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„Prostitution wird es immer geben”

Das sagen Escorts zur Rentboy.com-Razzia

von Sebastian Lühn

Ein Aufruhr ging durch die LGBTI-Community, als die Büroräume des schwulen Escort-Portals rentboy.com Anfang letzter Woche durchsucht und seine Betreiber verhaftet verhaftet wurden. Der Vorwurf: Geldwäsche und Werbung für illegale Prostitution über Grenzen von Bundesstaaten und anderen Ländern hinaus, ein Bundesverbrechen. Neben hohen Geldstrafen drohen den Verantwortlichen der populären Seite bis zu 5 Jahre Haft.

Doch neben den Gründern und Geschäftsführern hinter den Kulissen zittern noch viele andere um mögliche juristische Folgen: die Escorts und ihre Klienten, deren private Daten nun an die Homeland Security weitergeleitet wurden. Deren Aufgabe ist der Schutz der amerikanischen Bevölkerung und Staatsgebiete vor terroristischen und anderen Bedrohungen. MÄNNER sprach mit drei amerikanischen Escorts über den Rentboy-Skandal.

Wie in so vielen Dingen sind die USA Lichtjahre hinter progressiveren Staaten wie Deutschland zurück.

Ein 27Jähriger aus Newark, der seine Dienste unter dem Namen APOLLOXXXL anbietet, zeigte sich erleichtert, dass er selbst kein Profil bei Rentboy hatte: „Tatsächlich wollte ich mir am Tag vor der Razzia ein Profil zulegen. Nun bin ich froh, dass ich der Regierung nicht noch mehr meiner privaten Daten preisgegeben habe.” Er sagt, dass er schon häufiger über Rentboy nachdachte, bisher aber auch mit günstigeren Alternativen erfolgreich war. Über die Illegalität in puncto Prostitution in den USA ist er entsetzt: „Wie in so vielen Dingen sind die USA hier Lichtjahre hinter progressiveren Staaten wie Deutschland zurück. Obwohl hierzulande so viele Menschen Prostitution in Anspruch nehmen, ist es immer noch ein Tabuthema.”

Er macht sich Sorgen um die potentiellen Schwierigkeiten, in die er und seine Kollegen in den USA geraten können, versucht aber optimistisch zu bleiben. „Nie hätte ich damit gerechnet einen schwarzen Präsidenten zu haben, dass Marihuana und die Home-Ehe legalisiert werden. Vielleicht werden die USA langsam zu einem liberalen Land. Vielleicht verbessert sich auch die Situation für Sexarbeiter hier. Aber ich bin ungeduldig. Ich lebte bereits vier Jahre in Deutschland, vielleicht gehe ich einfach eines Tages dahin zurück.”

Viele Escorts werden schlecht behandelt.

Auch KACOROT29cm, ein 39jähriger Escort aus Fort Lauderdale, der auch auf Rentboy annoncierte, hat schlechte Erfahrungen aufgrund der gesellschaftlichen Tabuisierung von Prostitution gemacht. Die Anfragen interessierter Klienten seien zahlreich, der respektvolle Umgang aber lasse häufig zu wünschen übrig. „Viele Escorts werden schlecht behandelt. Oft wird versucht, das überwiesene Geld für erbrachte Dienste von den Kreditkartenunternehmen zurückbuchen zu lassen.” Als schäme man sich im Nachhinein dafür, als wolle man sich wieder reinwaschen. Prostitution ist schlecht, damit habe ich nichts zu tun! Eine Kriminalisierung des Themas sei hier kontraproduktiv, da es das gesellschaftliche Image der Sexarbeit nur weiter verschlechtern würde.

Prostitution gab es immer, und es wird sie immer geben.

Frank (Name geändert), 31, ein Escort aus Texas, sieht ein viel weitläufigeres Problem in der Causa Rentboy. „Das ist ein komplett falsches Signal. Wenn wir so öffentlich als illegale Arbeitnehmer angeprangert werden, verstärkt es die Kriminalität lediglich – bei Escorts und auf Klientenseite, die Branche findet ihren Weg. Aber sicherer wäre mir lieber.” Frank möchte anonym bleiben. Er selbst war intensiv auf Rentboy unterwegs und macht sich nun Sorgen um etwaige juristische Konsequenzen. „Meine Daten liegen nun auf dem Schreibtisch irgendeines Beamten. Ich habe keine Ahnung, was er mit denen macht.” Fortan arbeitet er über Foren wie PlanetRomeo weiter als Escort, er lebt davon. Das Geschäft läuft gut. „Rentboy zu schließen ist kein Mittel, das Business einzudämmen. Prostitution gab es immer und wird es immer geben.”

Mehr zum Thema: Warum die Razzia mehr schadet als nützt

Titelfoto: KACOROT29cm/privat


1 Kommentar

  1. Jan Clemens Faerber

    „Der Vorwurf: Geldwäsche und Werbung für illegale Prostitution über Grenzen von Bundesstaaten und anderen Ländern hinaus, ein Bundesverbrechen.” … eher ein Vorwand


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