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Keine Denkverbote!

Die aktuelle MÄNNER ist gerade mal ein paar Tage alt und schon geht die dort angestoßene Debatte weiter. Geführt auch durch jene, die die Debatte offensichtlich am liebsten schon im Vorfeld verhindert hätten. Ein Plädoyer für Meinungsfreiheit auch in der Community

Irgendwie ist das Ergebnis der Umfrage von MÄNNER-Online zum „Thema Revolte oder Anpassung – mit welcher Strategie erreichen wir schnell und nachhaltig als Homo-Community volle Akzeptanz?“ für manchen queeren Aktivisten ein schwerer Schlag. Von den knapp 700 Teilnehmern haben sich mehr als 70 % für mehr Anpassung und weniger schrillen Aufstand ausgesprochen. Ich persönlich muss gestehen, dass auch mich dieses Ergebnis schockiert hat und ich es lieber anders gesehen hätte. Auf der anderen Seite gibt es das wieder, was wir in der Redaktion seit langem immer wieder rückgemeldet bekommen.

MÄNNER steht gegen Denkverbote innerhalb der Community

Von daher wäre es sowohl journalistisch wie strategisch geradezu sträflich gewesen, diese Positionen einfach zu negieren. Ich habe mich deshalb schon im Vorfeld gegen die Kritik aus Reihen von IWWIT ausgesprochen, in denen der Ärger – als sich das Ergebnis langsam abzeichnete – groß war, dass wir diese Frage überhaupt stellen. Ebenso war es interessant, dass der ursprünglich für das Plädoyer „Anpassung” vorgesehene Autor seinen Beitrag bereits fertig hatte und nach der Prüfung durch LSVD-Führungsmitglieder einen Rückzieher machte – mit der Begründung: schließlich wolle er dort noch Karriere machen … Mit dem Verbot von Fragen erreicht man nicht, dass sie nicht mehr gestellt werden und Abstimmungen machen nur dann Sinn, wenn man auch bereit ist das Ergebnis zu akzeptieren …

Auch wenn der Text keineswegs die Meinung der Redaktion wiedergibt, haben wir deshalb den jetzt von Tim Schomann kritisierten Text von Daniel Deuling veröffentlicht. Publiziert ist Schomanns Gegentext auf der Seite von „Ich weiß was ich tu“, die eigentlich vom Steuerzahler dafür finanziert wird, dass sie HIV-Präventionsarbeit leistet – was sie im Übrigen exzellent tut.

Die Forderung nach dem queeren Dschihad stört offensichtlich nicht

Manche Aussagen in dem Text sind provozierend, aber das sind sie in dem gegenüber gestellten Text ebenfalls. Der fordert den „queeren Dschihad”, der die heterosexuelle Wertordnung umstoßen will. Von solchen klaren Positionierungen leben eben Debatten und davon lebt die Presse- und Meinungsfreiheit, die auch für die schwule Presse und für die schwule Gesellschaft gelten muss. Abschließend steht dann freilich noch ein sehr ausgleichender Text des bekannten taz-Autors Jan Feddersen.

Fragen und Positionen zulassen, auch wenn sie einem nicht passen!

Nun fragt man sich natürlich, warum wird der Text Deulings herausgegriffen und dem Magazin ein Vorwurf gemacht, ihn publiziert zu haben – und nicht der Text seines Kontrahenten? Und warum hat Schomann nicht in Ruhe und ohne Angst vor dem, was da vielleicht gemeint sein KÖNNTE, den Beitrag gelesen? Seine gesamten Vorwürfe, die jetzt die buzzfeedigen Internetuser aufheulen lassen, basieren auf Unterstellungen, der Autor könnte das gemeint haben („insinuiert” ist das Zauberwort) .Warum hat man nicht die Größe und den Mut auch Positionen, die man selbst nicht teilt, FAIR zu Wort kommen zu lassen? Selbst wenn man sie als gefährlich erachtet, kann man diesen Positionen doch nur begegnen, wenn man sie kennt, wenn sie explizit und in eine Debatte aufgenommen werden. Erst dadurch hat nun Tim Schomann die Möglichkeit bekommen darauf zu antworten und bei den Gesinnungsgenossen Deulings so ein Umdenken zu erreichen. Ich würde mich freuen, wenn ihm dies gelungen ist. Schau‘n wir mal …

Hier kann man alle Beiträge der Debatte nachlesen und sich eine eigene Meinung bilden: Pocketmags MÄNNER 8-2014

 


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