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Kompliziertes LGBTI-Asyl

Als "sichere" Herkunftsstaaten gelten sogar Senegal und Uganda

von Martin Reichert

Homosexuelle und Zahlen, das ist ein Thema für sich. Nicht etwa, weil Homosexuelle nicht rechnen können – das Problem ist eher statistischer Natur, denn niemand kann genau sagen, wie viele Homosexuelle es überhaupt gibt. Man behilft sich mit Schätzungen, die zwischen drei und sieben Prozent der Weltbevölkerung schwanken. Und trifft man sich in der Mitte, dann würden in diesem Jahr rund 40.000 homosexuelle Flüchtlinge in Deutschland eintreffen, denn das sind genau fünf Prozent der offiziell für 2015 erwarteten 800.000 Menschen, denen Bundeskanzlerin Angela Merkel schon mal vorab mitgeteilt hatte, „dass leider nicht alle werden bleiben können“.

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Budapest am 4. September: Kriegsflüchtlinge am Keleti Bahnhof (Istvan Csak / Shutterstock.com)

Ein Rückfahrticket, so viel lässt sich jetzt schon sagen, werden vor allem die Flüchtlinge aus den westlichen Balkanstaaten aufgedrängt bekommen, die in zunehmender Zahl nach Deutschland kommen – und das gilt auch für die entsprechenden Homosexuellen aus Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina, die allesamt als sogenannte „sichere Herkunftsstaaten“ gelten, obwohl LGBTI dort nur unter sehr erschwerten Bedingungen leben können. Auch Albanien und Kosovo gelten als „sicher“, obwohl Homosexuelle dort keineswegs geschützt leben können. Entsprechende Antragsteller müssten jedoch nachweisen, dass ihnen „abweichend von der allgemeinen Lage“ Verfolgung droht, was in der Regel schwer bis unmöglich ist. Sie gelten daher, anders als die in Deutschland aufgenommenen Syrer, offiziell als Wirstschaftsflüchtlinge, die man abzuschieben gedenkt. Auf dieser offiziellen Liste der „sicheren Herkunftsstaaten“ stehen sogar Senegal und Uganda, in denen Homosexualität unter Strafe steht, und allein dieser offensichtlich absurde Rechtstand zeigt, wie kompliziert die Lage für LGBTI ist, die in Deutschland Asyl suchen – obwohl dies seit dem Jahr 2013 in der gesamten EU theoretisch möglich ist.

In der Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge taucht Homosexualität als Asylgrund überhaupt nicht auf.

Und wieder die Zahlen: In der Statistik des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge taucht Homosexualität als Asylgrund zunächst einmal überhaupt nicht auf, was einen weiteren politischen Umgang mit der Problematik potentiell erschwert. Umso erstaunlicher das Ergebnis einer kleinen Anfrage der der Bundestagsfraktion der Grünen vom Anfang des Jahres, in der man sich nach genaueren Zahlen bezüglich der Anzahl von LGBTI-Flüchtlingen in Deutschland erkundigte. Die Antwort: Im Jahr 2012 wurden drei homosexuellen Personen Asyl gewährt, zwei Iranern und einem Iraker …

Der vollständige Artikel steht in MÄNNER 10.2015 – hier geht’s zum ABO

Mehr zum Thema: So geht Solidarität

Titelfoto: Alexandre Rotenberg / Shutterstock.com (5. September am Bahnhof Keleti, Budapest)


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