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Minglest du schon?

Sich selbst genug sein. Die Beziehungsform des Großstädters

Das Image des Alleinstehenden hat sich gewandelt. Der vemeintlich wählerische Single hat sich zum freiheitsbestrebten Mingle gewandelt: Das ist das Beziehungskonzept des unabhängigen Großstädters. So wie bei Matthew (28). Seit fünf Jahren lebt er nun überzeugt ohne feste Partnerschaft. „Die Frage ist ja, ob dieses 1:1-Beziehungsmodell überhaupt funktioniert“, stellt er in den Raum. Er selbst habe auch schon offene Beziehungen geführt und die Erfahrungen von „friends with benefits“ gemacht. Eine tolle Sache.

Die Gewissheit der Unverbindlichkeit
Mit Menschen, die man gern hat, intim werden, Händchen haltend durch die Gegend knutschen und trotzdem nicht „fest zusammensein“. Auch für dieses Phänomen hat unsere moderne Gesellschaft eine Bezeichnung gefunden: „Mingle“ ist eine Wortkreation aus den Begriffen „mixed“ und „Single“, die auf den Hamburger Trendforscher Peter Wippermann zurückgeführt wird. Vorbei sind die Zeiten des ungewollten 90er-„Solos“ oder des zu wählerischen „Singles“ der Nullziger.

Der Mingle hat das Beste von beidem: scheinpartnerschaftliche Bedürfnisbefriedigung und Unverbindlichkeitsgewissheit.

Bindungsangst und Optimierungsgedanken
Ansätze zur Ergründung des Gesellschaftsphänomens gibt es einige. Bindungsangst, schreien Therapeuten natürlich, denn psychische Störungen sind ihr Geschäft. Beziehungsangst gab es allerdings schon vor hundert Jahren. Wahrscheinlicher ist, dass wir heute nicht nur wirtschaftlich, sondern auch sozial nach dem Optimierungsprinzip leben: „Der Partnermarkt funktioniert zunehmend nach dem kapitalistischen Gedanken der Gesellschaft“, sagt Lisa Fischbach, ebenfalls Diplom-Psychologin. Alles Gute ist befristet. Das neuste Smartphone ist im kommenden Jahr schon Schnee von gestern. Der vermeintlich beste Typ kann morgen schon von einem noch besseren Typen abgelöst werden. Hinter jeder App kann schließlich ein noch perfekteres Match warten. Das Überangebot, dem wir uns in der Moderne ausgesetzt sehen, sediert unsere Entscheidungsfähigkeit. Dass das Lebenskonzept des Mingles ins Wanken gerät, sobald einer von beiden doch ein definiertes Beziehungsverhältnis will, weiß auch Matthew aus eigener Erfahrung: „Problematisch wird es dann, wenn sich einer verliebt.“

Glücklich sein und unglücklich machen
Für Matthew ist das Mingle-Leben vor allem mit der Freiheit verbunden, sich auf sich selbst konzentrieren zu können.

Ich bin mir genug. Ich kann tun, was ich will, treffen, wen ich will, und muss niemandem gegenüber Verantwortung übernehmen – außer für mich. Wenn ich es anders wollte, könnte ich ja jederzeit eine Beziehung haben, aber zu welchem Zweck?

Mit sich selbst glücklich sein, um auch einen anderen Menschen zufrieden zu machen – ein guter Vorsatz. Damit man aber andere nicht ins Unglück stürzt, ist es an jedem Mingle, die Fronten zu klären. Denn ganz ohne emotionale Verantwortung geht es als Erwachsener eben doch nicht.

Diesen und weitere Texte zum Thema EINSAM. ZWEISAM. DREISAM findest Du in MÄNNER 9.2015.

Und Du so? Stimm ab, welche Beziehungsform die bessere ist!

 

Titelfoto: mimagephotography/shutterstock.com


16 Kommentare

  1. Christian Trost

    Jeder wie er es für richtig hält, ich bezweifle das es das eine ultimativ richtige beziehungskinzept gibt ….. Das muss jeder für sich wissen und entscheiden, und natürlich mit dem/den betreffenden offen und ehrlich kommunizieren …..

  2. Redaktionsbüro Robert Niedermeier

    Sogenannte Glücks-Wissenschaftler haben längst bewiesen, das es fünf Dinge zum Glücklichsein bedarf: Gesundheit, Sex, Freundschaften, „Arbeit” (Kreativität) und soziale Sicherheit (Wohnung, Essen etc.) Zweier-Beziehungen gehören gar nicht dazu, sind vielmehr ein regelrechter Glückskiller.

  3. Redaktionsbüro Robert Niedermeier

    Nein, Glücks-Wissenschaftler haben längst bewiesen, das es fünf Dinge zum Glücklichsein bedarf: Gesundheit, Sex, Freundschaften!, „Arbeit” (Kreativität) und soziale Sicherheit (Wohnung, Essen etc.) Zweier-Beziehungen gehören gar nicht dazu, sind vielmehr ein regelrechter Glückskiller.

  4. facebook_robert.niedermeier.35

    Glücks-Wissenschaftler haben längst bewiesen, das es fünf Dinge zum Glücklichsein bedarf: Gesundheit, Sex, Freundschaften!, „Arbeit” (Kreativität) und soziale Sicherheit (Wohnung, Essen etc.) Zweier-Beziehungen gehören gar nicht dazu, sind vielmehr ein regelrechter Glückskiller. Alles andere ist moralinsaures hohles Gerede

  5. Alex Jäschke

    Whoop Whoop, wer anderes sagt als ich ist doof. Super Argumentation. Ich finde auch genug Wissenschaftler die das Gegenteil behaupten. Aber warum sollte man anderen auch ihre Meinung gönnen, wenn man ja seine eigene hat.

  6. Mathias Páfiðrildi

    „Wenn ich es anders wollte, könnte ich ja jederzeit eine Beziehung haben, aber zu welchem Zweck?” – Ja, so leicht ist es ja zum Glück! Wenn da nicht die ganzen Mingles wären… 😀


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