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Tagebuch eines Sexsüchtigen

Hohle Blicke, fluchtartige Abgänge

von Christian Mentz

Mit seinem Protokoll-Roman „Tagebuch eines Sexsüchtigen“ flutet US-Autor Scott Alexander Hess die klebrige Schönheit der Adventszeit mit Poppers und Sperma und erzählt dabei trotzdem eine Weihnachtsgeschichte, die auf ihre eigene radikale Weise das Prädikat „schön“ verdient. 

Als Bareback-Pornodarsteller Brandon Hawk vor dreieinhalb Jahren von einem gewissen Scott Alexander Hess angeheuert wurde, um einen Promokurzfilm für dessen Roman „Diary of a Sex Addict“ zu drehen, wusste er nicht genau, was ihn erwartet. Eine kauzige Geschichte über einen New Yorker Homo, der zu Weihnachten eine Sechs-Mann-Orgie plant, und im Off etwas über den Unfalltod seiner Eltern und seine dunkle Seite faselt, stand im Drehbuch. Auch eine Fickszene mit Rentboy-Kollege Gio Dell war geplant. Und dann eine abrupte Unterbrechung, in der dem Typen, den Hawk spielen sollte, einfällt, dass heute der 7. Dezember ist, und er einen Adventskalender aufhängen muss. Weil das seine tote Mutter auch immer an dem Tag getan hat. Das Fickdate ergreift daraufhin die Flucht und der Kalenderboy bleibt allein zurück. Bis wenig später das nächste Date an der Tür klingelt…

Brandon Hawk waren die Versatzstücke dieses Szenarios vertraut. Abgesehen vielleicht von dem Adventskalendertick. Wie nah die Figur aber wirklich an seiner eigenen Erfahrungswelt dran war, merkte er erst ein paar Wochen später. Als er „Diary of a Sex-Addict“ komplett gelesen hatte und sich in vielen Erlebnissen des getriebenen Ich-Erzählers selbst wiedererkannte. Das ständige Fiebern auf Grindr-Dates, die skurrilen Wünsche und Vorlieben mancher Sexpartner, ihre hohlen Blicke und fluchtartigen Abgänge – all das kennt der Pornodarsteller, sodass er sich beim Lesen gleichzeitig verstanden und ertappt fühlte. Diesen Effekt hatte das Buch bei vielen schwulen Fick-Junkies. Einige von ihnen (auch Hawk) haben Autor Hess seitdem über Facebook geschrieben, wie sehr ihnen die ungeschliffene und irgendwie trotzdem poetische Prosa aus der Seele sprach. Wie sehr sie deren ambivalente Atmosphäre zwischen Leere und Rausch nachvollziehen konnten. Manchmal gar, wie sie ihnen geholfen hatte, eigene Macken und Obsessionen zu erkennen oder zu greifen. (…)

Der vollständige Beitrag steht im Dezember-Heft der MÄNNER. Hier als E-Mag oder gleich hier das Probeabo bestellen!

Scott Alexander Hess: Tagebuch eines Sexsüchtigen
Bruno Gmünder, 192 S., 14,99 Euro

 


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