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Gender-Explosion in der Oper

Trans*-Vorkämpferin Lucia Lucas

Lucia Lucas probierte lange in der Gesellschaft und im Opernbetrieb, wie ein Mann zu funktionieren. Mit beachtlichem Erfolg. Sie machte unter einem Männernamen Karriere als dramatischer Bariton, erst in Berlin, dann am Staatstheater Karlsruhe. Bis zum vergangenen Jahr. Da verwandelte sie sich äußerlich und öffentlich in eine Frau, die als erster weiblicher Bariton der Welt die schweren Jungs des Opernfachs singt

Mehr als 30 Jahre lang hasste es Lucas, Männerrollen spielen zu müssen. Sie wusste mit fünf, dass sie kein Junge war. Die Pubertät im kalifornischen Sacramento war schwer. „Welche Vorbilder gab es denn in den 80ern?“, fragt sie heute. Erst in jüngster Zeit haben Trans*-Menschen größere Sichtbarkeit erlangt, vor allem übers Internet. „Wir haben heute andere Rollenmodelle“, sagt Lucas. Das hat sie letztlich ermutigt, selbst den Schritt zu wagen und zu ihrem Intendanten in Karlsruhe zu gehen, um ihm mitzuteilen, dass sie nicht länger so weiterarbeiten könne wie bisher. Sie sprach auch mit ihrer Ehefrau Ariana, mit der sie seit zwölf Jahren zusammen ist.

Und dann ging die Transition los, mitten im Berufsalltag. Ihre Stimme hat sich durch die Hormonbehandlung nicht verändert. Lediglich der Tonumfang ist dank Stimmübungen größer geworden.

Als zweiter Bass hatte Lucas im Schulchor angefangen, als lyrisch-dramatischer Bariton sieht sich die Künstlerin heute. Seit sieben Jahren singt sie an deutschen Theatern, im Schnitt 50 Abende pro Saison. Mehr Helden-Rollen wären ihr in Zukunft willkommen, zum Beispiels Wagners Fliegender Holländer.

Während es in der Oper schon lange üblich ist, dass Mezzosoprane Hosenrollen wie Cherubino („Die Hochzeit des Figaro“) oder Octavian („Der Rosenkavalier“) übernehmen und damit ein dezentes lesbisches Erschauern auslösen, und während es ebenfalls üblich ist, dass (Counter-)Tenöre Frauenrollen übernehmen, was schwule Subtexte bloßlegt, so ist es doch neu, dass eine Frau mit Baritonstimme auf die Bühne stürmt.

„Übertriebene Machos zu spielen, macht mir heute richtig Spaß.“ Das sagte Lucas unlängst in einem Zeitungsinterview. Mozarts Don Giovanni, Verdis Jago, Gounods Mephisto zählen zu ihrem Kern-Repertoire: Für die schweren Jungs der Opernwelt hat sie die passende Stimme. Viele werden vermutlich gar nicht merken, dass da eine Frau auf der Bühne steht, wenn sie nicht auf den Besetzungszettel schauen. Lucas sagt selbst: „Es ist bemerkenswert, wie wenig meine Transition meine Bühnenkarriere berührt.“

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Lucas als Thoas in der „Iphigenie auf Tauris“ am Badischen Staatstheater in Karlsruhe (Foto: Falk von Traubenberg)

Das Theater Darmstadt hat gerade die Gender-Schraube noch einen Tick weitergedreht. Dort durfte Lucas unter der Regie von Inga Levant den biblischen Oberpriester in „Samson und Dalila“ als Frau spielen. Es war ihr erster Bühnenauftritt in Frauenkleidern. Der Beifall des Premierenpublikums war eine großartige Bestätigung.

Im Interview mit dem Musikmagazin Slipped Disc erzählte Lucas kürzlich: „Hätte ich früher gewusst, dass ich eine Transition durchmachen würde, hätte ich ein Diplom in Computertechnologie gemacht. Es ist schwer eine solche Veränderung durchzumachen mit dem Gehalt eines Opernsängers. Auch die Gefahr, dass dieses Coming-out mein Karriereende bedeuten könnte, nahm ich in Kauf, um in meinem wahren Körper leben zu können. Meine Frau Ariana hat mich dabei auf jedem Schritt der Reise unterstützt. Ebenso mein Intendant Peter Spuhler. Er hat das Fundament gelegt für meine Karriere als weiblicher Bariton, indem er mir die entsprechenden Rollen nach meiner Geschlechtsreise gab.“ Spuhler hatte nach Lucas‘ Coming-out zu ihr gesagt:

Ich verstehe das nicht. Du spielst Männer auf der Bühne so hervorragend!

Ihre Antwort: „Ich habe das ja mein ganzes Leben geübt.“ Auch ihr Agent, Dominic Stafford Uglow, hat sich hundertprozentig hinter sie gestellt. Bislang gab es nur mit einem Dirigenten ein paar unschöne Momente, als der sich weigerte, Lucia privat als Frau anzusprechen.

Und der Besetzungschef in Karlsruhe warnte Lucas, dass es sein könne, dass Regisseure nicht mit ihr würden arbeiten wollen. Dank ihres Blogs „An Engineer’s Guide to Opera“ und ihrer Bereitwilligkeit, auf der Bühne jedes Geschlecht anzunehmen, das Regisseure von ihr erwarten, war das aber bislang kein Problem.

Der vollständige Artikel findet sich in unserem August-Heft.

Titelfoto: Jürgen Frahm


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