klitschko

Kein Einsatz für Homos

Vitali Klitschko will sich nicht mehr engagieren

„Ich setze mich nicht für Lesben und Schwule ein!“ – Vitali Klitschko verärgert auf der Eurocities-Konferenz in München LGBTI-Aktivisten aus München und Kiew

Der Bürgermeister der Stadt Kiew will sich nicht für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender (LGBT) einsetzen. Klitschko hatte erst kürzlich versprochen, sich für den Wiederaufbau des niedergebrannten Zhowten-Kinos einzusetzen, das wegen des LGBT-Filmfestivals „Sunny Bunny“ attackiert worden war.

Die Eurocitites-Konferenz bringt Städte aus ganz Europa zusammen, ehrt sie für kommunale Errungenschaften wie Energieeffizienz, Mobilitätskonzepte und Bürgernähe. Kiew ist in diesem Jahr leer ausgegangen. Die Hauptstadt der Ukraine hat im Moment grundlegende Probleme; sie kämpft ums Überleben. Gasversorgung, steigende Preise und Armut sind die Themen – aber auch die zunehmenden Übergriffe auf Lesben, Schwule und Transgender sollten ein solches sein.

Zumindest für letzteres interessiert sich Vitali Klitschko, seit Mai Bürgermeister der Stadt Kiew, nicht. Auf der Eurocities-Konferenz in München hat er sich gegenüber Stadträtin Lydia Dietrich entsprechend geäußert. Dietrich – die Grünen-Politikerin hat die Kooperation der Partnerstädte Kiew und München im LGBT-Bereich 2012 mit ins Leben gerufen – hatte Klitschko um Unterstützung für den Kampf um Menschenrechte gebeten. Menschenrechte finde er immer gut, habe der Politiker daraufhin gesagt, aber für Lesben- und Schwulen-Rechte werde er sich nicht einsetzen.

Das Entsetzen ist groß. „Vitali Klitschko hat auch nach dem homophoben Anschlag auf das Zhowten-Kino in Kiew nicht erkannt, dass Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in Kiew und der Ukraine in ihren Menschenrechten betroffen sind. Das ist eine dramatische Ignoranz und Missachtung der elementaren Rechte, die selbstverständlich auch für LGBT gelten müssen“, sagt Lydia Dietrich.

In Kiew äußern sich Aktivisten besorgt: „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Taras Karasiichuk, Chef der ukrainischen Organisation Gay Alliance Ukraine in Kiew. „Worum ging es während der Revolution der Würde auf dem Maidan? Darum, allen Ukrainern und Bürgern von Kiew gleiche Rechte zu gewähren – ganz unabhängig von deren sexueller Orientierung. Unser Bürgermeister sollte, als einer der aktivsten Politiker auf dem Maidan, ein Aushängeschild für den Wandel in der Ukraine sein. Sein Statement ist ein Widerspruch: Er stehe ein für Menschen-, aber nicht für LGBT-Rechte. Das ist unmöglich: Es gibt keine Menschenrechte für Heterosexuelle auf der einen und für homo-, bi- sowie transsexuelle Menschen auf der anderen Seite. Menschenrechte sind Menschenrechte! Alles andere ist diskriminierend.“

Vergangene Woche wurde in Kiew das Zhowten-Kino in Brand gesteckt, das jedes Jahr das Filmfestival Molodist beherbergt. Das LGBT-Filmfestival „Sunny Bunny“ ist Teil davon. Als ein Film über Drag Queens im Frankreich der 50er Jahre („Summer Nights“) lief, legten die Angreifer die Brandsätze. Die Zuschauer konnten rechtzeitig fliehen. Anhänger des Kinos, das für sein Programmkino überregional bekannt ist, hatten daraufhin für den Wiederaufbau demonstriert, den Klitschko auch zugesagt hat. Von einem „Hassverbrechen“, das die USA vermuten, wollte der Kiewer Bürgermeister nichts wissen. Zwei Tage nach dem Brandanschlag verweigerten Männer des „Rechten Sektors“ den Zuschauern den Zugang zum Film „Max und die Anderen“ des österreichischen Regisseurs Richard Rossmann, der in einem anderen Kino laufen sollte. In Rossmanns Film geht es um Homosexualität, Aids und Familie.

Foto: youtube Screenshot

Informationen von Munich Kiev Queer: Die Kontaktgruppe Munich Kiev Queer koordiniert die Zusammenarbeit zwischen der Münchner und Kiewer Lesben-, Schwulen-, Bi- und Trans-Szene, seitdem die Partnerstädte auch im LGBT-Bereich kooperieren. Es geht um politische Aktionen, einen kulturellen und fachwissenschaftlichen Austausch, auch um eine gemeinsame Öffentlichkeitarbeit mit dem Ziel, die Menschenrechtssituation für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in der Ukraine zu verbessern. KyivPride und CSD München unterstützen sich ebenfalls gegenseitig. Die Landeshauptstadt München trägt die Kooperation auf höchster Ebene mit.

 


8 Kommentare

  1. Dann isses So.

    Wer toleranz erwartet sollte selbst auch tolerant sein . Wenn Klitschko das nicht möchte sollte man seinen Wunsch auch respektieren.

  2. Luca

    Es geht hier nicht um Toleranz, sondern um die Menschenrechte. Ein Bürgermeister, der sich für Menschenrechte einsetzen will, sollte damit auch jeden einzelnen Menschen meinen und die Menschheit nicht in verschiedene Gruppen unterteilen. Menschenrechte sind Menschenrechte!

    Ob nun jemand Schwul, Hetero, Lesbisch, Bi, Transgender ist – wir sind alles Menschen.

    Klitschko muss LGBTs nicht mögen – er muss aber auch daran denken, dass wir Menschen sind und somit Rechte haben.

    (Nur als Beispiel zu sehen!) Es wäre das Gleiche, wenn ich einem behinderten Menschen den Zutritt in eine Disko verweigern und jeden, auch LGBTs, anderen einlassen würde – es wäre in jeglicher Hinsicht und in jedem der Augen zu sehen, dass dies diskriminierend sei!

  3. BaileyJay

    Nazis zünden ein Kino an in dem ein LGBT-Filmfestival und der Bürgermeister will sich nicht für die Rechte von den Betroffenen einsetzen!? Seltsames Amtsverständnis

  4. Norbert Friedrich

    @dann isses so Was sind sie für ein Zyniker – Übrigens für alle die Latein nicht als ihre Sprache erkennen bedeutet ihr Satz „Wie viele Männer, so viele Meinungen” Wie Frauenfeindlich – Verwerflich bei seiner Meinung ist das er diese scheinbar erst erkannte, als er an der Macht war. Pfui Deibel.

  5. Dann isses So.

    Tja Verstand kommt von Verstehen das scheint für einige ein Prozess zu sein der Sie überfordert . Ich mag keine Stechmücken ist das jetzt Tierfeindlich ?


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