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Kroymanns „Gay Credibility“

"Familie verpflichtet" beim Filmfest Hamburg

In der ‚Multikulti-Familienkomödie‘ (Zitat NDR) mit dem Titel „Familie verpflichtet“ wollen David (Max von Pufendorf) und sein Partner Khaled (Omar El-Saeidi) gerne öffentlich heiraten – wäre da nicht Khaleds arabischstämmige Familie, insbesondere sein homophober Vater Aledrissi (Ramin Yazdani). Auch Davids Mutter Lea (Maren Kroymann – Interview folgt weiter unten), die zurück zum Glauben gefunden hat und sich als Geschäftsführerin der jüdischen Gemeinde engagiert, sorgt für Ärger. Als plötzlich auch noch die schwangere Sarah vor der Tür des Pärchens steht und behauptet, dass Kind sei von David, droht alles außer Kontrolle zu geraten. Auch der Gründer des Hamburger Schmidt-Theaters, Corny Littmann, spielt eine kleine Rolle in der Komödie (hier geht’s zu den Fotos)

„Ich finde, gerade mit diesem Genre können wir ein großes Publikum für dieses sensible Thema erreichen“, so Regisseur Hanno Olderdissen. „Das Private ist hier ganz klar auch politisch.“ Das sieht auch die zuständige NDR-Redakteurin Daniela Mussgiller so: „Die Liebe zwischen David und Khaled ist selbstverständlich und universell, sie wird nie infrage gestellt.“ Und der Regisseur ergänzt: „Unser schwules Paar ist noch am normalsten und vernünftigsten von allen – in einem Pool von ziemlich vielen skurillen heterosexuellen Nebenfiguren. Die komischen Entwicklungen entstehen daher nicht, weil unsere Hauptfiguren schwul sind.“

 

Maren, die Story klingt vielversprechend, aber wenn der Film auf einem Weichspüler-Sendeplatz im Ersten läuft, ist das doch wieder so eine laue Angelegenheit.

Dieser Film ist als Debüt im Ersten geplant. Für die Primetime wäre er zu politisch unkorrekt. Wir verarschen wirklich jeden und uns alle. Ich spiele zum Beispiel die Mutter, die ihre jüdischen Wurzeln entdecken will und auch versucht, Jiddisch zu sprechen – sie macht sogar einen Kurs an der VHS. Außerdem ist sie scharf auf den Rabbi, der die Kippa auch im Bett trägt. Und sie ist eine dieser Mütter, die ihren Sohn nicht loslassen wollen.

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Max von Pufendorf spielt Marens Sohn

(Foto: www.management-goldschmidt.de)

Du spielst im deutschen Fernsehen und im Kino immer wieder heterosexuelle Mütter. Wenn es auch immer wieder heißt, dass einem ein Coming-out die Karriere kaputt macht – bei Dir stimmt das überhaupt nicht.

Ich habe seit der RTL-Serie „Mein Leben und ich“ viele Mütter gespielt. Ich kann prima Mütter spielen, ich bin zwar keine, aber ich hatte ja eine. Das Thema ist mir vertraut. Und mein Bestreben war immer: Nach dem Coming-out dieselben Rollen spielen wie vorher. Dass das klappt, war aber lange nicht klar. „Freier Fall“ war auch ein Low-Budget-Film, die hatten das beim Casting gar nicht so auf dem Schirm, dass ich lesbisch bin. Die Produktionsfirma hat irrsinnig gekämpft, dass ich mitspiele. Es ist denen wohl ganz lieb und wichtig, dass sie einen dabei haben, der aus der Gay Community kommt. Vielleicht ist das eine Art von „Gay Credibility“.

Neben Dir gibt es noch Ulrike Folkerts, die viel und erfolgreich im Fernsehen arbeitet. Bei den offen schwulen Schauspielern in Deutschland sieht es düster aus.

Immerhin gibt es und gab es in Deutschland die großen Entertainer: Dirk Bach, Thomas Herrmans, Georg Uecker, Ralpf Morgenstern. Da haben ja teilweise schon die Leute gesagt: Aha, wenn man es als Entertainer in Deutschland zu etwas bringen will, muss man wohl schwul sein. Aber es ist ja zum Beispiel oft so, dass die Schauspieler, die schwul sind und am Theater die großen Rollen spielen, sich oft verstecken. Deshalb fand ich es auch ganz toll, dass Clemens Schick sich letztes Jahr geoutet hat.

„Familie verpflichtet“ hatte seine Premiere beim Filmfest Hamburg und läuft am 5. November im NDR-Fernsehen.

Außerdem ist Kroymann nach wie vor mit ihrem Bühnenprogramm „In my sixties“ unterwegs, zum Beispiel am 14. November in der Stadthalle Gütersloh.

Maren Kroymann gehört zu den Erstunterzeichnern des MÄNNER-Appells Wir spielen alles. Außer Verstecken. Am 18. September 2015 wurde die Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin in Berlin mit dem MANEO-Award ausgezeichnet. Mit dem Preis wird ihr künstlerisches und gesellschaftliches Engagement gegen Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Gewalt gewürdigt.

Foto: Guido Woller


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