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„Ich bin kein unterwürfiger Butler“

Beat Leemann über seinen Traumberuf

von Bruno Bötschi

Butler gehören in britische Schlösser und Landhäuser. Nicht unbedingt. Es gibt auch auf dem europäischen Festland Menschen, die davon leben, zu dienen: Der Schweizer Beat Leemann arbeitet seit 13 Jahren als Teilzeit-Butler für Prinzen und Milliardäre – allerdings ohne Handschuhe und Gehrock.

 

Beat Leemann hasst es, wenn das Besteck nicht korrekt neben dem Teller liegt. Und er merkt in einem Raum sofort, wenn jemand einen Stuhl verschoben hat. Der 47-jährige Schweizer ist Perfektionist – im Beruf genauso wie privat. „Tüpflischisser“ nennt man solche Menschen auf Schweizerdeutsch. Die Kunden von Leemann sind froh um diese Charaktereigenschaft. Denn nur ein Perfektionist kann ein guter Butler sein.

Begonnen hat Beat Leemann seine Berufskarriere im Fünfstern-Hotel Schweizerhof in Bern. Danach arbeitete er auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik. Später war er 14 Jahre bei der Swissair als Flugbegleiter tätig, neun Jahre davon in der First Class. Die Welt der Mächtigen, Reichen und Schönen faszinierte Leemann bereits in jungen Jahren. Und über den Wolken war nicht nur die Freiheit grenzenlos, sondern auch die Zahl der Promis: Leemann bediente Königin Nur von Jordanien, Roger Moore, Prince und Terence Hill.

Ich diene gerne und bin ein zuvorkommender Mensch und mag es, wenn sich die Herrschaften wohl fühlen.

Nach dem Grounding der Swissair 2002 war Beat Leemann die Lust am Fliegen vergangen. Er suchte nach einer neuen Herausforderung und machte sich selbstständig – als Butler. Seinen ersten Auftrag wurde ihm durch Lisa Limburg-Bondy von der Hauspersonal-Vermittlung Bonne ménagère in Zürich vermittelt. Er begleitete ein älteres Ehepaar während drei Wochen in den Ferien in Südfrankreich. Er organisierte den Haushalt und war Chauffeur und Sekretär in einem. „Ich diene gerne und bin ein zuvorkommender Mensch und mag es, wenn sich die Herrschaften wohl fühlen. Ich bin jedoch nie unterwürfig“, sagt Leemann. „Das passt nicht mehr in die heutige Zeit. Ich schätze es, wenn ich mit meinen Kunden auf Augenhöhe sein kann.“

Arbeitstage von 14 bis 16 Stunden sind Normalität

Und trotzdem: Eine gewisse Selbstlosigkeit ist wichtig. Wenn man als Butler arbeitet, entscheidet man sich von A bis Z für eine Familie dazu zu sein. Leemann arbeitet für sehr, sehr reiche Menschen – Schweizer Milliardäre, saudische Prinzen und deutsche Fürsten. Arbeitstage von 14 bis 16 Stunden sind Normalität. Leemann steht immer auf Abruf bereit: „Es ist ein extrem intensiver Job und einer der Gründe, warum ich nur als Teilzeit-Butler arbeite. So kann ich zwischen meinen Engagements, die von zwei Wochen bis drei Monaten dauern, immer wieder Pausen einlegen.“

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Foto: Bruno Bötschi

 

Leemann ist ein moderner Butler und kein Pinguin im Gehrock. Er hat keine Butlerschule besucht und trägt zum Arbeiten keine weissen Handschuhe, sondern einen dunkeln Anzug und Krawatte oder Fliege. Er hat auch noch nie Zeitungen gebügelt, damit die Druckerschwärze keine Hände mehr färbt. In England, wo es noch viele klassische Butler gibt, ist das nach wie vor Gang und Gäb.

 

Leemann’s Tage als Butler beginnen meistens um sieben Uhr in der Früh. Um neun pflegen die Herrschaften zu frühstücken. Danach begleitet er seinen Arbeitgeber durch den Tag. Er chauffiert ihn ins Fitnesszentrum, fährt ihn zum Golfplatz oder zu einem Mittagessen. Manchmal fährt Leemann auch die Kinder zur Schule. Oft ist ein Butler Mädchen für alles. Mit dem Unterschied: Butler ist ein gut bezahlter Job. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ titelte vor einigen Monaten: „Butler werden heutzutage wie Akademiker bezahlt.“ „Das stimmt“, sagt Leemann, „der Verdienst ist sehr gut.“ Konkrete Zahlen möchte der Schweizer aber keine nennen.

Beat Leemann ist ein moderner Butler. Trotzdem spricht er seine Brotgeber mit „Herrschaften“ an. Er sagt: „Ich mag das, auch wenn es antiquiert tönt. Es gibt auch Kunden, die wünsche, dass ich Herr und Frau sage.“ Und kürzlich bestand ein deutscher Adeliger darauf, dass Leemann ihn mit Durchlaucht anspreche. Dabei endete die Monarchie in Deutschland doch vor fast hundert Jahren.

Drogen und Waffen habe ich noch nie organisiert.

 

Zum Kodex gehört, dass ein Butler drei Dinge verweigert (entgegen seiner alten deutschen Bezeichnung „Faktotum“, was „mache alles“ bedeutet): Er beschafft keine Frauen, Drogen oder Waffen. Aber wie erwähnt, Leemann ist ein moderner Butler. Er hat schon Escortdamen und –herren organisiert. Er sagt: „Ich bin kein Moralapostel und nehme das etwas lockerer. Drogen und Waffen habe ich hingegen noch nie organisiert. Und das würde ich auch niemals tun.“

 

Der vollständige Artikel erscheint in MÄNNER 11.2015. Darin verrät Leemann u. a., wie es war, für Sophia Loren zu butlern.

Butler Beat Leemann hat ein Kochbuch geschrieben. In „Fürstliche Dinners“ (Novum Verlag) stellt er acht Menüs in Text und Bild vor und zeigt Schlösser, in denen er gekocht und gearbeitet hat.

 


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