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„Jungbauern-Kalender darf nicht fehlen“

Aus unserer Serie TRAUMBERUFE - der Biobauer

von Manuel Simbürger

Friedrich Metzker, das stellt er gleich klar, kann mit Bauern-Klischees gar nichts anfangen: „Ich bin das letzte Mal vor drei Jahren auf einem Traktor gesessen und Kühe gibt es bei uns weit und breit keine.“ Man merkt: sensibles Thema. Der 52-Jährige wehrt sich vehement gegen das altmodische und, wie er findet, vollkommen falsche gesellschaftliche Bild vom Bauern, der Tag und Nacht den Schweinestall ausmistet und Mähdrescher fährt. „Ich sehe mich eher als Geschäftsmann!“ Stolzer Nachsatz: „Ich lebe sehr, sehr gut von meinem Beruf.“ Und um das noch zu unterstreichen, findet unser Gespräch nicht auf seinem Hof, sondern im schicken Wien statt, im hippsten Café der Stadt. Weil er den Besitzer persönlich kennt. Natürlich.

kl Metzker (c) Udo Titz (3)

Metzkers Hof, insgesamt 300 Hektar, wird seit 2001 biologisch bewirtschaftet. „Wo Bio drauf steht, ist Bio drin!“, betont er und verweist so auch auf die strengen regelmäßigen Kontrollen. „Eines können wir garantieren: Auf unserem Betrieb werden keine Gifte ausgebracht! Spritzmittel und Kunstdünger sind bei uns völlig tabu.“ Metzker war es auch wichtig, dass erneuerbare Energie auf dem Hof eine große Rolle spielt: So wird das Warmwasser im Büro sowie im Wohngebäude durch zwei thermische Solaranlagen erzeugt. Eine Anlage auf dem Bürodach liefert den Großteil der Raumwärme, der darüber hinausgehende Bedarf wird durch einen Pelletsofen abgedeckt. „Bio ist eine Lebenseinstellung!“

Kühe oder Schweine besitzt Biobauer Metzker nicht, bei ihm geht’s um Ackerbau. Sein Geschäft besteht darin, Getreide, Hülsenfrüchte und biologisches Gemüse zu kultivieren, zu ernten und schließlich an Partnerfirmen zu verkaufen. Metzkers Töchter haben sich die Kultivierung von Bio Paradeiserraritäten (in Deutschland spricht man von Tomaten) zum Hobby gemacht, daneben werden auch Raritäten wie Zucchini, Gurken, Melanzani, bunte Paprika, Pfefferoni, Chili, diverse Gewürze und Fisolen gezogen. Metzkers Arbeitstag beginnt um 6 Uhr morgens: Da wird, durchgehend bis mittags, das Gemüse geerntet und gepflegt, sprich: Unkraut und kranke Teile der Pflanze müssen entfernt, Nützlinge (zum Beispiel Hummeln) eingebrockt und natürlich muss jede Pflanze bewässert werden. Nachmittags wird in der Regel weniger gearbeitet, aufgrund der Temperaturen, auch im Winter ist etwas weniger zu tun. „Die freie Zeiteinteilung ist ein großes Plus.“

Ich bin auf dem Hof aufgewachsen und wollte, seit ich denken kann, Landwirt werden.

Der ausgebildete „Meister der Landwirtschaft“ ist stolz auf seinen Hof. „Ich bin auf dem Hof aufgewachsen und wollte, seit ich denken kann, Landwirt werden. Es war von Beginn an klar, dass ich den Hof von meinen Eltern übernehmen werde.“ (Es gibt noch ganz andere Traumberufe: Der Nanny zum Beispiel – MÄNNER-Archiv).

Bauer zu sein war und ist mein Rückhalt

Schwuler Bauer zu sein, ist für Metzker nichts Exotisches. „Natürlich, auf dem Land kann ein Coming-out manchmal schwieriger sein. Aber im Grunde kommt es doch immer drauf an, wie man damit umgeht. Mit meinem Hof repräsentiere ich etwas. Ich kenne meine Wurzeln, mich kann man nicht vertreiben. Das wird respektiert und auch bewundert – ganz egal, ob ich schwul bin oder nicht. Bauer zu sein war und ist mein Rückhalt.“
Dass es als Landwirt schwieriger ist, einen Partner zu finden, kann Metzker, obwohl aktuell Single, ebenso wenig bestätigen: „All meine Partner empfanden meinen Lebensstil als Vorteil.“ Und schließlich gibt es ja auch den einen oder anderen, der seinen Bauern-Fetisch mit Gummistiefeln oder Sex im Heu nur zu gern auslebt. Da grinst Metzker nur. „Klar, ein Jungbauern-Kalender (auch schön: der neue Metzger-Kalender – MÄNNER-Archiv) darf in meinem Büro nicht fehlen!“

Fotos: Udo Titz


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