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Politisch korrekter Sex?

Höchste Zeit, den Kampagnen der queeren Ideologen Paroli zu bieten.

„Bitte keine alten Knacker!“ – „Asiaten und Feminine: spart euch das Anschreiben!“ – „Keine Dicken oder Rothaarigen!“ – solche und ähnliche Sätze aus den Profilen von Dating-Portalen führen mit verlässlicher Regelmäßigkeit zu Entrüstungen in der Welt der Homoliteratur. So etwas sei übelste Diskriminierung, „Lookism“, ein ärgerliches Vergehen gegen die Akzeptanz, die wir uns untereinander in der LGBTI-Welt entgegenbringen sollten. Ja, selbst die spezialisierte Suche nach Sexpartnern, zum Beispiel nach Kleinasiaten oder Arabern, wird in der politisch cleanen LGBTI-Welt mit dem Verdikt der „positiven Diskriminierung“ belegt.

Ist die Aufteilung in Top und Bottom eine Ideologie?

Und die kritische Schau auf die Welt der Dating-Kultur und der gelegentlich anschließenden sexuellen Aktionen geht noch weiter. Ein Nachrichtenblog für queere Nachrichten hat zu Beginn dieses Jahres fest gestellt, dass auch das Verständnis von Top (aktiv) und Bottom (passiv) eine gefährliche Ideologie darstelle: In der Top/Bottom-Terminologie spiegele sich die Vorstellung von „‚männlich‘ und ‚weiblich‘ als Überkategorie für ein ganzes Set von Eigenschaften, der ganze Unsinn, der am ‚Geschlecht‘ festgemacht wird, setzt sich im Sex zwischen Männern fort …“

Im Hintergrund steht hier natürlich die aus bestimmten feministischen Gendertheorien herrührende Vorstellung, dass Männlichkeit und Weiblichkeit mit unserem Körper bzw. biologischen Voraussetzungen gar nichts zu tun haben, sondern vom (in diesem Fall Männer dominierten) System vorgegebene Rollen sind, auf die man sich unter keinerlei Umständen fest legen darf. „Immer nur Top“ oder „Immer nur Bottom“ werden damit zum Verstoß gegen die Forderung eines permanenten Hinterfragens dieser Rollen, eines revolutionären Umsturzes der sog. Heteronormativität in unserem Sexualverhalten. Die Welt mann-männlicher Sexualität scheint so zur letzten Domäne zu werden, gegen die Feministen anlaufen, um sie nach ihren eigenen Vorstellungen umzuorientieren.

Irgendwann gibt’s nur noch „69“. Und dann gar keinen Sex mehr …

Wir dürfen uns nur noch als universal und immer wieder in neuen Variationen einsetzbare „Legosteine“ verstehen, die „von beiden Seiten aufeinanderpassen“. Oder müssen rollen-revolutionär ficken. Indem zum Beispiel der mit den Stereotypen „passiv, klein, jung, feminin“ Belegte, dann zwangsweise die Rolle des Aktiven einnimmt und sich mit allen seinen Kräften bemüht, irgendwie an dem 1,90 großen, 15 Jahre älteren Muskelmann hochzukommen, um ihn zu penetrieren. Wer ein solches Szenario, selbst wenn es nicht ideologisch motiviert war, einmal miterlebt hat, weiß wie schnell da die Geilheit zugunsten unfreiwilliger Komik dahinschmilzt. Endziel dürfte der Traum von einer Welt sein, in der alle nur noch 69 (ohne dass einer dabei oben liegt) machen … Da fehlt eigentlich nur noch dass – im Rahmen positivenrDiskriminierungsvorwürfe – die Vorliebe für Bärte als masochistisch inspirierte Begeisterung für islamische Gotteskrieger interpretiert und als Rassismus verurteilt wird.

Leider bemerken, die so Argumentierenden gar nicht, dass dann Sex nur unter Männern und unter Ausblendung der Frau auch nicht mehr ihren Kriterien von politisch korrektem Sex entspricht. Aber vielleicht ist das auch eine ganz falsche Fragestellung. Geht es doch darum die ganze Sexualität von Männern und Frauen zu „reinigen”.

Ganz aus der Luft gegriffen sind solche Überlegungen natürlich nicht, bringt man den dahinter stehenden gendertheoretischen und politischen Ideen Verständnis entgegen. Sie gehen aber von der Vorstellung aus, dass auch die Art unseres Intimlebens, unser sexuelles Begehren, seine Phantasien und seine Umsetzung völlig frei wählbar und damit auch beliebig veränderbar sind und alle Kriterien politischer Korrektheit zu erfüllen haben. Und genau hier liegt für mich das ganz große Problem.

Der Anspruch der queeren und katholischen Sexdiktatoren ist totalitär

Einen solchen Anspruch, in die intimsten Bereiche des Menschen vorzudringen, dorthin, wo der Mensch am verletzlichsten ist, erheben eigentlich nur diktatorische Ideologien, unter ihnen besonders die Moralregeln von Religionen bzw. der Kirchen. Sie tun dies im ziemlich klaren Bewusstsein, dass Machausübung durch den Eingriff in die Intim- und Triebsphäre des Menschen überdimensional ausdehn- und stabilisierbar ist. Im günstigsten Fall warten dann Homo-Heiler im schlimmeren Umerziehungslager und Gefängnisse auf die Abweichler.

So wie ich nicht will, dass sich die katholische Kirche in mein Bett schleicht und mir sagt, was ich dort machen darf, so möchte ich auch keine noch so wohl meinenden Aufseher für queere Korrektheit dort haben. Bestsellerautorin Esther Perell liegt völlig richtig, wenn sie im Hinblick auf den Feminismus schreibt: „Guter Sex ist selten politisch korrekt“

Wenn ein 20-Jähriger keine Lust auf Sex mit mir hat, ist dies keine Diskriminierung

Ich habe zu akzeptieren, wenn mir ein junger Mann auf Gayromeo schreibt: „Du gefällst mir so absolut nicht, du bist mir zu klein und zu dick!“ oder „Du könntest mein Vater sein, ich habe keinen Bock darauf, mit Dir Sex zu haben!“ Mit Diskriminierung hat das rein gar nichts zu tun. Ebenso wenig, wie es etwas mit Inzest, Pädophilie oder Fortschreibung hierarchischer Familien- und Gesellschaftsstrukturen zu tun hat, wenn es dann mit einem anderen jungen Mann zum Date kommt und wir Vater-Sohn- oder Lehrer-Schüler-Spiele miteinander machen. Und es war auch keine positive Diskriminierung oder ein latenter Rassismus, als ich mal eine Zeitlang ganz scharf drauf war, mit Türken und Arabern Sex zu haben. Ich wohnte damals ganz einfach in Köln Kalk und war vom Fitnessstudio bis zum Supermarkt umgeben von jungen, unglaublich attraktiven Männern mit Migrationshintergrund – auf die sich dann mein Begehren verstärkt fokussierte.

Politik und Sex sind zwei verschiedene Sphären

An der ganzen Welt der Skin- und Uniformfetische sowie der SM-Szene und der damit verbundenen Bildwelten ließe sich das noch einmal ähnlich durchbuchstabieren. Die Welt schwulen Begehrens ist so bunt und vielfältig wie ihre Protagonisten. Wir sollten uns tunlichst davor hüten, sie nach politischen, moraltheologischen oder ideologischen Kriterien in gute und böse Stellungen im Bett aufzuteilen oder permanent pädagogisch begleiten zu wollen. Das wäre nämlich das ebenso sichere wie erbärmliche Ende jeder Lust.

Mehr zu dem Themenbereich im aktuellen Heft der MÄNNER 9/14.

Titelfoto: www.birlyshirts.com

 


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