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„Mehr Oldies wiederbelebt als Viagra!”

Bette Midler in Glasgow

35 Jahre war die Midler nicht auf Tour in Großbritannien (in Deutschland trat sie zuletzt 1978 auf), und wenn man ihr zusieht, wie viel Vergnügen es ihr bereitet, auf der Bühne zu stehen, in verschiedene Rollen zu schlüpfen und zotige Witze zu reißen, dann fragt man sich warum. Das Publikum – viele Alte, auch etliche Schwule – liegt ihr zu Füßen, wenn es sich nicht gerade zu Standing Ovations erhebt, und belohnt sie mit langem Applaus.

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Midler als C.C. Bloom in „Freundinnen”

Es war eine Show, die den Namen verdient. Die 69-Jährige, die ihre Karriere mit Auftritten in Schwulensaunen begann, gibt bei ihrer Divine-Intervention-Tour  abwechselnd die Diva und den Clown – gerne beides im Abendkleid -, etwa wenn sie die Hitze auf der Bühne beklagt und sich auf die Bühne legt und alle Viere von sich streckt. Sie singt ihre großen Erfolge wie „Wind beneath my wings” (aus dem Film „Freundinnen”), „From a distance” und „The Rose” neben Midler-Klassikern „Spring can really hang you up the most” (den sie mit ihrer 12-köpfigen Band leicht aufjazzt, was der Nummer sehr gut tut), „Do you wanna dance”, „Beast of burden” und „I think it’s gonna rain today”. Daneben natürlich, aber wohldosiert (obwohl so ein Konzert ja immer auch eine Verkaufsveranstaltung ist) Songs aus ihrem aktuellen Album „It’s the girls”, für das sie Hits von Girlgroups wie TLC, den Supremes oder den Shirelles neu aufgenommen hat.

Sie kann nichts wegwerfen, erklärt sie, schon gar nicht alte Songs. Sie sammelt sie und haucht ihnen neues Leben ein: „Ich habe mehr Oldies wiederbelebt als Viagra.”

Womit wir endlich bei ihren Zoten wären. Zwischen den Songs gerät sie ins Plaudern, etwa über die Kardashians, die ihren Ruhm einem Sextape verdanken. Midler zeigt (montierte) Fotos, die sie im Bett zeigen mit bekannten Herren wie Wladimir Putin und Jamie Oliver und schließlich sogar mit Margaret Thatcher. Aus dem Publikum kommen Buhrufe, die der Eisernen Lady gelten. Darauf Midler: „Zu meiner Entschuldigung, ich dachte, es wäre Meryl Streep. Aber davon abgesehen, die Lady war wirklich eisern – ich konnte eine ganze Woche nicht richtig gehen.”

Und Bette Midler liebt politisch unkorrekte Witze: „Mein Mann ist Deutscher. Abends verkleide ich mich als Polen, und er marschiert ein.” In Großbritannien fallen solche Witze natürlich auf sehr fruchtbaren Boden.

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Bette Midler in „Hocus Pocus” (1993)

Aber auch die mehrheitlich älteren Gäste in der Glasgower SSE Hydro Arena bekamen ihr Fett weg, deren Alter immer wieder thematisiert wurde. Ebenso wie ihr eigenes – so ließ sich die Sängerin zwischendurch eine Sauerstoffmaske bringen. Aber das war natürlich nur Show. Wer wie sie zwei Stunden lang über die Bühne läuft und mehrfach das Kostüm wechselt (auch als Hexe aus „Hocus Pocus” im Originalkostüm ist sie zu sehen), der wird sich kaum so alt fühlen, wie er ist. Und dennoch: Bette Midler, die am 1. Dezember 70 wird, denkt über das Karriere-Ende nach, wie sie gegenüber dem Daily Mail Weekend Magazine sagte: “Ich werde wohl an irgendeinem Punkt aufhören.”

Die mehrfach mit Grammys und Golden Globes ausgezeichnete Sängerin und Schauspielerin würde fehlen (auch wenn sie sich nur alle Jubeljahre mal zeigt). Eine großartige Performerin wie sie, die sich selbst nie zu ernst nimmt, das gepflegte Frozzeln mit dem Publikum liebt und sich auf Entertainment wie keine andere versteht, gibt es wohl kein zweites Mal.

Ihre Tour endet mit zwei Konzerten am Wochenende in London. Wer Tickets hat, möge augenblicklich in eine hysterische Vorfreude ausbrechen.


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