„Mich interessiert das Spiel“

Schauspieler Constantin Lücke über die fehlende Bereitschaft zum Coming-out

Constantin Lücke ist unser MÄNNER-Covermann im September. Der Schauspieler spielt Theater, dreht für Fernsehen und Kino und hat keine Angst vor dem Coming-out

Wie stehen Schauspieler zum Thema Coming-out?
Man muss das klar trennen zwischen Film- und Theaterwelt. Im Theater ist es auf jeden Fall viel entspannter. Wo hingegen es leider in der Film- und Fernsehlandschaft noch immer ein absolutes Tabu ist. Das liegt sicherlich daran, dass viele meiner Kollegen Angst vor Karriere- und Imageschäden haben. Ich hab kürzlich ein Interview mit Richard Chamberlain gelesen, das mich sehr schockiert hat. Nach seinem sehr späten Outing hat er jungen schwulen Schauspielern abgeraten, sich zu bekennen. Kein gutes Vorbild!

Du aber nicht.

Nein, weil das zu mir und meiner Persönlichkeit gehört. Ich bin das. Wenn man nicht zu seiner Sexualität steht, dann steht man auch nicht zu sich selbst. Ich habe keine Lust, mich zu verstecken. Ich habe gezeigt, dass ich mit meiner Homosexualität gut Hetero-Rollen spielen kann, so wie Heten ja auch Schwule spielen. Das ist doch vollkommen egal, ob der Schauspieler schwul, bi oder heterosexuell ist. Bei Max Riemelt denke ich ja auch nicht, wenn ich „Freier Fall“ sehe – ach, der ist ne Hete und hat eine Tochter. Das interessiert mich überhaupt nicht. Mich interessiert das Spiel.

Kann es vielleicht auch eine Entscheidung vom Management oder der Filmproduktion sein, dass ein Schauspieler, der hauptsächlich Liebeskomödien spielt und man ihn über die Frauenschwarmrolle verkauft, in den sich die Mädels verlieben sollen, dass die dann nicht mehr in seine Filme gehen?

Es gibt doch auch viele Schwule, die sich in Max Riemelt verknallen – und die wissen doch auch, dass er eine Hete und eigentlich unerreichbar ist. Die Filme mit Rock Hudson zum Beispiel haben doch nach Bekanntwerden seiner Homosexualität nicht an Glaubwürdigkeit verloren. Testet es mal aus! Liebe Filmschaffende: Besetzt mal die offen schwulen Schauspieler für die Romantic Comedys. Außerdem gibt es noch andere Rollen, man muss ja nicht immer den Liebhaber spielen.
Wenn ich in Berlin auf das schwullesbische Straßenfest oder auf den CSD gehe, sehe ich eine ganze Reihe ungeouteter Kollegen. Auch sehr bekannte, und ich denke mir: Ihr demonstriert für die gleichen Rechte für Schwule und Lesben, aber in unserer Branche seid Ihr total unsichtbar. Das ist unglaubwürdig! Man liest dann Interviews, wie sie Fragen nach einer Freundin umschiffen oder die Unwahrheit sagen. Lächerlich!

Wie reagieren Kollegen auf Deine Offenheit?

Ich war neulich bei einem Dreh für einen Kinofilm und ich weiß gar nicht mehr, wie es dazu kam, aber ich sagte irgendwann: Ich stehe auf Männer. Die Kostümbildnerin war sehr überrascht und sagte: Ach echt? Sag das aber bloß nicht zu laut, sonst bekommst Du keine Rollenangebote mehr. Da war ich völlig perplex und entgegnete: Das kann hier ruhig jeder wissen, und ich hab da auch gar kein Problem mit. Mal ehrlich: In den Redaktionen und Produktionen sitzen auch nicht gerade wenige Schwule.

Das vollständige Interview mit Constantin und neun weitere Portraits schwuler Schauspieler stehen in
MÄNNER 9.2015


25 Kommentare

  1. Christian Horvath

    Ja ganz sicher … Hört ma auf den CSD als demo zu verkaufen … Das war in den 2000 schon keine demo mehr … Geht nur noch darum druff zu sein gesehen zu werden Party und sex …

  2. Sebastian Kropp

    Müssen denn alle schwulen Männer geoutet sein? Der Typ sollte mal daran denken dass …

    1. … ihn das überhaupt nichts angeht und …
    2. … das Outing für viele, gerade im Beruf, sehr schwierig ist.

  3. Stephan Jaekel

    Nein, es geht niemanden etwas an, mit wem du konkret ins Bett geht. Aber solange Schwule Nachteile befürchten müssen, sobald sie sagen, dass sie Männer begehren, ist es keine freie Entscheidung.

  4. Sebastian Kropp

    Ich werde ja wohl noch meine eigene Meinung sagen dürfen. Und wenn die sich gegen andere (z.B. euer Model) richtet, mein Gott, dann ist das nunmal so.
    Soll ich ihn streicheln, nur weil er solche Aussagen in eurem Magazin trifft? Nö, dagegen verweiger ich mich 😉

  5. Sebastian Kropp

    Björn Wagner, es gibt Kollegen und Chefs, die etwas homophob sind. Offen schwul sein bringt einem auch kein Geld ein, sondern nur ein Job. Und wenn meine Kollegen und mein Chef nicht wissen dass ich schwul bin, ist das ein kleiner Preis den ich zahlen muss, um mein Geld zu verdienen.

    Schwul sein ist nicht alles im Leben 😉

  6. Sebastian Kropp

    Und klar, es ist natürlich ein Unding, dass man nicht offen schwul sein kann ohne Probleme zu bekommen.
    Aber
    1. Outing ist eine Entscheidung, die derjenige selbst zu entscheiden hat und
    2. ob sich jemand outen will oder nicht hat kein anderer in Frage zu stellen.

  7. Björn Wagner

    Sebastian, jeder wie er mag und kann… Ich für mein Teil würde nirgends arbeiten wo man ein Problem damit hat. Das hat auch gar nichts damit zu tun, dass schwul sein alles ist im Leben… Geld verdienen im übrigen auch nicht!

  8. Sebastian Kropp

    Ohne Geld kann man doch aber seinen Lebensunterhalt nicht finanzieren … Warum ist das denn ein so großes Problem? Redet ihr mit Kollegen ausschließlich oder überwiegend über schwule Themen? Das macht doch zwar einen erheblichen Teil des Lebens aus, aber nicht den Großteil … Da ist arbeiten gehen schon wichtiger.


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