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Die Könige der Schränke

Schon die frühere First Lady der Philippinen hatte eine Schwäche für Schwule

von Roland Hanewald, Manila

Landesweit nennt man sie in der Nationalsprache Tagalog „baklá“, in gehobeneren Kreisen hat sich das Wort Gays durchgesetzt. Sie sind in allen Gesellschaftsschichten reichlich vertreten, und der Großteil der Bevölkerung kommt ihnen mit milde lächelnder Toleranz entgegen – was in einem streng katholischen Land schon etwas heißen will. Die meisten philippinischen Gays sind weiterhin überwiegend in ihren traditionellen Gewerben tätig und werden damit auch identifiziert: Friseure, Betreiber von Schönheitssalons, Maniküristen, Masseure, Dekorateure. Manche, nicht wenige, gehen auch auf den Strich. Doch es hat sich einiges geändert.

First Lady mit Schwäche für Schwule

Aufwind gab es 1969, als das Ehepaar Ferdinand und Imelda Marcos die „Neue Gesellschaft“ ausrief, in der alles anders – besser – werden sollte. Die First Lady der Philippinen besaß schon immer eine Schwäche für das schwule Segment des Landes, und unter ihrer Ägide, von der Präsidentengattin sozusagen auf einen Sockel gehoben, nahmen die Schwulen jetzt eine völlig neue Rolle ein. Imelda Marcos liebte es, sich mit ihnen auf Schritt und Tritt zu umgeben, sie zu Festen, Reisen und Performances einzuladen, sich von ihnen unterhalten und einkleiden zu lassen.

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Imelda Marcos (Foto: Stephen Bures / Shutterstock)

Alsbald waren ganze Scharen von Schwulen im Regierungspalast Malacañang zu finden, und auf der präsidialen Yacht „Ang Pangulo“ gaben sie vor internationalem Publikum Showeinlagen, die großen Beifall erregten. Sie kamen sozusagen aus den Nischen hervor, in denen sie sich bislang halbwegs verborgen gehalten hatten, und wurden deshalb auch „reynas de aparadores“ genannt, „Königinnen der Schränke“, ein Begriff, der auf die lang vergangene spanische Kolonialzeit des Landes zurückgeht. Auch heute noch, in den Touristen-Zentren wie dem Puerto Galera, sind schwule Akteure reichlich vertreten, die mit dem Feuer spielen.

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Foto: Roland Hanewald

 

Coming-out als Selbstverständlichkeit

Durch die Nähe zu Imelda Marcos, die die Rechte der Schwulen stärkte, gelangten sie bald zu gesellschaftlicher Anerkennung, und dabei ist es bis heute geblieben, auch wenn das Diktatorenpaar 1986 abtreten musste. Sogar die politische Szene ist von ihnen durchdrungen. Gays sitzen im philippinischen Senat und Kongress, an fast allen Universitäten gibt es schwule Vereinigungen, aus denen die zukünftige politische Elite des Landes hervorgeht; dass man sich „outet“, ist praktisch schon zur Selbstverständlichkeit geworden. So tauchten im Lauf der vergangenen Jahre stets neue einschlägige Namen in hohen Positionen auf, darunter auch in der Geschäftswelt, und kaum jemand findet mehr etwas dabei.

Flirten in der Bücherei

Die philippinischen Schwulen sind heute arriviert, sie sind wer. Dies gilt vornehmlich für die Großstädte, allen voran Manila, sowie auch für die touristischen Zentren des Archipels, die von auswärtigen Schwulen intensiv besucht werden. Der Ausgangspunkt, an dem sich alles trifft, ist der Club The Library in einer ehemaligen Bibliothek in Manilas Stadtteil Malate, extrem populär durch hochkarätige Comedy-Shows. Chef ist Andrew de Real, Akademiker, einstmals Hete und sogar Ehemann und Papa, bis er seine wahre Berufung entdeckte. In der Library Kontakte herzustellen, fällt sehr leicht, obwohl dies nicht Sinn und Zweck des Etablissements ist. Noch leichter ist es übrigens auf den Straßen Manilas. An den dortigen Lichtmasten findet man häufig Zettel, auf denen Tuberos ihre Dienste anbieten. Dies sind eigentlich Klempner; aber auch andere Dienstleister befinden sich darunter, die gern ein Rohr verlegen möchten.

Der vollständige Artikel steht in MÄNNER 9.2015

Titelbild: Shutterstock


3 Kommentare

  1. Olfert ten Doornkaat

    Anyway. Die Philippinen sind das Land der krassen Gegensätze. Nirgendwo sonst werden zB. Ladyboys zwar von der Bevölkerung geachtet, aber im gleichen Atemzug von Behörden gemieden, wenn es um Homo-Ehen geht.
    So habe ich meinen Lebenspartner hier in D geheiratet.


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