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„Fritz Bauer”: Premiere in Essen

DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER ab 1. Oktober im Kino

von Anton Fugazi

Seine Weltpremiere feierte „Der Staat gegen Fritz Bauer” bereits auf dem Filmfestival in Locarno und wurde dort mit dem renommierten Publikumspreis ausgezeichnet. Als Bester Film (national) erhielt er den Gilde Filmpreis 2015. Gestern Abend nun präsentierten die Hauptdarsteller Burghart Klaußner (siehe großes Foto) und Ronald Zehrfeld zusammen mit Regisseur Lars Kraume (Interview – siehe unten) ihren Film als Deutschlandpremiere im vollbesetzten Lichtburgkino in Essen. Zu den Gästen zählten u.a. NRW-Justizminister Thomas Kutschaty und der Regisseur Heinrich Breloer.

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Foto: AIM/PR

Die Bedeutung des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer für das Zustandekommen der Auschwitzprozesse der 1960er Jahre ist unumstritten. Doch erst nach seinem Tod wurde sein entscheidendes Verdienst um die Ergreifung Eichmanns bekannt. Grimme-Preisträger Kraume zeichnet das kraftvolle und fesselnde Porträt eines mutigen Mannes und dessen Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit.

 

Herr Kraume, in den allerersten Kritiken zu Ihrem Film, schreiben Rezensenten nun, Sie würden sich als Regisseur und Drehbuchautor mit „unwichtigen Subplots die sich mit Fritz Bauers Sexualität beschäftigen“ aufhalten. Was antworten Sie denen?

Diese Menschen finden offenbar, dass Bauers Sexualität nichts mit seinen Leistungen und Errungenschaften zu tun hat. Was ich nicht verstehe. Dass Bauer in Zeiten in denen der Paragraf 175 in seiner verschärftesten Form galt, in dem Bewusstsein, unter anderem dadurch in Deutschland unter besonderer Beobachtung zu stehen, sich die Aufgabe gestellt hat, dieses Land mit seiner Vergangenheit zu konfrontieren, führte dazu, dass er gleichzeitig seine Sexualität nicht frei leben konnte, weil das seine Arbeit in Gefahr gebracht hätte. Das zeigt nicht nur die Menschlichkeit dieser sonst sehr heldenhaft gezeichneten Figur, sondern macht ihn in meinen Augen erst zu einem echten Helden. Er bringt ein Opfer, dass sich sonst niemand abverlangt hätte. Er konnte seine Sexualität ja nicht einmal, wie viele andere Männer in dieser Zeit, im Verborgenen leben.

Die Heimatlosen / Fritz Bauer (AT) Regie: Lars Kraume Kamera: Jens Harant Produktion: zero one film GmbH Co-Produktion: TERZ Filmproduktions GmbH Szene 106  Staatsanwaltschaft – Bauers Büro
Dr. Schüle weiß um Bauers Verdacht in Bezug auf... abgeb.: Fritz Bauer (Burghart Klaußner) Foto:  Martin Valentin Menke

©zero one film_Martin Valentin Menke

Die Quellenlage ist in Bezug auf Bauers Sexualität nicht eindeutig.

Aber es gibt deutlich mehr Argumente dafür, dass er schwul war. Er ist im Exil von der dänischen Sittenpolizei wegen Umgangs mit männlichen Prostituierten verhaftet worden und hat diese Verhaftung auch nie bestritten, sich nie zum Opfer einer Kampagne erklärt. In Deutschland nach dem Krieg gibt es nur die Diffamierungen durch seine Gegner, aber auch die sind ja vielsagend. Für mich war seine Sexualität deswegen von so großer Bedeutung, weil sie die Außenseiterposition der Figur noch klarer macht. Als Heimkehrer, Jude, Sozialist und Schwuler in Deutschland in dieser Zeit aufzustehen und seine Meinung zu sagen, dafür brauchte es schon einen ganz besonderen Menschen.

Das ausführliche Interview steht in MÄNNER 10.2015. Hier geht’s zum Abo.

Titelfoto: zero one film/Martin Valentin Menke


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