im MÄNNER-Interview. „Voreingenommen waren wir nicht. Aber wir wollten herausfinden, wie die Männer miteinander umgehen. Ich weiß ja bei einem heterosexuellen Paar erstmal auch nicht, wie die miteinander leben.“ Nach ein paar Anläufen konnte dieses Paar dann tatsächlich ein Kind adoptieren. Die abgebenden Eltern, die in ihrem Freundeskreis ein schwules Paar hatten, begründeten ihren Entschluss damals so: „Geben Sie den Männern das Kind, sonst haben die nie eine Chance.“

Auch Christian (39) und Matthias (40) trugen sich schon lange mit dem Wunsch, Eltern zu werden. Als sie die beiden Vorreiter auf dem Gebiet der Adoption kennenlernten, machte es ihnen Mut, ebenfalls den Weg zum Jugendamt einzuschlagen. Das Anheuern einer Leihmutter oder das Experiment mit einem lesbischen Paar kam für sie aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Gegen eine Auslandsadoption sprach der Wunsch, dass ihr Kind seine Wurzeln kennen soll. Andererseits legten sie Wert darauf, ein möglichst junges Kind aufzunehmen: Es sollte noch keine starke Bindung zur Mutter aufgebaut haben, die dann durch die Adoption gekappt werden würde. Das gehört zu den Bereichen, die beim ersten Antrag abgefragt werden, wie Geschlecht, Hautfarbe und mögliche Krankheiten, mit denen man sich arrangieren könne oder eben nicht.

Wir suchen nicht dem Paar ein passendes Kind, sondern für ein Kind ein passendes Zuhause.

Dieser Antrag eröffnet dann das Adoptionseignungsverfahren. Am wichtigsten dabei, wie Marga Körner betont, ist das Wohl des Kindes: „Wir suchen nicht dem Paar ein passendes Kind, sondern für ein Kind ein passendes Zuhause.“ Es folgten Hausbesuche beim Paar.

Vier oder fünf Mal waren Mitarbeiterinnen des Jugendamtes bei Christian und Matthias. Man besprach verschiedene Themen: Wie stellen sie sich Erziehung vor? Wie reagiert wohl der Arbeitgeber, wenn man über Nacht ein Kind bekommt? Christian empfand diese Besuche als offen und professionell, nie indiskret oder peinlich. Schließlich rundet in Dresden ein Adoptiveltern-Seminar das Eignungsverfahren ab. Dort freunden sich oft Paare miteinander an, was von großem Vorteil ist, damit man sich später untereinander austauschen kann.

Die Männer waren schließlich Antragsteller wie andere auch. Und alle Paare im Seminar haben positiv reagiert.

„Wir haben die Männer in dieses Seminar zu den anderen heterosexuellen Paaren geschickt, ohne das mit den Teilnehmern zu thematisieren, dass da jetzt ein schwules Paar kommt“, erinnert sich die Dresdner Sachgebietsleiterin Körner. „Es waren ja schließlich Antragsteller wie andere auch. Und alle Paare im Seminar haben positiv reagiert. ‚Mensch, das ist ja klasse!‘, meinten die.“ Nach dem Seminar bekamen die Männer ein Zertifikat, das ihre Adoptionsfähigkeit bescheinigt. Mit diesem Schreiben beginnt dann eine etwa zweijährige Wartefrist, in der die Vermittlung in der Regel stattfindet.

Christian und sein Mann hatten sich nochmal auf eine längere Wartezeit eingerichtet. Doch es hat nur wenige Monate gedauert, bis der kleine Fabius geboren wurde und sie den lang ersehnten Anruf bekamen. Das ist jetzt fast zweieinhalb Jahre her; als Vater wird Matthias in der Geburtsurkunde genannt. Probleme mit der Öffentlichkeit, mit Ämtern und dem Kindergarten hatten sie nie. „Wir haben ausschließlich sehr offene, entgegenkommende Menschen getroffen, die uns sehr unterstützt haben.“

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Glückliche Adoptiveltern mit Fabius (Foto: privat)

Bei dem Dresdner Vorgängerpaar war das nicht so einfach, wie Marga Körner erzählt. Die Richterin, die zum Abschluss des Adoptionsverfahrens schließlich das Sorgerecht auf die neuen Eltern zu übertragen hatte, konnte sich nicht vorstellen, dass das Jugendamt ein Kind zu einem Männer-Paar geben wollte, und hat den Fall wegen Befangenheit an einen Kollegen gegeben. Der hat dann ein weiteres psychologisches Gutachten erstellen lassen, das das Paar selbst zahlen musste. Aber es hat sich gelohnt. Das Ergebnis des erneuten Gutachtens lautete wiederum: Diese Männer geben prima Eltern ab! Dann war die Sache endlich durch. „Und wir haben immer noch ein sehr gutes Gefühl“, sagt Marga Körner heute.

Auch wenn es in Dresden bislang zwei schwulen Paaren gelungen ist, ein Kind zu adoptieren – so eine Inlandsadoption ist eher selten. Zum einen werden in Deutschland nicht so oft Kinder zu Adoption freigegeben, und dann fehlt es in den Jugendämtern oft an der Bereitschaft, mit schwulen oder lesbischen Paaren zu arbeiten.

Dresden und Bochum als positive Beispiele

Neben Dresden nennt Elke Jansen vom LSVD noch Bochum als positives Beispiel von Kommunen, wo man schwulen Paaren offen gegenübersteht und einer abgebenden Mutter oder den Eltern eben auch einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. Letztlich hängt es immer am Sachbearbeiter oder vielleicht auch am jeweiligen Jugendamtsleiter, welche Richtung er vorgibt und welches Paar den Eltern vorgeschlagen wird. Natürlich ist es immer noch so, dass für eine Adoption nur Partner, die verheiratet sind (nicht verpartnert), in Frage kommen – oder eben Einzelpersonen. Es gibt aber auch schwule Paare, die offensiv zu zweit auftreten und berichten, dass dies wohlwollend aufgenommen wurde und ihre Antragsstellung positiv beeinflusst hat. So wie bei Frau Körner und ihren Kolleginnen.

Der vollständige Artikel steht in MÄNNER 6.2012 – hier geht’s zum ABO!

Mehr zum Thema: Regenbogenfamilie

Weiter informieren:

www.adoptionsinfo.de: umfangreiche Informationen und nützliche Adressen

www.bundesjustizamt.de: Welche ausländischen Adoptionsvermittlungsstellen sind vertrauenswürdig und in Deutschland anerkannt?

www.ilse.lsvd.de: „Initiative lesbischer und schwuler Eltern“ im LSVD

Titelfoto: Shutterstock


1 Kommentar

  1. Bernd Meintschel

    Klar ist dieser Artikel schön zu lesen. Es schreibt aber keiner, das man in Deutschland auch als eingetragene Lebenspartnerschaft nur nach einander den adoptionsantrag stellen kann! !
    Es sind zwei getrennt von einander Gerichtsverfahren notwendig. Diese Kosten trägt der Steuerzahler, obwohl es dich einfacher wäre, alles in einen Verfahren zu erledigen.
    Und wenn man Pech hat, darf der zweite Partner für sein Verfahren alle Unterlagen neu beantragen und einreichen muss, weil zu viel Zeit zwischen dem Gerichtsverfahren und dem Antrag auf Überprüfung der Adoptionfähigkeit liegt.


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