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Der Penis als komisches kleines Monster

Fotoserie von Hervé - ohne Blut und Glorie

So habt Ihr Schwänze wahrscheinlich noch nicht gesehen. Der Künstler Hervé dekonstruiert den Penis in seiner Fotoserie „Little Monsters“:

Bild von Hervé aus der Serie "Little Monsters". (Quelle: http://little-monsters.org)

Bild von Hervé aus der Serie „Little Monsters”. (Quelle: little-monsters.org)

Klar ist das eine Anspielung auf Lady Gaga. Vermutlich würden die Bilder der Diva sehr gefallen. „Mit der Serie weist der Künstler aus den Platz hin, den wir in unserer heutigen Gesellschaft dem Penis einräumen“, schreibt das Magazin KALTBLUT. „Die Bilder erinnern uns aber auch daran, dass wir schlussendlich nur von Penissen reden, und sonst nichts.“ Bei Hervé selbst klingt das „und sonst nichts“ ein bisschen politischer: „Ist der Penis nicht das ultimative Machtsymbol? In alten (und nicht ganz so alten) Gemälden werden Penisse metaphorisch in Türme, Schwerter oder Pistolen umgedeutet, in unserer heutigen ultra-expliziten Zeit – wo Metaphern kaum noch nötig sind – überfluten nackte erigierte Schwänze das Internet und virtuelle Chaträume. Der kleine, aber doch sehr große Unterschied zwischen Männern und Frauen ist überlagert mit Bedeutung, belastet mit Erwartungen, die einen unschuldigen Unterschied in eine jahrtausendealte Hierarchie verwandeln.“ Laut Hervé betrachtet die Serie „Little Monsters“ das umstrittene Objekt neu und dekonstruiert in Form einer neuen Sicht die symbolische Kraft des Schwanzes.

Diese kleinen Monster haben keinen Männerkörper, zu dem sie gehören und der sie unterstützt, sie sind auch nicht mit Blut gefüllt, um in erigierter Glorie aufzutreten. Aber sie sind auch nicht tot. Sie nehmen ein Eigenleben an, sie sind nicht mehr bedrohlich, sondern fast komisch.“

Ob Facebook das in unseren „ultra-expliziten Zeiten“ auch komisch fände, wenn jemand eines der Hervé-Bilder hochladen würde? Das darf bezweifelt werden. Aber die Dekonstruktion des männlichen Gliedes passt ansonsten zur aktuellen Gender-Debatte – und zum Aufruf von ZEIT-Autorin Elisabeth Raether, die dafür plädiert, auch als Frau den Penis anzuschauen und ihn einfach als Penis wahrzunehmen – und sonst gar nichts. Mehr Infos zu Hervé und der restlichen Bilderserie findet man hier.

Bild von Hervé aus der Serie "Little Monsters". (Quelle: http://little-monsters.org)

Bild von Hervé aus der Serie „Little Monsters”. (Quelle: little-monsters.org)

Titelbild: Teilansicht des „David” von Michelangelo, ndphoto/Shutterstock.com 


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