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Out am Theater

Diese Schauspieler sind ganz offen schwul

Wer in einer Schauspielerfamilie geboren wird, ist schon mal nicht der erste Schwule, dem die Eltern begegnen – gute Voraussetzungen, wenn man mit 17 seinen ersten Freund nach Hause bringt. Und da befinden wir uns in der Biographie von Felix Martin erst im Jahr 1981. Daraus, dass er schwul ist, hat der heute 50-Jährige nie ein Geheimnis gemacht. Nicht an der Schauspielschule, nicht am Theater. Selbst Peter Weck ahnte oder wusste wohl, dass der junge Mann schwul ist. Trotzdem ließ ihn der Regisseur und Hauptdarsteller der ZDF-Serie „Ich heirate eine Familie“ Mitte der 1980er den Freund der Tochter Tanja spielen.

Felix hatte nie das Bedürfnis, sich zu verstellen oder zu verstecken. Immer wieder spielte er Liebhaber, wie den Marius in „Les Miserables“ in Wien und in Duisburg, in Berlin die Titelrolle in der „Elvis – Stationen einer Karriere“, wofür er mit dem Bühnenpreis Daphne ausgezeichnet wurde. Aktuell ist er im Musical „Fast normal“ im Berliner Renaissance-Theater zu sehen, und tritt auch immer wieder mit eigenen Solo-Programmen auf.

Ein schwuler Schauspieler, der in der ARD zur Primetime den heterosexuellen Liebhaber gibt? Das geht in Deutschland wohl nicht.

Im Theater ist man entspannter, offener – das war auch früher schon so, sagt Felix. Dass aber ein schwuler Schauspieler in einem ARD-Film zur Primetime den heterosexuellen Liebhaber gibt? Das geht in Deutschland wohl nicht. Felix führt das u. a. auf die mangelnde Fähigkeit vieler Zuschauer zurück, zwischen Rolle und Darsteller zu trennen: Klaus Wussow, dessen erfolgreichste Rolle der Chefarzt der „Schwarzwaldklinik“ war, wurde oft von Fans auf der Straße gebeten, deren Zipperlein zu kurieren. Diese Anekdote gab er zur Erheiterung oft in Talkshows zum Besten. Tatsächlich ist es traurig. (rud)

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Andreas Hammer (Foto: Jennifer Ressel)

„Klar kenne ich Kollegen, die ihre Homosexualität verschweigen, weil sie denken, sie könnte sich negativ auf ihre Karriere auswirken“, erzählt Andreas Hammer. „Für mich selber kann ich mir das nicht vorstellen. In einem Beruf, in dem man sich ständig emotional und physisch entblößt und bei jeder Vorstellung einen Teil von sich selbst weggibt, ist es widersinnig, hinter der Bühne einen Teil von sich selbst zu verbergen. Mir wäre das zu anstrengend.“

Plötzlich wollte man mir beibringen, wie ich männlich laufe.

Seit der 26-Jährige vor zwei Jahren seine Schauspielausbildung in Leipzig abschloss und festes Ensemblemitglied am Stadttheater Bremerhaven wurde, hat er weder Probleme mit seiner Homosexualität gehabt noch schwule Rollen gespielt. Nur eine Situation fällt ihn ein, in der Homosexualität und Job kollidierten: „Schon in der Ausbildung habe ich nie einen Hehl aus meinem Schwulsein gemacht. Einmal bekam eine Dozentin Wind davon. Plötzlich wollte sie mir beibringen, wie ich männlich laufe. Völlig abstrus. Ich komme vom Dorf. Von der Sozialisation her bin ich sicher heterosexueller als mancher Hetero-Kollege.“ (cl)

Hier geht’s zur Umfrage: Deutsche Schauspieler scheuen oft das Coming-out – habt Ihr dafür Verständnis?

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Foto: Dirk Hetzel

 

 


13 Kommentare

  1. Gejo Pohl

    Das ist doch Unfug. Udo Kier war einer der begehrtesten Leinwand-Lover der späten 60er und 70er Jahre (bis hin zur berühmten „Geschichte der O“), und seine private Neigung war von Anfang an kein Geheimnis.

  2. Metin Kojack

    Jim Parson ( Sheldon Cooper ) oder Barney von How I Met your Mother …sind auch schwul, und spielen Heterosexuelle….oder ist das hier nur auf Deutschland bezogen ?

  3. Andreas Winkler

    James Franco ist ein heterosexueller Schauspieler, der viele homosexuelle Rollen gespielt hat und das Thema Männlichkeit und Homophobie zu seinem Thema gemacht hat. Seine Rollen nimmt man ihm ab, weil er ein klasse Schauspieler ist. Darauf kommt es an, auf Können.

    Mit Eurem Beitrag steckt Ihr selbst Schwule in Schubladen. Ich war mit einem offen schwul lebenden Schauspieler zusammen. Bei der Rollenvergabe kommt es überhaupt nicht darauf an, sondern darauf, wie man sich beim Vorsprechen verkauft.

    Ich glaube schon, daß beurteilen zu können, denn ich kenne jede Menge schwule Schauspieler, die alle arbeitslos wären, wenn sie auf schwule Rollen angewiesen wären. Gerade Filmschaffende gehören zu den tolerantesten Menschen überhaupt, über sexuelle Orientierung wird überhaupt nicht geredet. Entweder die Rolle wird glaubhaft ausgefüllt oder ein anderer bekommt sie.


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