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Zu schwul für Putins Behörden?

Filmfestival Moscow Premiere kurzfristig abgesagt

Trotz der Homopropaganda-Gesetze gab es in Russland tatsächlich noch einige wenige Filmfestivals, die sich LGBTI-Themen widmeten. Doch nun wurde „Moscow Premiere“ – das Festival, bei dem Filme, die sonst in Russland als „provokant“ galten, gezeigt werden konnten – überraschend abgesagt. Es sollte eigentlich morgen starten.

Die Moskauer Kulturbehörde hat jedoch letzte Woche ihre finanzielle Unterstützung kurzfristig zurückgezogen, mit Verweis auf die „schwierige wirtschaftliche Lage“ in Putins Reich. In einem Brief, den die Festivalbetreiber letzten Dienstag bekamen, informierte die Regierungsbehörde sie, dass die Kulturabteilung von Moskau „die Budgets für 2015 einschränken“ müsse.

Es wäre die 13. Ausgabe von „Moscow Premiere“ gewesen. Besucher konnten dort bislang gratis Filmvorführungen sehen; dazu brauchten sie Voucher, die in der Tageszeitung „Moskovsky Komsomolets veröffentlicht wurden.

Anstelle von „Moscow Premiere“ wird jetzt ein neues „positives, jugendorientiertes“ Festival unterstützt. Titel: „Youth Festival of Life Affirming Film.“

Dieses lebensbejahende Jugendfilmfestival wird von Yevgeny Gerasimov geleitet, Stadtrat und Mitglied von Einiges Russland, die aktuell im Kreml regierende Partei mit dem Bärenlogo. Das neue Festival läuft vom 4. bis zum 7. September.

Der Chef von „Moscow Premiere“, Vyacheslav Shmyrov, hat nicht die Absicht an dem Alternativfestival teilzunehmen, weil er ein „völlig anderes Programm“ zeigen wollte. Zu dem gehörten die Filme „Russia-88 und „Eine Winterreise(Zimniy put), der eine ein Film über Russlands Neonaziszene, der andere über einen schwulen Opernsänger, Schubert und gesellschaftliche Gewalt. Beide enthalten Themen, die es schwer machen, dafür einen Distributor in Russland zu finden.

Die Absage des Festivals passt zum aktuellen vergifteten Klima für LGBTI-Rechte in Russland. „Moscow Premiere“ war primär ein soziales Festival und Charity-Projekt, für Menschen – besonders ältere – die es sich nicht leisten können, ins Kino zu gehen, sagt Shmyrov. Auch wenn er hofft, einige Teile des Programms irgendwie zu retten, fürchtet er, dass es so kurzfristig nicht möglich sein wird, eine Alternative auf die Beine zu stellen.

Titelfoto: Screenshot aus dem Festivalfilm „Eine Wintereise“, YouTube-Trailer


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