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„Wie reagieren die Kollegen?”

Coming-out in der Wirtschaft

von Harald Grube

Der Brite John Browne leitete bis 2007 den Mineralölkonzern BP und trat zurück, nachdem eine englische Boulevardzeitung ihn geoutet hatte. Er war sicher: Das Outing würde seinem traditionell-konservativen Unternehmen eher schaden. Heute bereut er das: „Ich wünschte, ich hätte den Mut schon früher gehabt, mich während meiner Amtszeit als Chief Executive von BP zu outen.” Browne und sein Team haben mit Männern und Frauen in leitenden Positionen im angelsächsischen Raum über ihr berufliches Coming-out gesprochen. Herausgekommen sind Mut machende Geschichten mit dem Titel „The Glass Closet”, aber auch Biografien, bei denen es nicht so gut lief.

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Einen langen Weg ist etwa Steven Cox gegangen. Der Engländer brauchte 17 Jahre, bis er sich 2013 bei seiner Firma Fujitsu geoutet hat. Da hatte er schon eine sehr erfolgreiche Karriere hinter sich. „Ich wünschte, ich hätte es früher getan”, sagt Cox. Aber: „Ich wusste nicht: Wie würden die Kollegen reagieren? Würde es sich auf meine Karriereaussichten auswirken?” Die Sorgen waren unbegründet. Anfang 2014 wurde er Vizepräsident und leitet seitdem den öffentlichen Sektor bei Fujitsu.

Da ist immer etwas, was die Leute nicht von dir bekommen.

Seit seinem Coming-out setzt Cox sich für schwule und lesbische Mitarbeiter ein. Er will vor allem klarmachen, warum Homosexualität sich von anderen Diversity-Themen im Unternehmen unterscheidet: „Schwulsein lässt sich verbergen. Die Konsequenz: Es ist nicht möglich, frei darüber zu sprechen, was man in seiner Freizeit macht und mit wem man diese verbringt. Das macht es unmöglich, bei der Arbeit authentisch zu sein.” Eine ehrliche Beziehung zu Menschen aufzubauen, sei dadurch schwierig: „Da ist immer etwas, was die Leute nicht von dir bekommen”. Das jedoch behindere das Arbeiten in der Team- und Führungsarbeit. Schwule Vorbilder seien eine große Hilfe: „Die Macht, die erfolgreiche LBGT-Menschen im Unternehmen haben, sendet Botschaften, die in der ganzen Organisation einschlagen.”

September 9, 2014, California, United States : Apple s chief executive Tim Cook speaks about the new Apple products Apple Watch and iPhone 6s during an Apple event at the Flint Center in Cupertino, California, United States on Tuesday September 9, 2014. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY (ilca001188) September 9 2014 California United States Apple S Chief Executive Tim Cook Speaks About The New Apple Products Apple Watch and iPhone 6s during to Apple Event AT The Flint Center in Cupertino California United States ON Tuesday September 9 2014 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY ilca001188

Apple-Chef Tim Cook outete sich Ende Oktober 2014

Das Management macht oft noch Unterschiede zwischen Heteros und Homos

Al hat sich vor sieben Jahren privat geoutet, als seine Ehe mit einer Frau zu Ende ging. Aber: „Der Arbeitsplatz war tabu” – damals ein pharmabiotisches Unternehmen in New Jersey. 2013 kam der Wendepunkt: Sein Lebenspartner machte wegen einer Leukämieerkrankung eine Stammzellentransplantation. Al pendelte fortan zwischen Klinik, Wohnung und Arbeitsplatz. „Ich musste meinen Boss wissen lassen, was los war.” Seinen gesamten Urlaub verbrachte Al beim Freund in der Klinik, dem es immer schlechter ging. „Ich war konzentrationsschwach auf der Arbeit und nicht in der Lage, 100 Prozent zu geben.” Als sein Partner starb, fühlte Al sich von seiner Firma schlecht behandelt: „Wäre mein Partner eine Frau gewesen, ich glaube, das Management hätte meine Situation anders behandelt.” Konkret belegen kann er das nicht, aber: „Ich weiß, dass viele Leute Schwierigkeiten mit meiner sexuellen Orientierung hatten.”

Bei Siemens in Manchester fand er schließlich die Kraft, dem Boss von seiner Sexualität zu erzählen: ‘Er empfahl mir dringend, das für mich zu behalten.’

Rob Stevens wiederum fand zwar gegen Ende seines Studiums der Fertigungs- und Produktionstechnik den Mut, sich zu outen. Aber die Arbeit war tabu. Seinen erster Job hatte er bei Rolls Royce im englischen Derby. Eines Tages sagte sein Vorgesetzter in einem Meeting: „Wenn ich herausfinde, dass in meinem Team jemand schwul ist, würde ich ihn nicht entlassen – ich würde ihn umbringen.” Ein Coming-out war ausgeschlossen. Steven wechselte in einen Job, in dem er mehr mit Menschen zu tun hatte: als Sales Engineer bei Siemens in Manchester. Hier fand er schließlich die Kraft, dem Boss von seiner Sexualität zu erzählen: „Er empfahl mir dringend, das für mich zu behalten.” Heute ist er Sales Manager bei Asia Pacific: „Ein fabelhaftes Unternehmen mit einem sehr unterstützenden Chef. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass meine Sexualität kein Problem für irgendjemanden ist.” In einem Bereich ist er aber weiterhin nicht offen out: bei Kunden. „Ich arbeite auch in schwulenunfreundlichen Ländern, und habe das Gefühl, einige meiner Kunden würden sich mit meinem Coming-out nicht wohlfühlen.”

Teil 2: LGBTI-Diskriminierungsschutz ist Teil eines Prüfkatalogs für alle Unternehmen, die einen Vertrag mit der US-Regierung schließen wollen


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