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Das Leid der homosexuellen Flüchtlinge

BZ berichtet über die Lage in den Berliner Asylheimen

Wo man derzeit auch hinschaut: überall Berichte über Flüchtlinge. Da ist die Rede von Kriegsflüchtlingen aus Syrien (die bleiben dürfen) und von Wirtschaftsflüchtlingen aus dem Balkan (die keine Chance auf Asyl haben). Kaum erwähnt werden die Homo- und Transsexuellen – und die Frage, wie es ihnen eigentlich in den Flüchtlingsunterkünften ergeht, in denen sie landen. Dieser Frage widmete gestern die Berliner Boulevardzeitung „BZ“ ihre Aufmerksamkeit unter der Überschrift „Das besondere Leid der homosexuellen Flüchtlinge“.

Dort berichtet Til Biermann davon, dass homosexuelle Flüchtlinge weitgehend versuchen, ihre Neigung zu verstecken. Denn: „Sonst drohen Beleidigungen, Schläge und sexuelle Übergriffe.“

Die „BZ“ macht folgende Rechnung auf: „Laut Umfragen sind mindestens ein Prozent aller Menschen homosexuell, Schätzungen kommen auf fünf bis zehn Prozent. Von den 800.000 Flüchtlingen, die 2015 nach Deutschland kommen, müssten also mindestens 8.000 homosexuell sein. Die tatsächliche Zahl solcher Schutzsuchenden wird aufgrund der extrem hohen Todesgefahr, in der sich Homosexuelle etwa in radikalislamischen ISIS-Gebieten und dem Iran befinden, höher sein.“

In den Unterkünften befinden sich auch ISIS-Anhänger

22 Schwule, Lesben und drei transsexuelle Flüchtlinge werden zurzeit in Berlin von der Sozialpädagogin Jouanna Hassoun (32) betreut. „Ich bekomme sechs bis acht neue Anfragen von Hilfsbedürftigen pro Woche, habe schon über 300 Beratungen gemacht“, sagt sie. „Ich kann nicht allen sofort helfen. Dabei sind in den Unterkünften auch ISIS-Anhänger“, sagt sie.

Wie ISIS-Anhänger in die Flüchtlingsunterkünfte kommen, wird nicht erklärt. Aber Til Biermann schildert den Fall der 25-jährigen Transsexuellen Maggy aus dem Libanon. Sie kam vor vier Monaten nach Berlin:

„Im Flüchtlings-Heim denken die, ich bin ein Alien“, sagt Maggy. Sie hat ein Einzelzimmer bekommen, aus dem sie vor Angst kaum raus geht. Ihr Freund hat es noch schwerer, lebt mit anderen Flüchtlingen in einem Raum. Die beschimpfen ihn als ‘Schwuchtel’, wenn er beim Duschen die Tür der Gemeinschaftsdusche abschließt.“

Alle LGBTI-Flüchtlinge berichten von Beleidigungen, Schlägen und sexuellen Übergriffen. Besonders Transsexuelle leiden, sie werden vielfach unter der Dusche bedrängt. „Du bist doch sowieso ne’ Schlampe“, soll es laut „BZ“ dann heißen. „Manche versuchen, ihr soziales Geschlecht zu verstecken“, sagt Sozialpädagogin Hassoun. Aber das würden nicht alle schaffen, 24 Stunden am Tag. „Wenn man generell zart besaitet ist, kann man nicht plötzlich auf Obermacker machen.“ Die Folge: „Nach Kriegstraumata kommen dann weitere psychische Probleme.

Mit zusätzlichen Finanzmitteln schwulen, lesbischen und transsexuellen Flüchtlingen helfen

Die Sozialpädagogin fordert mehr Gelder für Unterkünfte, die für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge eingerichtet werden sollen. Der Berliner Senat plant eine Erhöhung des Etats der Landesantidiskriminierungsstelle von derzeit 3,69 Millionen Euro auf 3,964 (2016) und dann 4,15 Millionen Euro (2017). Der Lesben- und Schwulenverband fordert, dass die zusätzlichen Finanzmittel hauptsächlich den schwulen, lesbischen und transsexuellen Flüchtlingen helfen sollen. Laut „BZ“ hofft das auch Hassoun, die mit ihrer halben Stelle beim Zentrum für Migranten, Lesben und Schwule nicht alles alleine schafft. „Ich brauche Unterstützung“, sagt sie. Und vielleicht wäre es hier an der Zeit, dass die deutsche LGBTI-Community selbst Solidarität zeigt, so wie viele andere Gruppen das derzeit in allgemeinerem Zusammenhang mit Flüchtlingen demonstrieren. Ein Interview mit Marcel de Groot von der Berliner Schwulenberatung vom Mai 2015 sprach etliche der von der „BZ“ geschilderten Punkte bereits an, ohne konkret zu sagen, wie man individuell helfen könnte. Denn eine große Hilfsbereitschaft gibt es – garantiert.

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Titelbild: Syrischer Flüchtling, fotografiert von Thomas Koch/Shutterstock.com


19 Kommentare

  1. Carsten Janssen

    Wie kann man denn da konkret helfen? Mein Mann und ich könnten uns sogar vorstellen 2-3 Personen bei uns vorübergehend aufzunehmen, aber man kann ja schlecht zum Landkreis gehen und sagen: können Sie uns 2 schwule Syrer vermitteln?

  2. Sebastian Law

    Es gibt auf der Seite des LSVD Berlin-Brandenburg (Link im Artikel) die Möglichkeit zu spenden. Vielleicht kann man darauf hinweisen, für welches Projekt die Spende konkret verwendet werden soll.

  3. Jens Rödiger

    Die verstecken aber ihre „Neigung” nicht nur in den Unterkünften, sondern generell und deshalb, weil sie aus Arschloch-Ländern mit Arschloch-Religion und Arschloch-Bevölkerung kommen!

  4. Dirk M. Aggrey

    Die Arbeit von Jouanna Hassoun ist ehrenvoll und sicherlich gibt es genug Unterstützer, wenn diese nur wüssten wo man sich hinwenden kann und wie konkret geholfen werden kann.
    In Bayer, um München, biete ich gerne meine Hilfe an. Von Gesprächen über Betreuung bis zur Eingliederungshilfe vor Ort

  5. Gejo Pohl

    Die Gruppen, die in ihren Heimatländern die ärgsten Probleme hatten, haben auch in den Flüchtlingsunterkünften die ärgsten Probleme. Das trifft in besonderem Maße auf Christen zu – und auf Homosexuelle. Die daraus resultierenden Konsequenzen für unsere deutsche Zivilgesellschaft sind kaum absehbar.

  6. Gernot Back

    Den Begriff „Arschloch-Religion” (u. a. für den Islam) kann ich voll und ganz unterschreiben. Soweit sich die Bevölkerung in den Ländern mit entsprechender Religion davon mehrheitlich emanzipiert, ist es dann auch keine Arschloch-Bevölkerung und kein Arschloch-Land mehr.

  7. Andreas Stahr

    Achim Bach : ich hoffe , der Kommentar war nicht ernst gemeint….Soetwas ist hier wohl völlig fehl am Platz und unvorstellbar primitiv. Sorry ????

  8. Jo Johannes Duve

    Also,ich gebe dir nur bedingt Zustimmung – überall gibt es Intellektuelle und nicht-Muslime. Oder Zwangs-Muslime. Wir dürfen in unserer Anti-Islam oder Anti-Religionshaltung nicht die Gesamtbevölkerung”verurteilen”..


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