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Überraschend andere Perspektive

Rob Yaegers emotionales Plädoyer für Sexarbeit

Zur Geschichte rund um Rentboy.com in New York lässt sich viel sagen – einige LGBTI-Aktivisten meinen, die Beschlagnahme von Material und Verhaftung von Angestellten erinnere an die willkürlichen Polizeirazzien von Schwulenbars in den 1950er und 60er Jahren. Einige sprachen sogar davon, dass dieser Schlag der Homeland Security (sonst für Terrorbekämpfung zuständig!) das Stonewall des 21. Jahrhunderts werden könnte. Ein ungewöhnlicher Beitrag zur Debatte kam jetzt in Form eines Kurzfilms, der die Geschichte von Escort Rob Yaeger erzählt und innerhalb von vier Tagen auf über 53.000 Views bei YouTube kam.

Im Zusammenhang mit Rentboy.com war wiederholt davon die Rede, dass es dort nicht nur um Sex-gegen-Geld ging, sondern um „Companionship“, aber auch darum, dass viele Escorts sich bewusst und freiwillig für den Beruf Sexarbeiter entschieden hätten. Mit einer Geschichte, wie der von Rob Yaeger, wird dabei allerdings kaum jemand gerechnet haben. Der ungewöhnliche Star verschiedener CockyBoy- und Icon-Male-Pornofilme erzählt in der Mini-Doku von Regisseur Andy Boyce davon, wie er mit seinen Escort-Diensten und Filmen für seinen behinderten älteren Lebenspartner Steve sorgt, der Opfer eines schweren Verbrennungsunfalls in der Sauna wurde. Yaeger musste hohe Krankenhausrechnungen abstottern, er brauchte einen Job der ihm zeitliche Flexibilität gibt, damit er sich um seinen Partner kümmern kann und diesen nicht acht Stunden allein lassen muss. Und: Yaeger wollte Sex haben, was nach dem Unfall mit Steve unmöglich für ihn war. All diese Aspekte liefen darauf hinaus, dass er ein begeisterter und glücklicher und erfolgreicher Sexarbeiter wurde, bei Rentboy.com sowie bei diversen Pornostudios in New York und Kanada.

Rob Yaeger (r.) pflegt seinen schwerbehinderten Lebenspartner Steve. (Foto: Screenshot YouTube)

Rob Yaeger (r.) pflegt seinen schwerbehinderten Lebenspartner Steve. (Foto: Screenshot YouTube)

Jetzt, wo Rentboy.com geschlossen wurde, fallen für ihn seine Einnahmequellen weg. Und damit fällt auch sein Familienleben mit Steve in sich zusammen.

Den Film „The Politics of Sex“ haben die drei CockyBoy-Chefs produziert, die sich schon lange für einen grundsätzlich anderen Umgang mit Sexarbeit und Pornografie einsetzen. CockyBoy-CEO Jake Jackson schrieb seinem Bekannten Yaeger gestern eine Mail, um zu fragen, ob dieser schon Reaktionen auf den Film bekommen habe und wie es ihm jetzt gehe, wo er arbeitslos sei. Darauf antworte Yaeger:

Uns geht’s gut. Steve bittet mich jede gefühlte Stunde aufs Neue, das Video mit ihm anzuschauen. Er muss jedes Mal weinen. Er hat das Gefühl, dass all sein Leiden endlich verstanden wird nach Jahren des Schweigens.“

Rob und Steve sind seit 16 Jahren ein Paar.

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Titelbild: Screenshot YouTube von „The Politics of Sex”

 

 


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