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Als Sexsklave in New York

Roland war eineinhalb Jahre gefangen

Drei Männer wurden im vergangenen Jahr festgenommen, die im Internet junge Männer für einen Job in den USA rekrutiert hatten. Was die Bewerber auf solche Anzeigen nicht erfuhren: Sie sollten kein Geld verdienen, man würde ihnen stattdessen alles wegnehmen – ihre Freiheit , ihre Würde, ihre physische und psychische Integrität. Roland ist einer von den Jungs, die von den Zuhältern A. Gabor, B. Viktor und V. Andras eineinhalb Jahre lang als Sexsklaven für Kunden angeboten wurden. Der junge Ungar will seine Stimme erheben und anderen helfen, dass sie nicht in eine solche Situation geraten. Darum traf sich Roland nach langem Schweigen mit unserem Autor Kristóf Steiner

Auf was für eine Jobanzeige hast Du Dich beworben?

Auf einem schwulen Partnersuche-Portal haben sie mich angeschrieben, ob ich Interesse an einer leichten Arbeit auf einem Schiff als Küchenjunge oder Kellner habe. Sie haben am Anfang auch erwähnt, dass ich sogar einen Escort-Job annehmen könnte. Erst einmal habe ich nicht geantwortet. Dann haben sie wieder geschrieben. Ich fand dann, dass dieser Job doch nicht so schlimm wäre. So fragte ich, ob ich mehr Informationen über diesen Job bekommen kann. Sie haben nur knapp geantwortet.  Der Job dauere nur drei Monate, und ich könne 3500 bis 5000 Dollar im Monat verdienen. Sie würde mir das Visum besorgen und Flug und Unterkunft bezahlen. Sie beruhigten mich, dass ich mir darüber keine Sorgen machen brauche, da alles von meinem ersten Lohn abgebucht wird. Ich habe zugesagt, und einige Tage später bekam ich eine Email mit dem Flugticket nach New York.

Hattest Du keinen Verdacht ? Haben Deine Eltern oder Freunde Dich nicht gewarnt?

Doch. Es war ein bisschen merkwürdig. Am Anfang hatte ich vor allem Angst, dass ich betrogen werde, aber dann war es mir egal, was passieren wird. Meine Mutter war dagegen. Aber ich bin trotzdem hingefahren, weil ich aus einer armen Familie stamme. Und ich wollte unbedingt meiner Mutter helfen.

Was ist passiert, als Du in New York angekommen bist?

Drei Männer haben auf mich am Flughafen gewartet. Diese ersten Minuten waren noch in Ordnung. Als wir aber in der Wohnung angekommen sind, waren noch mehr Jungs da, und dann ist mir klar geworden, womit ich rechen musste. Sie haben auch nur noch über die Escort-Arbeit geredet.

Ich habe gehört, dass Ihr täglich über 20 Stunden bereit sein musstet.

Es gab solche Tage. Aber durchschnittlich haben wir 16 bis 18 Stunden lang gearbeitet. Großenteils haben wir vor der Kamera erotische Shows performt. Wenn wir fertig waren, mussten wir Hausarbeiten machen oder unsere Chefs massieren. Das war für uns eher eine Erholung. Wir haben durchschnittlich drei bis vier Stunden geschlafen. Wir waren eigentlich immer müde und unausgeschlafen.

In welchen Verhältnissen habt Ihr gewohnt? Wer hat sich um Eure täglichen Bedürfnisse wie Essen oder die medizinische Versorgung gekümmert?

Als ich nach New York kam, waren wir zu siebt in der Wohnung. Einen Monat später kam noch ein Junge zu uns. Monate lang kriegten wir nur einmal pro Tag eine warme Mahlzeit.  Die Alltagsdinge besorgten die unsere Entführer. Sie haben uns dann alles zum doppelten Preis in Rechnung gestellt.

Hast Du Geld erhalten?

Nein. Wir haben mit Schulden angefangen. Wir haben keinen Cent bekommen.  Mit jeder Ausgabe – Duschgel, Zahnpaste etc. – sind unsere Schulden höher geworden. Unsere Entführer haben sehr gut verdient – aber wie gesagt wir haben davon kein Geld gesehen. Sie haben uns gesagt: Wenn wir uns gut verhalten, dann können wir ein bisschen mehr schlafen.

Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand jeden Tag 15-20 Stunden sexuell aktiv sein kann. Habt Ihr Aufputschmittel von diesen Männer bekommen?

Nein. Wir wollten auch immer nur schnell fertig sein. Vor der Kamera oder vor den Klienten mussten wir gut aussehen, da war der Sex manchmal nicht so wichtig. Der Sex war immer gespielt. Wir hatten ganz viele regelmäßige Freier, die mehr als Sex wollten. Die waren schon ein bisschen bizarr. Sie haben von uns viel verlangt. Zum Beispiel, dass wir uns gegenseitig schlagen und demütigen. Oder sie wollten einfach nur unsere Gesellschaft.

Habt Ihr Kondome benutzt?

Klar! Natürlich haben die Männer aufgepasst, weil sie ja von uns gelebt haben.

Wenn jemand krank war, hattet Ihr dann freie Tage?

Nein. Nicht einmal, wenn wir 40 Grad Fieber hatten. Wir mussten alles ertragen. Es gab keine medizinische Versorgung.

Was hat Dich davon abgehalten, zu flüchten?

Als ein Junge verschwunden war, haben sie uns erzählt, was sie mit diesem Jungen machen würden, ihn schlagen und foltern. Einige Tage später haben sie ihn gefunden. Sie haben alles wahr gemacht. Der arme Junge! Sie haben ihn richtig verprügelt und sogar mit einem Schwert bedroht, wenn er noch mal abhauen würde.

Hattest Du Kontakt mit jemandem, der Dir helfen konnte?

Wir haben das Konsulat um die Hilfe gebeten. Aber die haben nur uns gesagt, dass sie uns nicht helfen können, weil es nicht ihre Zuständigkeit ist.
(Unser Autor wollten mit dem ungarischen Konsulat reden, bekam aber bisher keine Antwort – Anm d. Red.)

Und die amerikanische Behörden? Habt Ihr 911 angerufen?

Nein, einmal ist die Polizei bei uns in der Wohnung gewesen. Sie haben nach Drogen gesucht, weil es einen Verdacht gab, dass unsere Entführer Drogen schmuggeln. Danach sind wir gegenüber der Polizei und dem Konsulat sehr skeptisch geworden.

Wie war das Leben mit den anderen Jungs? Habt Ihr Euch emotional unterstützen können?

Ja. Wir waren für einander immer da. Allein konnte man das nicht durchhalten. Wir sind ziemlich gute Freunde geworden.

Weiß Du, wer Eure Freier waren?

Meistens wussten wir, woher sie kommen und auch, was sie beruflich machten. Ab einem Alter von 20 war alles dabei. Großenteils Amerikaner, Deutsche und Engländer, – Millionäre, Staatsdiener, einfache Männer oder bekannte Sänger.

Es ist ein psychologischer Effekt, dass in dieser Situation Opfer gegenüber Tätern positive emotionale Gefühle entwickeln. Hast Du so etwas erlebt?

Ja, es gab diese Phase, aber mir wurde klar, dass diese Gefühle nicht echt sein können, weil ich doch nur ein Ding in ihren Augen bin. Ich habe keine Gefühle mehr für sie. Als ich in die USA zur dreitägigen Gerichtsverhandlung  zurückreisen musste, konnte ich diesen Männern nicht ins Gesicht sehen.

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Foto: Facebook/dívány.hu

 

Du bist seit einem Jahr wieder in Ungarn.  Wer hat die Täter überführt, die jetzt in Miami im Gefängnis sitzen?

Die Amerikanischen Behörden haben diese Männer schon lange beobachtet. Wir sind sehr dankbar für die Einwanderungsbehörde. Weiterhin hat mir ein Junge aus Ungarn geholfen, sodass ich kurzfristig einen richtigen Job fand und das Flugticket nach Ungarn bezahlen konnte.

Ihr wart zu dritt, als man Euch gefunden hat. Was ist mit den anderen passiert?

Ein paar Jungs konnten schnell entkommen. Ein Junge hat sich in seinen Freier verliebt. Als wir nur noch zu dritt waren, gab es mehr Kontrolle und keine Möglichkeit wegzulaufen.

Träumst Du manchmal von dieser Zeit?

Manchmal. Am Anfang hatte ich immer Angst, dass ich früh morgens von diesen Träumen wach werde. Einige Monate später konnte ich wieder richtig schlafen. Aber bis heute ist alles in meinem Kopf. Am Anfang habe ich es mit Alkohol versucht. Monatelang bin ich besoffen ins Bett gegangen, weil ich dachte, dass ich mich am nächsten Morgen nicht mehr erinnern werde.

Kannst Du mit Deiner Familie darüber reden? Oder mit Freunden?

Absolut. Ich bin überglücklich, dass sie zu mir stehen. Freunde habe ich nicht.

Ist es schwierig, eine Beziehung zu führen?

Ich habe es versucht. Aber als ich mich meinem Partner öffnete, zog er sich zurück. Ich warte auf den richtigen Mann, der mich akzeptieren kann und Interesse an einer gemeinsamen Zukunft hat.

Titelfoto:  Shutterstock


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