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„Das hat mich tief getroffen“

Weil er schwul ist, bekam Schauspieler zwei Jobs nicht

In unserer September-Ausgabe porträtieren wir 10 Schauspieler, die alles spielen – außer Verstecken. Es war uns wichtig, dass sich alle Schauspieler mit einem Foto und vollem Namen in MÄNNER präsentieren. Wie unser Covermann Constantin Lücke sagt: „Es wird sich nichts ändern, wenn die Schauspieler sich weiter verstecken.“ Trotzdem wollen wir an dieser Stelle einen zu Wort kommen lassen, der aus ganz konkreten Gründen nicht öffentlich über sein Schwulsein reden möchte: Nennen wir ihn Carsten. Er ist 46, attraktiv, lebt in Hamburg und arbeitet am Theater, dreht Fernsehserien und verdient auch mit Werbeshootings gutes Geld.

Zwei Absagen wegen Homosexualität

Sechs Jahre ist es her, da war er im Gespräch für eine größere Fernsehrolle: eine ZDF-Serie am Samstagabend. Es hätte der große Durchbruch sein können. Er war unter den letzten vier Kandidaten. Bevor die Besetzungspläne konkretisiert wurden, rief die Produktionsfirma bei Carstens Agentur an. Man wollte wissen, ob er schwul sei. Es gäbe in der Produktionsfirma Gerüchte. Die Agentin erwiderte, dass sie darüber keine Auskunft gebe. Fazit: Die Rolle bekam jemand anderes.
Das zweite Beispiel ist fünf Jahre her: Carsten war als Moderator einer neuen Talkshow vorgesehen. Er hatte ein langes Gespräch mit der Produzentin, in dessen Verlauf auch Fragen nach seinem Privatleben auftauchten. „Ich bin mit meinem Freund zusammen“, antwortete er. Eine halbe Stunde danach klingelte das Telefon in der Agentur. Die Produktionsfirma sagte, sie könnten Carsten leider nicht nehmen. Sie würden dem Sender ingesamt zwei Moderatoren vorschlagen, und der andere Kandidat sei auch schwul. Zwei Homosexuelle, das ginge nicht.

Der ganze deutsche Fernsehbetrieb ist geleitet von Angst; jeden möglichen Schwachpunkt will man ausmerzen und auf Nummer Sicher gehen

„Das hat mich tief getroffen und erst traurig, dann wütend gemacht“, sagt Carsten. Aus diesen Erfahrungen hat er seine Konsequenzen gezogen. Wenn er irgendwo dreht, ist er am Set trotzdem weiterhin offen. Sein Freund besucht ihn, er verheimlicht nichts. „Darauf habe ich keinen Bock.“
Er kennt Kollegen, die gehen noch einen Schritt weiter: Sie legen sich Freundinnen oder Frauen zu, damit keiner unliebsame Fragen stellt.
Verantwortlich für Besetzungsfragen, sagt Carsten, seien immer die Redaktionen der Sender. Nie der Regisseur oder der Drehbuchautor – also diejenigen, die die kreative Arbeit leisten und mit den Schauspielern zusammenarbeiten. „Der ganze deutsche Fernsehbetrieb ist geleitet von Angst; jeden möglichen Schwachpunkt will man ausmerzen und auf Nummer Sicher gehen. Ein schwuler Schauspieler, der einen Familienvater spielt, so glaubt man in den Redaktionen – das geht doch nicht!“

 

Hier geht’s zur Umfrage: Deutsche Schauspieler scheuen oft das Coming-out – habt Ihr dafür Verständnis?

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Titelbild: Dmitro2009/Shutterstock


2 Kommentare

  1. Andy Schmitt

    hätten dan die anderen solidarisch gehandelt also einen ARSCH in der hose gehabt, hätten sie auf eine weiterarbeit mit einener rasistischen Firma verzichtet, aber ja der egoismuss aufregen ja aber was dagegen tuhn … nö


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