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Hunde als Spiegel des Menschen

Traumberuf: Hundetrainer

Als Verhaltensbiologe Laurent Amann im Alter von 26 Jahren seinen Job in der Forschung aufgibt, stürzt er in eine tiefe Lebenskrise. Wie soll es weitergehen? Unsicherheit macht sich bei ihm breit. Der gebürtige Franzose nimmt einen Königspudelwelpen auf, schenkt ihm ein neues Zuhause. Aber irgendwas stimmt nicht: Rio verweigert sein Futter. Laurent tut alles, um den Vierbeiner aufzupäppeln – und beschäftigt sich eingehend mit Ernährung und Essverhalten. Und plötzlich merkt er: Nicht nur Rio hat ein Essproblem. Auch er selbst hat seit Monaten aus Stress und Sorgen fast nichts mehr zu sich genommen. Der Verhaltensbiologe beginnt wieder, gesund zu essen und siehe da: Auch Rio schmeckt sein Futter wieder. Der Hund nimmt wieder zu. Und beide starten zusammen in ein neues Leben.

Woher weiß mein Hund, welche Sorgen ich habe? Will er mir mit seinem Verhalten etwas sagen? Was fühlen und denken Hunde wirklich? Haben sie gar eine Seele?

Heute ist Laurent 30, lebt in Wien und arbeitet als Tiertherapeut. Nebenbei hat er mit seinem Buch „Mein Hund hat eine Seele“ die österreichischen Bestseller-Listen erobert. Als „Tierflüsterer“ ist Laurent mittlerweile bekannt, wobei sein Fokus vor allem auf Hunden liegt. „Hunde sind ein Spiegel des Menschen!“, betont Laurent. „Als Rio mein damaliges Problemverhalten widerspiegelte, habe ich mich gefragt: Woher weiß mein Hund, welche Sorgen ich habe? Will er mir mit seinem Verhalten etwas sagen? Was fühlen und denken Hunde wirklich? Haben sie gar eine Seele?“ Letzteres ist wissenschaftlich umstritten: Die Tiermedizin geht davon aus, dass das Verhalten von Tieren (und Menschen) auf biologische Vorgänge im Körper zurückzuführen ist, aber sicherlich nicht auf so etwas Ungreifbares wie eine Seele.

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Krankheit als Botschaft

Bei seinen Patienten beobachtet der Tierpsychologe immer das gleiche Muster: „Ist der Hund krank oder verhaltensauffällig, so liegt die Ursache oftmals beim Besitzer. Hunde wollen uns auf unser Problem aufmerksam machen, das uns selbst nicht bewusst ist oder vor dem wir die Augen verschließen. Allerdings hören wir unseren Tieren nicht gut genug zu – oder verstehen sie schlicht und einfach nicht.“ 70 Prozent der Kommunikation zwischen Hund und Mensch bestehen aus Emotionen, Gedanken und mentalen Bildern, der Rest über Stimme und Körpersprache. „Die Emotionen eines Hundes sind sein Leben“, sagt Laurent. „Er verlässt sich auf seine Gefühle.“ Wenn Menschen diese intuitiven Botschaften aber nicht verstehen (was meist der Fall ist), greifen Hunde zu extremen Maßnahmen. „Sie beginnen, das Fehlverhalten nachzuahmen“, erklärt Laurent. „Hilft auch das nichts, greift er zum letzten Mittel: Er wird krank, vielleicht sogar chronisch. Jede Krankheit ist eine Botschaft an den Menschen.“

Bedingungslose Liebe

Hunde sind weise Seelen-Gurus, die einem helfen, wieder mehr in Einklang mit den eigenen Gefühlen zu kommen. „Hunde bringen uns wieder zu unserem natürlichen Selbst zurück und führen so zu mehr Glück und Harmonie im Leben.“ Ihre größte Seelenbotschaft an uns ist jene der bedingungslosen Liebe. Er tut alles, um seinem Besitzer zu gefallen, liebt uns, egal, wie wir aussehen oder wie wir gerade drauf sind. „Viele Menschen lieben sich nicht selbst und können deshalb auch andere Menschen nicht lieben“, so Laurent. „Der Hund hilft uns dabei, uns so anzunehmen, wie wir sind.“ Was wir noch vom Hund lernen können? Sich voll und ganz auf eine Sache zu konzentrieren, sich ihr mit Leib und Seele zu verschreiben, sich von äußerlichen Einflüssen nicht ablenken zu lassen. „Denn nur dann können wir Erfolg haben.“

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Das wichtigste Tool in Laurents Arbeit? Empathie, natürlich. Er ist sicher, dass er als Schwuler einen klaren Vorteil hat. „Dafür tun sich heterosexuelle Hundebesitzer nicht so schwer damit, die Rolle des starken Führers zu übernehmen“, sagt er lachend. Bleibt noch die Frage, ob es auch schwule Hunde gibt. „Nicht wie bei uns Menschen. Hunde haben ausschließlich Sex, um sich fortzupflanzen. Oft geht es beim Herumtollen zwischen zwei männlichen Hunden auch um eine spielerische Rangordnung. Generell gilt aber: Hunde fühlen sich zu demjenigen hingezogen, bei dem sie sich wohlfühlen – unabhängig vom Geschlecht.“ Von Hunden könnten wir noch einiges lernen.

Der vollständige Artikel steht in MÄNNER 4.2015.

Fotos: Alex Munteanu, Kats Makeup & Photography


2 Kommentare

  1. Toby Fay

    Bestätige ich…

    Wenn ich des Öfteren ein Hund streichle gucken mich die Besitzer wie ein Auto an

    „äm… Eigentlich… Eigentlich lässt er sich nie anfassen“

  2. Massimo

    Laut dem letzten Absatz sind Heteros also weniger empathisch als Schwule, dafür können Schwule sich schlechter durchsetzen? Dass man so einen dumpfen Blödsinn tatsächlich in einem schwulen Medium lesen muss ist doch wirklich mehr als traurig.


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