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Nichts Neues aus der Anstalt

Schwule sind fürs ZDF irrelevant

Jede ARD-Anstalt hat einen Rundfunkrat, der u. a. die Unabhängigkeit des Senders überwachen soll. Beim ZDF heißt das „Fernsehrat”: Dort sitzen von Politikern abgesehen: Katholiken und Vertreter der Evangelischen Kirche wie der Jüdischen Gemeinde, Vertreter der Landwirte, der Vertriebenen sowie der Behinderten – um nur einige zu nennen. Im Gremium des Saarländischen Rundunks etwa sitzen – zusätzlich zu den Kirchen – auch drei Vertreterinnen von Frauenorganisationen, darunter eine katholische und eine evangelische. Aber: Nirgendwo sitzt ein Vertreter des LSVD. Dabei sollen in den Gremien gesellschaftlich relevante Gruppen vertreten sein. Dazu zählen wir offenbar nicht.

Hessen schickt Migranten nach Mainz

Das ZDF will dies auch in Zukunft nicht ändern. Geplant ist eine neue Zusammensetzung des Fernsehrates, in den jedes Bundesland künftig Vertreter einer gesellschaftlichen Gruppe entsendet: Hessen übernimmt die „Migranten”, Rheinland- Pfalz schickt einen Vertreter der „Menschen mit Behinderung” und Sachsen-Anhalt einen für „Heimat und Brauchtum”. Und wer schickt Lesben und Schwule? Richtig: Niemand! Die sind in dem Gremium nicht erwünscht.

Wen das wütend macht, dem sei das Titelthema im neuen MÄNNER-Heft (3.2015) empfohlen: „WUT IST GUT”. Die Besetzung der Rundfunkräte ist nur einer von vielen Aufregern, und diesen Missstand klagt u. a. der Lesben- und Schwulenverband Deutschlands, LSVD, an: „unfassbar, dass der gesellschaftliche Bereich LSBTI auch im Jahr 2015 weiter aus den Gremien des ZDF ausgeschlossen bleiben soll, dessen Sendungen laut § 5 des Staatsvertrages ‘auf ein diskriminierungsfreies Miteinander hinwirken’ sollen.”

Warum wurde ein Sitz für Schwule gestrichen?

Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Grünen, fragt: „Warum wurde ein Sitz für Lesben, Schwule, Trans- und Intersexuelle oder für Menschen- und Bürgerrechte wieder gestrichen? Warum hat der Bund der Vertriebenen (BdV) im Jahre 2015, 70 Jahre nach der Vertreibung, erneut einen Sitz, obwohl er nicht mal einen Vertriebenen findet, der den Verband vertreten könnte und deshalb wohl auf das Besatzerkind Erika Steinbach-Hermann zurückgreift?”

Dazu muss man anmerken, dass Frau Steinbach im November von CSU-Mann Bernd Fabritius abgelöst wurde. Der, und da sind wir wieder ganz bei Herrn Beck, ist der erste BdV-Chef, der nach dem 2. Weltkrieg geboren wurde. Das Gefühl, vertrieben zu sein kennt der höchstens aus einem anderen Grund: Der Mann ist schwul.


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