20150211_121533

Hitze für Vielfalt

Mit Forschung und Seminaren gegen Homophobie

Das Coming-out von Thomas „Hitze” Hitzlsperger vor einem Jahr hat richtig eingeschlagen. Das Wissen um den schwulen Ex-Profifußballer ist so präsent, dass es einigen so vorkommt, als sei sein ZEIT-Interview schon länger her. Vermutlich wurde deshalb sein Coming-out in den Presseunterlagen zur heutigen Veranstaltung versehentlich auf 2013 zurückdatiert.

Gemeinsam mit Hitzlsperger, dem Deutschen Fußballbund (DFB) und Vertretern mehrerer Fußballvereine und Fanorganisationen hat die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld am Mittag die neue Homepage zur Bildungs- und Forschungsinitiative gegen Homophobie im Sport vorgestellt: „Fußball für Vielfalt“.

Den Hebel umlegen

Problem: Man weiß zu wenig über Homophobie im Sport, Fußball im Besonderen. Belastbare, empirische Daten soll in den nächsten Jahren Prof. Martin Schweer von der sportpsychologischen Beratungsstelle „Challenges“ der Uni Vechta liefern. Man will Bildungsmaßnahmen mit Vereinen durchführen, auch mit homosexuellen Sportlern (die Angebote findet man auf der neuen Seite www.fussball-fuer-vielfalt.de). Man muss, so Schweer, in die Vereine hineinkommen und den „Hebel umlegen“. Doch oft fehlt es dort an der Bereitschaft. Die Vereine kommen erst langsam aus der Deckung. Der erste, der die von der Hirschfeld-Stiftung initierte „Berliner Erklärung: Gemeinsam gegen Homophobie“ unterzeichnet hat, war Werder Bremen. Aber auch die beißen bei ihrem Bemühen, Diskriminierung und Vorurteile abzubauen, teilweise noch auf Granit. Man musste kürzlich eine Fortbildung canceln, weil man nur drei Anmeldungen bekommen hatte, erklärte Anne-Kathrin Laufmann vom Bereich Fanbetreuung. Von den Vereinen hatte niemand Zeit, jedenfalls war das die offizielle Begründung.

Schwul-lesbische Fanclubs im Osten Deutschlands: Fehlanzeige

Ganz andere Herausforderungen liegen im Osten. Dirk Brüllau von den Queer Football Fanclubs (QFF), dem Netzwerk europäischer schwul-lesbischer Fußballfanclubs, sagte gegenüber MÄNNER, dass von den 32 Vereinen, die sie vertreten, 26 in Deutschland sitzen – nur keiner in den neuen Bundesländern, Berlin mal ausgenommen. Und Berlin ist eben auch nicht gleich Berlin. Als ein Fan von Union Berlin (2. Liga) vor einem Jahr einen schwul-lesbischen Fanclub gründen wollte und beim Verein anfragte, erhielt er keine Reaktion. Bis heute nicht.

Rote Karte für „Schwule Sau”

Sven Wolf ist schwul und arbeitet als Geschäftsführer beim Hetero-Club VfR Mannheim (wurde 1949 Deutscher Fußballmeister, 14 Jahre vor Gründung des Bundesliga) und ist daneben auch Ansprechpartner für Homosexualität im Badischen Fußballverband. Dort setzt er sich dafür ein, dass die Strafordnung, die den Spielbetrieb regelt, bei nächster Gelegenheit geändert wird. Rassistische Bemerkungen sind darin schon ausdrücklich verboten, sie werden mit einer Roten Karte geahndet. Das gilt noch nicht automatisch für den Fall, dass ein Spieler einen anderen als „schwule Sau” beschimpft. Das kann ein Schiedsrichter zwar jetzt schon aus Ermessensgründen bestrafen, muss er aber nicht. Wenn auch Beleidigungen aufgrund der sexuellen Orientierung als Vergehen gegen die Strafordung festschrieben wird, wäre das ein wichtiges Zeichen.

Toller Distanzschuss

Die Initiative „Fußball für Vielfalt”, das wurde heute eindrücklich deutlich, hat viele Kämpfer. Der prominenteste ist sicher Thomas Hitzslperger, dessen „toller Distanzschuss” aus aktiven Zeiten heute nochmal von Seiten des DFB gelobt wurde, aber vor allem gibt es viele, die im Kleinen arbeiten. Zugegeben, es ist noch viel zu tun. Aber es geht voran.

 

Foto: Jörg Litwinschuh (Gesamtleitung des Projekts Fußball für Vielfalt), Kathrin Müller-Hohenstein (ZDF), Thomas Hitzlsperger (v.l.n.r.)


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close