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LGBTI-Morde in Honduras

Trotz mehrerer Fälle: Bundesregierung sieht von Reisewarnungen ab

Walter Tróchez war ein honduranischer Menschrechtsaktivist, der sich für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender einsetzte. Am 14. Dezember 2009 wurde er in der Hauptstadt des Landes Tegucigalpa erschossen. Zweieinhalb Jahre später starb Erick Martínez, ebenfalls ein Kämpfer für LGBTI-Rechte. Kurz nachdem der 32-Jährige angekündigt hatte, für die Widerstandspartei zu kandidieren, verschwand er und wurde wenig später außerhalb der Hauptstadt tot gefunden: Er wurde stranguliert.

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Erick Martínez Ávila (Foto: privat)

Das sind nur zwei Beispiele, wie wenig seit dem Putsch 2009 die Grundrechte und speziell LGBTI-Rechte gelten. Volker Beck, innenpolitischer Sprecher der Grünen, nannte die Menschenrechtslage in Honduras „besorgniserregend“. Menschenrechtskämpfer und politische Aktivisten würden bedroht und ermordet. „Die Taten werden von der Polizei oft erst gar nicht verfolgt und bleiben straflos“, so Beck. LGBTI-Aktivisten seien besonders gefährdet: Erst im Juni wurde die transsexuelle Aktivistin Angy Ferreira auf offener Straße erschossen, im Mai wurden Teilnehmende einer Demonstration für LBGTI-Rechte schwer verletzt. Seit 2009 gebe es eine andauernde Welle von Gewaltakten gegenüber Journalisten und Gegnern des Staatsstreichs, darunter zahlreichen Morden, Folter, Vergewaltigungen und Entführungen.

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Foto: Shutterstock

Zur Lage in Honduras stellte Beck mit Parteikollegen wie Claudia Roth und Cem Özdemir eine kleine Anfrage an die Bundesregierung. Die räumte in ihrer Antwort ein, dass der hondaranische Staat seine Bürger nicht ausreichend schütze und das Recht auf Leben nicht ausreichend schütze. Man führe in „bilateralen Gesprächen“ einen „Politikdialog“ und thematisiere „fallweise“ auch die Situationen von LGBTI-Personen. Von einer Reisewarnung für einzelne „gesellschaftliche Gruppen“ sehe man aber ab.

Verschließt Bundesregierung die Augen vor Hassverbrechen?

Sicherheitshinweise für Frauen gibt es aber sehr wohl. „Dass auf die besondere Gefährdung von Frauen, nicht aber von LGBTI hingewiesen wird“, so Beck, „macht auch nur Sinn, wenn man vor den Hassverbrechen gegen Transsexuelle, Schwule und Lesben die Augen verschließt.

Die Zusammenarbeit mit Honduras könne nicht so weiter laufen wie bisher. Die Bundesregierung müsse zum Schutze von LGBTI-Personen kurzfristige Visaerteilungen und Aufnahme in Fällen akuter Bedrohung zulassen. Außerdem forderte Beck „Verbindungsbeamte für Menschenrechtsverteidiger*innen und Aktivist*innen in der Deutschen Botschaft.“

 

Titelfoto: tortilladigital.wordpress.com


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