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„Wir sind auch zwei Mütter“

Eine ganz normale Familie aus Rio

von Alfonso Pantisano

Zum Muttertag hat die brasilianische Fluggesellschaft GOL Airlines drei Paare porträtiert – darunter ein schwules Paar. Die neue Kampagne präsentiert unterschiedliche Familien, die alle jeweils ein Kind adoptiert haben. Gilberto und Rodrigo sind seit 12 Jahren ein Paar und gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Sohn Paulo Henrique, erzählen sie die Geschichte, die ihr Leben verändert hat. Als der Kleine zwei Jahre alt war, musste er nach dem Tod seiner Mutter in ein Heim und nach verschiedenen Fehlversuchen, eine neue Familie für ihn zu finden, traf er zwei Jahre später Gilberto und Rodrigo aus Rio de Janeiro, die dann seine Adoptiveltern wurden.

Paul ist kein mutterloses Kind

Im Video berichtet das Paar von ihrem großen Wunsch ein Kind zu adoptieren und wie sie sich gefühlt haben, als sie auf ihren Sohn warteten, der aus der Ferne kam. Gleichzeitig erzählen sie auch von der großen Aufregung, endlich ihr Kind zu treffen, der sie ab der ersten Begegnung  als Väter angenommen hat. Gilberto und Rodrigo sind sich einig darüber, dass die Rolle einer Mutter eine andere Form der Liebe bedeutet, doch sie bestätigen auch, dass sie beide diese Rolle abwechselnd übernehmen. „Ich habe nicht das Gefühl, dass Paul ein mutterloses Kind ist. Ich fühle, dass Paul zwei Väter hat aber wir sind auch zwei Mütter“, sagt Rodrigo im Kampagnenvideo.

Eine Entscheidung, die das Leben verändert
„Für den Muttertag will GOL die Geschichte der vielen Brasilianer erzählen, die sich, unabhängig von jeder Entfernung, für die Liebe entschieden haben. Das Ergebnis dieser Entscheidung veränderte ihr Leben und könnte auch ein wenig Ihr Leben verändern“, schreibt das Unternehmen auf seinem YouTube-Kanal. In dieser Kampagne erzähl GOL Airlines auch die Geschichten der Paare Monica und Mariane und Celmara und John Edward, die als Familie auch Kinder adoptiert haben. #escolhaoamor (#sichfürdieliebeentscheiden) ist der hashtag der schönen Online-Kampagne.


Und darüber reden Gilberto und Rodrigo:

„Wir hatten den Adoptionswunsch vor fünf Jahren. Wir hatten dieses Gefühl der Unvollständigkeit, welches wahrscheinlich ein natürliches Gefühl für Paare ist, die seit längerer Zeit zusammen sind und die gemeinsam etwas aufbauen wollen. Uns ging auch der Gedanke durch den Kopf, dass wir etwas zurückgeben könnten an die, die nie etwas hatten. Brasilien ist voll von Kindern, die verlassen wurden. Und somit haben wir angefangen ein Kinderzimmer einzurichten, so als wären wir schwanger. Eines Tages bekam ich dann eine E-Mail, in der 5 oder 6 Kinder aufgelistet waren, die an verschiedenen Orten im Land verteilt waren. Da war auch ein Kind dabei, vier Jahre alt, aus der Gegend von Minas Gerais. Wir waren schon sehr aufgeregt, als das ganze seinen Lauf nahm. Da habe ich Gilberto gefragt, was er denn glaube, wie lange es wohl dauern würde, bis uns der kleine Vater nennen würde? Vielleicht würde er uns erst irgendwann mal eines Tages Vater nennen, denn Adoptivkinder haben oft Schwierigkeiten die neuen Eltern als Vater oder Mutter zu nennen. Aber ab dem ersten Moment, wo er uns gesehen hat, hat er uns sofort Vater genannt.

Selbst einige sehr enge Freunde fragen uns immer wieder mal, „wer ist denn jetzt die Mutter von euch beiden?“ Aber wir sehen es so, die Rolle der Mutter bedeutet eine andere Form der Liebe. Ich habe nicht das Gefühl, dass Paul ein mutterloses Kind ist. Ich fühle, dass Paul zwei Väter hat aber wir sind auch zwei Mütter. Erinnerst du dich, wir waren eines Tages hier im Wohnzimmer, da kam er rein, zeigte auf einen Bilderrahmen mit einem Bild von uns drei und er sagte: ‚Papi, das ist doch unsere Familie, oder?‘ Und es war in diesem Moment, dass er mit seinen 5 Jahren verstanden hatte… Er umarmte die Realität und verstand etwas, was viele Leute wohl nie verstehen werden. Wir gehen raus auf die Straße, die Menschen schauen uns an und schenken uns meistens ein Lächeln. Wir sind eben eine Familie, die adoptiert hat. Und er sagt: ‚Ich wurde adoptiert!'“

Foto: Screenshot


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