shutterstock_316513238

Wem die Stunde schlägt

Ist Merkel die nächste in einer Serie von Rücktritten?

Zwei Staatschefs, die lautstarke Eheöffnungsgegner waren, flogen innerhalb von nur einer Woche aus ihren Ämtern, in Nordirland und in Australien. „Könnte Deutschlands Angela Merkel die nächste sein?“, fragt Nick Duffy in einem Beitrag fürs britische Online-Magazin „Pink News“.

Nordirlands Erster Minuter, Peter Robinson. (Foto: Dude1830/Wikipedia)

Nordirlands Erster Minister, Peter Robinson. (Foto: Dude1830/Wikipedia)

Peter Robinson, der sogenannte „Erste Minister“ in der nordirischen Selbstverwaltung, war schon seit Ewigkeiten ein vehementer Gegner der Eheöffnung; letzten Donnerstag trat er zurück wegen der derzeit brodelnden IRA-Krise. Der Chef der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) hatte Ehe-für-alle-Gesetzesvorstöße zuvor immer wieder blockiert und sogar sein Veto eingelegt, um sicher zu stellen, dass Nordirland der einzige Teil des Vereinigten Königreichs ohne Ehegleichberechtigung bleiben würde, nachdem das konservative Parlament in London der Gesetzesänderung 2013 zugestimmt hatte.

Nur wenige Tage nach Robinson flog am gestrigen Montag Australiens Premierminister Tony Abbott raus, der sich ebenso vehement gegen die Eheöffnung eingesetzt hatte. Er wurde von einem Widersacher in der eigenen Partei bei einer internen Abstimmung übertrumpft. Mr. Abbott hatte zuvor gedroht, jeden Minister zu feuern, der für die Eheöffnung stimmen sollte. Jetzt ist er bei einer parteiinternen Wahl mit 44 zu 54 Stimmen ausrangiert worden und wird von Malcolm Turnbull ersetzt: der sich schon lange für die Eheöffnung ausspricht. Allerdings hat er verkündet, die Frage der Eheöffnung über einen Volksentscheid klären zu lassen, aber erst nach der nächsten allgemeinen Wahl. Immerhin wird er dabei nicht als Gegner des Projekts in Erscheinung treten, weswegen LGBTI-Gruppen sofort um einen Gesprächstermin mit Turnbull baten, um ihre Kampagne abzustimmen.

Malcolm Turnbull auf dem Cover der australischen "GQ" im Mai 2015: Wo bereits über seinen Aufstieg zum Premierminister spekuliert wurde.

Malcolm Turnbull auf dem Cover der australischen „GQ” im Mai 2015: Wo bereits über seinen Aufstieg zum Premierminister spekuliert wurde.

„Pink News“ fragt angesichts dieser Rücktrittsserie: „Wenn man an die Schicksale dieser Eheöffnungswidersacher denkt, könnte Deutschlands Kanzlerin das nächste Opfer sein?“ Jetzt, wo Merkel wegen der Grenzschließung zu Österreich in der politischen Krise steckt, könnte ihre Regierung doch noch ins Wanken geraten. Die „Süddeutsche Zeitung“ meint: „Den großen Flüchtlingsworten der Kanzlerin folgten keine großen Taten: Das Krisenmanagement des Bundes ist desaströs.“ Laut Heribert Prantl ist das, was derzeit passiert, „ein Malheur“ („und das ist noch beschönigend ausgedrückt“).

Ein englischer Kommentator der Pink News meint: „Moment mal. Die Schuldgefühle, die die Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch mit sich rumtragen, führen dazu, dass tausende Wirtschaftsmigranten – meist einzelne Männer mit iPhones und Designer Outfits – Süddeutschland überfluten dürfen.” Es steht zu bezweifeln, dass der Mann kürzlich mal in Süddeutschland war – jedenfalls kamen die Menschen dort mit nichts und weniger als nichts an. Aber weiter im Text:

Aber die gleiche Schuld erlaubt es Homosexuellen nicht, absolut gleichberechtigt vor dem Gesetz zu sein? What the fuck?!!“

Ein anderer Kommentator schreibt: „Die traurige Wahrheit ist, dass die meisten Deutschen nicht glauben, Schwule würden gleiche Rechte verdienen, sondern nur einen 2. Klasse-Status.“

Auf einige verstörende (rechtsradikale?) Äußerungen in der Kommentarspalte zu Merkels Vaginal-Gasen“ wollen wir hier nicht weiter eingehen. Aber die Meinung „fingers and toes crossed“, dass nach Merkels Abgang der Weg frei sei für eine grundlegende Veränderung der LGBTI-Lage in Deutschland, könnte man schon unterstützen. Ob dieser Abgang eine schicksalshafte Fortsetzungslinie mit den anderen entmachteten Eheöffnungsgegnern sein muss, lassen wir mal offen … eine interessante Vorstellung wäre es auf alle Fälle!

Titelbild: Merkel-Graffiti in Hannover, 2015. Foto: Axel Bueckert / Shutterstock.com

 

 


11 Kommentare

  1. Frank Bartz van den Bosch

    Dafür taugt unser größtes je in der Geschichte dagewesenes Bündnis nicht! Sie wird nicht abtreten und auch 2017 wirds keine Gleichstellung geben, wenn wir micht wehement so wie z.B. Amnesty an einem bestimmten Tag vor der CDU Parteicentrale, dem Bundestag … demonstrieren auf Facebook rufen und schipfen hilft nicht!

  2. Gerrit GePunkt

    Tretet ihr ernsthaft für die Rechte von LBGT ein, wenn ihr so einen braunen Mist mit abdruckt: „. . . tausende Wirtschaftsmigranten – meist einzelne Männer mit iPhones und Designer Outfits . . .”?

    Es kommen bzw kamen zumeist Kriegsflüchtlinge, die wochenlang wie Vieh durch eigentlich zivilisierte Länder getrieben wurden und werden und wieder und wieder festgehalten und wie Verbrecher eingesperrt werden.

    Verschiedene diskriminierte Gruppen gegeneinander aufzuwiegen, bringt keinen Schritt vorwärts.

    Peace.


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close