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Essen wählt schwulen Oberbürgermeister

42-jähriger CDU-Mann Kufen gewinnt Stichwahl

Das wird die CDU freuen: Nach langer Durstrecke erobert die Partei mal wieder einen Oberbürgermeisterposten in einer deutschen Großstadt – und dann noch mit einem schwulen Kandidaten. Die Christdemokraten hatten eigens das Amt eines Großstadtbeauftragten geschaffen und mit Kai Wegner besetzt, weil man eingesehen hatte, dass man die modernen Themen in den Metropolen und Metropolregionen nicht so recht auf dem Schirm hatte. Wegner sagte im Frühjahr im MÄNNER-Interview, er finde es „nicht hilfreich, wenn moderne und liberale Großstadtpolitik auf den Umgang mit Schwulen und Lesben reduziert wird“. Gleichzeitig gab Wegner aber zu: „Wenn ich sehe, dass die evangelische Kirche in Berlin und Brandenburg künftig Trauungen von homosexuellen und heterosexuellen Paaren gänzlich gleichstellt, sollte auch die Politik einen Prozess gestalten, um die bürgerliche Ehe für Schwule und Lesben zu öffnen.“

Wichtig ist mir, dass ein gesellschaftliches Klima geschaffen wird, in dem Akzeptanz von Vielfalt ein selbstverständlicher Wert ist.

Am Sonntag hatte Thomas Kufen in der Stichwahl zum Oberbürgermeister 62,6 Prozent der Stimmen bekommen, für Amtsinhaber Paß (SPD) wurden nur 37,4 % der Stimmen abgegeben. Allerdings hatten sich nur 27,7 Prozent der Essener Wahlberechtigten beteiligt. Der 42-Jährige sitzt seit 1999 für die CDU im Stadtrat, wurde später migrationspolitischer Sprecher im Landtag und unter CDU-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sogar Integrationsbeauftragter. In diese Zeit fiel die Plakatkampagne des NRW-LSVD „Ümit ist schwul“, mit der für die Integration und Akzeptanz schwuler und lesbischer Jugendlichermit Migrationshintergrund geworben wurde und die Kufen ausdrücklich unterstützte. „Wichtig ist mir, dass ein gesellschaftliches Klima geschaffen wird, in dem Akzeptanz von Vielfalt ein selbstverständlicher Wert ist – und das in jeder Hinsicht“,sagte er damals.

Fragen nach dem Familienstand beantwortet er in der Regel mit „ledig“ und ergänzt, wie heute so oft zitiert wurde: „Mein Freund sagt, ich soll nicht immer ledig sagen, um nicht falsche Hoffnungen zu wecken.“ Den einzigen Hinweis auf seiner Internetseite, dass er schwul ist, findet man, wenn er über sich schreibt: „Natürlich bin ich auch Sohn, Bruder, Onkel, Schwager und Lebenspartner.“ Viel mehr ist von ihm nicht zu seiner Sexualität zu hören – in seinem Wahlkampfvideo wird das Thema ganz ausgespart.

 

 

Der Erfolg von Essen kann ein Ansporn sein, den Modernisierungskurs entschlossen fortzusetzen.

Am Tag nach seinem Wahlsieg war Thomas Kufen leider nicht zu erreichen, weil ein Meeting das nächste jagte. Darum hat der Großstadtbeauftragte das letzte Wort: „Das tolle Abschneiden in Essen zeigt, dass die CDU auch in großen Städten Wahlen gewinnen kann. Thomas Kufen und die NRW-CDU haben vorgemacht, wie es geht: Das Programm muss zur Person passen, die Person zum Programm und beide gemeinsam zur Stadt. Ich gratuliere zu einem authentischen Wahlkampf und bin überzeugt, dass Thomas Kufen ein sehr guter Oberbürgermeister wird“, ließ Kai Wegner auf Anfrage von MÄNNER wissen. „Der Erfolg von Essen kann ein Ansporn sein, den Modernisierungskurs entschlossen fortzusetzen. Ich wünsche mir eine CDU, die so vielfältig ist wie die Städte, für die wir Politik machen. Als letzte verbliebene Volkspartei müssen wir für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft sorgen und allen Bevölkerungsgruppen ein Angebot machen.“

Foto: Screenshot


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