Thomas Hitzlsperger

„Ich lasse es auf mich zukommen”

Hitzlsperger - ein Jahr nach dem Coming-out

Ein Jahr nach seinem Coming-out spricht Thomas Hitzlsperger mit MÄNNER zum ersten mal öffentlich über seinen ersten Freund, erste schwule Erfahrungen in San Francisco und seine privaten Zukunftspläne. Interview: Marc Schäfer

 

Sie haben mal gesagt, dass Sie sich so sehr auf Fußball fokussiert haben, dass Sie von Ihrer Homosexualität nichts wahrgenommen haben. Das konnte ich nicht nachvollziehen.

Da ist wohl jeder Mensch unterschiedlich. Profisportler ticken sowieso etwas anders. Aber es war wirklich so: Ich bin aufgewachsen und hatte nur Fußball im Kopf. Das ist dann ein schleichender Prozess. Selbst die Beziehung zu meiner damaligen Freundin, die war zwar gut, aber sie lief eher nebenher. Das Gefühl, dass mir etwas fehlt, dass ich mit einem Mann leben will, das hat sich erst am Ende meiner Karriere eingestellt. Das hatte ich vorher nicht. Bis dahin hat sich alles darum gedreht: Wie werde ich Profi? Wie werde ich besser? Wie komme ich in die Nationalmannschaft? Nur das hat mich beschäftigt.

Und dann?

Ich bin nicht eines Morgens aufgewacht und habe gewusst, ich bin schwul. Es war ein langer Prozess. Irgendwann dachte ich, ich glaube, da gibt es noch etwas anderes. Ich wolle es anfangs nicht wahrhaben, dann wollte ich es erst mal ausprobieren. Das ist sicher bei jedem anders. Irgendwann war auch mir klar, das ist nicht nur in deinem Kopf, sondern das ist wirklich so.

Waren Sie während Ihrer Karriere in irgendeiner Weise schwul sozialisiert?

Nein. Abgesehen davon, dass ich einen Freund hatte (lacht).

Wann war das?

Während ich beim FC Everton gespielt habe. Das war meine einzige schwule Sozialisierung. Ich war zuvor vielleicht zweimal in der Szene, aber nicht in Deutschland oder England, sondern in den USA. Dort war es ziemlich unwahrscheinlich, dass ich erkannt werde. Bei meinem zweiten Besuch in San Francisco habe ich meinen ersten Freund kennengelernt. Er ist dann später zu mir nach Liverpool gezogen.

Wie war das Leben mit Ihrem Freund in Liverpool?

Wie war das Leben? Es waren nur ein paar Monate, aber es war schön, mit einem Mann in einer Beziehung zu leben. Sehr schön, definitiv. Man teilt sein Leben mit jemandem, den man liebt. Man kommt abends nicht in eine leere Wohnung. Wir sind zwar nicht gemeinsam weggegangen, aber es war trotzdem wunderbar für mich. Diese erste schwule Beziehung und diese Selbstverständlichkeit, die es für uns war. Es gab gar nicht die Notwendigkeit, es jedem zu erzählen. Nur meine Familie Bescheid. Wir haben sogar über Fußball geredet, aber nicht nur (lacht).

Haben Sie einen Lebensplan, inklusive Hochzeit und Kindern?

Ich möchte nichts davon ausschließen, aber das hängt natürlich vom Partner ab. Und solange ich keinen habe, möchte ich mich nicht festlegen. Ich lasse es auf mich zukommen (lacht).

Sie haben Ihre ersten schwulen Erfahrungen in San Francisco gemacht. Wie war das für Sie?

Ich war überwältigt. Ehrlich gesagt. Es waren meine ersten Erlebnisse, deshalb wird die Stadt auch besonders für mich bleiben. Als ich zum ersten Mal im Castro war und die Regenbogenflaggen auf der Marketstreet gesehen habe… Das gibt’s so sonst nirgends auf der Welt. Wahnsinn. Ich finde, San Francisco hat eine Sonderstellung. Dort spielt das schwule Leben eine größere Rolle. Die Akzeptanz ist größer. Ich habe das Gefühl, die Leute dort zelebrieren ihr Leben. Das ist total cool. Ich habe damals eine Verletzungspause genutzt und bin ganz alleine hin. Ich kannte niemanden und habe mal geschaut, was da los ist. (lacht) Ich hatte nur gehört, in San Francisco scheint es wohl ganz gut zu sein. Und es war super.

Das gesamte Interview erscheint in der Februarausgabe der MÄNNER. Hier bestellen: Brunos

(c) Foto: Matt Wright


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