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„Aus Versehen blockiert“

Michael Stokes darf wieder bei Facebook posten

Der in Los Angeles lebende Fotograf Michael Stokes erlebt es nicht zum ersten Mal: Diese Woche wurde er für 30 Tage von Facebook gesperrt, weil er ein Bild aus seinem ersten Buch „Masculinity“ gepostet hat, das angeblich gegen die „Gemeinschaftsstandards“ verstieß.

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Facebook reagierte und sperrte Stokes für einen Monat.

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Quelle: Michael Stokes

Auf Nachfrage sagte ein Sprecher von Facebook Deutschland gegenüber MÄNNER, man habe „nichts gegen Homosexuelle“, Stokes habe vielleicht gegen FB-Richtlinien verstoßen, die „nichts mit dem Content” zu tun haben. Der Fall werde geprüft. Oft seien solche Fälle „nicht so einfach, wie es erscheint“, so der Sprecher. Auch Jounalisten des britischen Independent haben nachgehakt. Ergebnis: Stokes wurde schließlich entblockt. Von Facebook bekam er daraufhin diese knappe Nachricht:

„Ein Mitarbeiter hat versehentlich etwas gelöscht, das Sie bei Facebook gepostet haben. Das war ein Fehler, und es tut uns aufrichtig leid. Wir haben mittlerweile Ihren Post wieder hergestellt und Sie sollten ihn wieder sehen können.“

Auf die Frage, ob er auch den Eindruck hat, dass Facebook bei Nacktheit immer recht fix ist mit dem Sperren, bei Hasskommentaren aber spät oder gar nicht reagiert, erzählt er von beleidigenden Kommentaren, gegen die Facebook nichts unternommen habe. So hat ein Mann,  Kriegsveteran offenbar, dem die inszenierten Bilder seiner Kameraden nicht gefielen, dem Fotografen Gewalt angedroht.

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Quelle: Michael Stokes

Der Kommentar wurde von Facebook nicht entfernt. Dabei erklärt das Unternehmen in seinen Gemeinschaftsstandards: „Wir prüfen sorgfältig Berichte mit bedrohlicher Sprache, um ernste Bedrohungen der öffentlichen und persönlichen Sicherheit zu ermitteln. Wir entfernen glaubwürdige körperliche Bedrohungen, die sich an einzelne Personen richten.“

Erst am Montag hatte sich der deutsche Justizminister Heiko Maas mit Facebook-Vertretern getroffen. Es wurde vereinbart, eine Arbeitsgruppe zum Umgang mit Hassbotschaften zu bilden, die finanziell von Facebook unterstützt wird. Der SPD-Politiker will erreichen, dass Soziale Netzwerke Hasskommentare binnen 24 Stunden löschen.

Bislang werden Gewaltandrohungen wie die gegen Stokes jedoch nicht gelöscht, wohl aber immer wieder Bilder, die der Fotograf hochlädt. Zuletzt war er im Januar gesperrt worden, weil er küssende Polizisten zeigte:

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Begründung wiederum: Er habe die „Standards der Gemeinschaft“ verletzt.

Auch ein Post zu seinem Buch „Bare Strenght“, anlässlich einer Rabatt-Aktion bei Amazon, ist den Zensoren Anfang des Jahres aufgestoßen – in diesem Fall habe Facebook gewissermaßen ein ganzes Buch zensiert, kommentiert Stokes den Fall.

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Quelle: Michael Stokes

Dass keine erigierten Schwänze bei Facebook gezeigt werden, geht vollkommen in Ordnung. Laut Gemeinschaftsstandards entfernt das Unternehmen auch „Inhalte, die mit sexueller Gewalt und Ausbeutung drohen oder diese unterstützen … Hierzu gehören auch die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger und sexuelle Übergriffe.“ Das trifft auf die gelöschten Stokes-Bilder ganz offensichtlich nicht zu. Wo also liegt dann das Problem?

Die hauptsächlich männlichen Zensoren möchten Männer nicht als Sexobjekt sehen.

Der Fotograf vermutet den Grund darin, dass die Zensoren schlecht bezahlte Arbeiter sind, die irgendwo weit weg im Ausland sitzen, und mehrheitlich männlich sind (und wohl auch heterosexuell). In deren Welt geht die sexuelle Darstellung respektive Ausbeutung von Frauen in Ordnung, Männer möchte man aber nicht als Sexobjekt sehen.

Auch religiöse Motive scheinen eine nicht unerhebliche Rolle zu spielen bei der Entscheidung, ob ein Post gelöscht wird oder nicht. Jedes Urlaubsbild, das Ottonormal-User bei Facebook hochladen, zeigt mehr Nacktheit als dieses in einer Kirche entstandene Bild von Michael Stokes:

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Aber hier verwies Facebook erneut auf die „Standards der Gemeinschaft“ und löschte das Bild.

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Quelle: Michael Stokes

Ein weiteres Kuriosum aus dem Hause Facebook: Es existieren etliche Profile von Stokes-Imitatoren wie diesem. Menschen geben sich als Michael Stokes aus, veröffentlichen seine Fotos, um Models anzulocken. Der Fotograf hat das Unternehmen darauf hingewiesen, geschehen ist: nichts.

Obwohl Stokes immer wieder Ärger hat und die Blockade-Sanktionen des Unternehmens nur schwer nachvollzuziehen sind, hat er nicht vor, Facebook zu verlassen, wie er uns sagte. Schließlich hat er dort über 700.000 Fans – vorwiegend weibliche übrigens.

Kriegsveteranenverbände unterstützen Stokes-Buch

Sein neustes Kickstarter-Projekt „Always Loyal“ erscheint im kommenden November als Buch. Stokes, der innerhalb einer Woche das Geld für sein Kickstarter-Projekt zusammen hatte, zeigt auf seinen Bildern amerikanische Soldaten, die mit Verletzungen leben müssen, die ihnen im „Krieg gegen den Terror“ zugefügt wurden. Für viele dieser Männer ist es ein großer Schritt zurück ins Leben, ihren Körper trotz fehlender Gliedmaßen als „sexy“ zu präsentieren, wie das Michael Stokes mit seinen inszenierten Fotos möglich macht. Deswegen haben auch verschiedene Kriegsveteranenverbände dieses Buchprojekt großzügig unterstützt, das derzeit vom Bruno Gmünder Verlag gedruckt wird.

 

Fotos: Michael Stokes

 


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