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100 Prozent HIV-Schutz mit PrEP

Truvada funktioniert in neuer Studie vollständig. Aber…

32 Monate hat es gedauert, dann war klar: PrEP (Pre-Expositions-Prophylaxe) funktioniert, vollständig. 600 Menschen, 99 Prozent davon Männer, die Sex mit anderen Männern haben, hatten Forscher am Kaiser Permanente Medical Center in San Francisco das Mittel Truvada täglich nehmen lassen, damit sie sich so vor HIV schützen können. Infektionsquote: Null. Niemand hatte sich nach zweieinhalb Jahren mit HIV infiziert. Die erste klinische Anwenderstudie ist ein voller Erfolg. Das belegen Ergebnisse, die jetzt veröffentlicht wurden.

Schützt auch bei Hoch-Risiko-Verhalten

Es scheint alles zu stimmen: Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war 37 Jahre, alle waren im Studienzeitraum sexuell aktiv, viele ausgiebig und mit mehr wechselnden Partnern als Menschen, die keine PrEP nehmen. Studienleiter Jonathan Volk,veröffentlichte die Ergebnisse der Studie in Clinical Infectious Diseases, einer bekannten Fachzeitschrift. „Unsere Studie ist die erste, die in einem Real World-Feldversuch belegt, dass PrEP auch bei Hoch-Risiko-Verhalten vor HIV schützen kann“, so Volk.

Viele andere STIs

Was er mit „ auch bei Hoch-Risiko-Verhalten“ meint ist Folgendes: Die Studie ergab auch, dass sich zwar keiner der Teilnehmer mit HIV, aber nach sechs Monaten 30 Prozent von ihnen und nach einem Jahr jeder zweite, mit einer anderen sexuell übertragbaren Infektion wie Syphilis oder Tripper angesteckt hatte. Außerdem vermeldeten 41 Prozent aller Studienteilnehmer, sie hätten, während sie Truvada einnahmen, seltener Kondome benutzt als vorher. „Ohne Kontrollgruppe wissen wir allerdings nicht, ob diese Werte höher sind, als sie ohnehin gewesen wären“, sagte die Co-Autorin der Studie Julia Marcus. „Tests auf und die Behandlung von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten, müssen ein fester Bestandteil jeder PrEP-Einnahme sein.“

Truvada spaltet die Öffentlichkeit

Truvada spaltet in den USA die Community und die Öffentlichkeit. Während Aktivisten und viele Forscher die seit 2012 in den Vereinigten Staaten erhältliche Therapieform begrüßen, ist sie für einige nur eine weitere Sexdroge, die das Schutzverhalten negativ beeinflusst. Sicher scheint zu sein: Will man sich wirklich wirksam nicht nur vor HIV, sondern auch vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützen, kombiniert man eine PrEP am Besten mit Kondomen. In Europa ist die Diskussion um PrEP noch in den Kinderschuhen. Die Herstellerfirma hat hier noch keinen Zulassungsantrag gestellt und Truvada ist als PrEP nicht offiziell erhältlich.

Bild: Shutterstock/Jan Ontakrai


18 Kommentare

  1. Björn Wagner

    Benutzt einfach Kondome! Kostet bestimmt weniger (weil man es nur braucht wenn man es benutzt) und schadet dem
    Körper nicht so wie ein täglich eingenommenes Medikament!

  2. Dirk Sander

    Truvada kann man auch übers Wochenende einnehmen, oder im Urlaub. Packungsbeilage beachten. Die Nebenwirkungen kann man kontrollieren, sie verschwinden wenn man das Medikament absetzt. Viele benutzen es zusätzlich zu Kondomen und sind dann entspannter beim Sex. In unseren Breiten ist das Medikament nicht zugelassen.

  3. Björn Wagner

    Yeahhh endlich am Wochenende f…. ohne das Gehirn einzuschalten! Wenn ich dann schon Nebenwirkungen habe, wer sagt mir, was dieses Medikament auf Dauer mit meinem Körper macht? Nebenwirkungen sind immer ein Zeichen, dass etwas in meinem Organismus ist, was dort nicht richtig verarbeitet werden kann…

  4. Benjamin Müller

    Betonung liegt wahrscheinlich absichtlich bei täglich. Der Wirkstoff wird sich wahrscheinlich erst im Körper anreichern müssen, bis er wirkt? Also halte ich doch eine spontane Einnahme vor dem Wochenende für unwahrscheinlich…

    Ich gebe zu, ich hab den Artikel nicht gelesen, weil für mich der Schutz einfach aus einem Kondom besteht… Man muss doch nicht immer mit der Chemie-Keule um sich schlagen…

  5. Ralph Ehrlich

    Nur mal so zur Info, bevor alle in die Apotheke stürmen: Truvada kosten 30 Tab. 819,49 € und muß verschrieben werden. Die Krankenkassen übernehmen bei einem HIV-Negativen nicht die kosten. Es geht nur über Privatrezept dann.

  6. Kai Huppke

    Zur „spontanen” Einnahme sollte noch erwähnt werden, dass man sich vorher (zur Erinnerung: i.d.R. 3 Monate) auf eine bereits bestehende HIV Infektion testen lassen sollte…

  7. Meik Lütt

    Natürlich gibt es andere Lebensinhalte, aber genau das steht doch auch nicht zur Diskussion. Truvada ist ein Baustein in der Prävention und kann genau die Personen eventuell erreichen, die bisher auch auf Kondome verzichten, weil Sie einfach nicht damit klarkommen etc. Im Endeffekt geht es nur um den Bestmöglichen Schutz vor einer Neuinfektion, denn jede einzelne ist eine zuviel. Wie sich jeder selber schützt, sollte auch jedem selbst überlassen bleiben. Keine Variante ist besser oder schlechter.

  8. Dirk Sander

    Man kann ja zu Gangbang-Party gehen und noch andere Lebensinhalte haben. Und Prävention ist ja wichtig, damit man sich das ein oder andere Abenteuer erlauben kann. Sonst bräuchte man’s ja nicht…

  9. Till Randolf Amelung

    Es hat ja was für sich: mal wieder ohne Angst kondomlosen sex zu haben. Allerdings tauchen nun andere Schreckgespenster auf , die die Vision trüben : multiresistente Syphilis- und Tripperbakterienstämme.

    Man sollte freilich die Wahl haben, wie man seine Prävention beim sex gestaltet, aber ich gehe stark davon aus , dass sie bis zum Auslauf des Patents vom Geldbeutel bestimmt wird.

    Die Krankenkassen werden die Kosten für die prep wohl nicht tragen. Das würde ähnlich wie die anti-baby-pille für die Frauen eingestuft. Als Verhütungsmittel wird das ja auch nicht bezahlt.

  10. Kai Ottofrickenstein

    Genau: Bareback für alle!
    Und?
    Wo ist das Problem?
    Erstens ist das Thema „Bareback” eines, welches jeder für sich selbst entscheiden muss.
    In der Regel wird niemand dazu gezwungen; und wenn, kann sich die betroffene Person freuen Truvada vorher eingenommen zu haben…
    Jungs, Hand auf’s Herz: Wer von euch (außer man hat einen entsprechenden Fetisch) würde denn freiwillig ein Kondom benutzen, wenn es kein HIV oder andere SÜKs geben würde? Die Dinger sind nunmal sch… nervig und es macht ohne einfach mehr Spaß. Punkt. Wer das Gegenteil behauptet belügt andere UND sich selbst zu 99 Komma irgendwas % und sollte beim nächsten BB-Porno (Warum wird der Markt eigentlich gerade so davon überschwemmt? Wahrscheinlich weil auch keiner die BILD ließt…) seine linke Hand vom Schw… nehmen und schnell weiterklicken als auch (und das ist viel wichtiger) beim nächsten Onanieren ohne Unterstützung seiner Phantasie bitte an entsprechender Stelle im Kopfkino auch Kondome benutzen!)
    Zweitens ist es doch phantastisch, dass es endlich ein vorbeugendes Medikament gibt! Wie lange wurde dem entgegengefiebert? Und nun, wo es da ist, kommen die Moralapostel aus ihren Löchern? Warum gibt es dann überhaupt Medikamente zur Behandlung von HIV? Hätten die Betroffenen doch einfach Kondome benutzen sollen! Lass sie doch zur Strafe dran verrecken, die Perversen!
    Drittens: Warum gibt es eigentlich die Anti-Baby-Pille? Sollen doch die Heten gefälligst Kondome benutzen! Komischerweise wollen dies aber viele Männer nicht. Und komischerweise nehmen so viele Frauen diese Medikamente obwohl sie bei vielen viel mehr Nebenwirkungen verursachen als Truvada es tut…
    Im Moment kommt es mir gerade vor, als würden wir Schwule fast unbemerkt vom Rest der Gesellschaft eine ähnliche Diskussion über das für und wieder von Truvada führen, als es die gesamte Gesellschaft damals bei Einführung der „Pille” getan hat…
    Und Jungs: Wie viele von euren Freundinnen, Arbeitskolleginnen, ja allen Frauen um euch herum nehmen heutzutage die Pille?

    Das einzige, worüber diskutiert werden sollte, ist der (noch) hohe Preis von Truvada (wie leider aller HIV-Medikamente).

    Ich habe fertig.


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