shutterstock_105547847

Zum Spocht!

MÄNNER-Kolumnist Meckenstock mag das Mittelmaß

Wie kriegt man eine Tunte zum Laufen? Man gibt ihr eine gedeckte Kreditkarte und ein Gucci-Täschchen und setzt sie kurz vor Ladenschluss auf der Königsallee aus! Wie alle Bereiche wird auch Sport bei uns Schwulen nur schwarz oder weiß gesehen. Mal wird die Unbeweglichkeit zum Kult erklärt: das Modell tapezierter Knochen mit max. 600 Kalorien täglich, die dicke Tante im Bärenfell. Mal geht es exzessiv und disziplinär zu: der Muskel-Macho mit aufeinander klatschenden Oberschenkeln oder der lateinamerikanische Formationstänzer mit ausladendem Hüftschwung.

„Nur in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist!“

Mir fehlt das Mittelmaß: Ich bewege mich gern und bin fit. Nur komme ich nicht auf die Idee, bei fiesem Regen zu joggen oder in einem schlecht gelüfteten Studio Gewichte zu stemmen. Dann hab ich zwar Muckis, aber keine Puste, um die Straßenbahn zu bekommen. Allerdings habe ich meine Beweglichkeit erst spät erkannt. Der Schulsport hat mir als Kind jeglichen Spaß am Sport vergällt. Autoritäre Lehrer traktierten uns mit freudlosem Zirkeltraining, gruseligem Geräteturnen oder Fußball. Ungekrönter Höhepunkt: die Bundesjugendspiele. Der Unterricht wurde für einen Tag nach draußen verlegt. Springen, Sprinten, Werfen war angesagt, unter den gestrengen Augen der Lehrer, vor allem derer aus der guten alten Zeit, als man noch wusste: „Nur in einem gesunden Körper steckt ein gesunder Geist!“
Die Veranstaltung geht auf die Reichsjugendwettkämpfe zurück. Und wie früher gibt’s noch heute eine Teilnehmerurkunde, eine Art Anwesenheitsbescheinigung oder Plumps-Preis. Für die Sieger allerdings mit Unterschrift des Bundespräsidenten, auch wie früher.

Gegen die Bundesjugenddemütigung

Doch es gibt eine Widerstandskämpferin: Eine Stadträtin aus Konstanz. Christine Finke hat eine Online-Petition losgetreten und fordert das Ende des Pflichtwettkampfes, um ihrem Kind diese Demütigung zu ersparen – unterstützt von Tausenden, beschimpft von einzelnen Altlastenträgern. Ich finde diese Idee großartig! Nur leider 50 Jahre zu spät.
Erst als ich erwachsen wurde, merkte ich, dass Wandern, Schwimmen, Radfahren wahnsinnigen Spaß machen können: Dementsprechend motiviert bin ich heute. Wenn ich ehrlich bin, geht mir die Petition allerdings nicht weit genug. Ich fordere die MdB-Spiele für alle Abgeordneten im Berliner Olympiastadion, übertragen von RTL. Unsere Staatsvertreter dürfen sich dann mal in aller Öffentlichkeit profilieren – unter den selben Bedingungen wie bei den Bundesjugendspielen. Dafür würde ich sogar Eintritt zahlen und bin jetzt schon gespannt, ob es jemanden gibt, bei dem sich gesunder Geist und Körper vereinigen.

Titelbild: Shutterstock

Manes Meckenstock im Museum:
„Schamlos“ (Haus der Geschichte in Bonn) – das Video!


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close