Rob James-Collier

Sexy und böse – der Butler Thomas

Die letzte Staffel "Downton Abbey" läuft

Preisgekrönt und starbesetzt ist das Historien-Drama „Downton Abbey“ zum Flaggschiff des europäischen Serien-Hypes geworden. Von Anfang an dabei in der englischen Saga über eine Aristokratenfamilie und ihr Personal: Rob James-Collier in der Rolle des schwulen Kammerdieners Thomas Barrow. MÄNNER sprach mit dem 38-Jährigen über Fernsehen als Kino-Ersatz und Homo-Küsse auf der Mattscheibe

Rob, von 2006 bis 2008 warst Du in der Stammbesetzung der britischen Seifenoper „Coronation Street“ und wurdest bei den British Soap Awards zweimal in Folge zum „Sexiest Male“ gekürt. Ein Image, das Du bald so satt hattest, dass du bei der Serie ausgestiegen bist. Dann kam „Downton Abbey“. Hättest Du gedacht, dass auch der zugeknöpfte Kammerdiener Thomas Barrow das Zeug zum Sexsymbol hat?

(lacht laut) Ich kann zumindest mit gutem Gewissen sagen, dass ich darüber nicht nachgedacht habe, als ich die Rolle bekam. Aber wieso nicht? Thomas sieht ja durchaus schick aus in seiner Dienstboten-Uniform. Wenn die Fans ihn als Sexsymbol sehen, finde ich das fantastisch.

Ich  halte mich fern vom Internet.

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Offenbar tun sie es. Es gibt diverse Online-Foren, die sich mit schwuler Fan-Fiction über das geheime Liebesleben des „Mister Barrow“ beschäftigen.

Tatsächlich? Ich muss zugeben, davon wusste ich nichts. Ich  halte mich fern vom Internet. Wenn man sich selber googelt, verstört es am Ende nur, was alles über einen geschrieben wird. Wo es viele Fans gibt, gibt es auch viel Häme. Aber vielleicht sollte sich unser Drehbuchautor Julian Fellowes mal in diesen Foren umgucken. Er könnte dort Inspirationen für eine unorthodoxe Liebesgeschichte für Thomas sammeln. Ich würde das begrüßen. Das Spannende an Thomas’ Charakter ist ja, dass er ein schwuler Mann ist, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebt – also zu einer Zeit, in der Homosexualität in England gesellschaftlich, kirchlich und gesetzlich geächtet war. Er wacht jeden Morgen in dem Bewusstsein auf, dass er nach seinem Tod in der Hölle schmoren wird, und dass er ins Gefängnis wandert, sobald er seine Sexualität auslebt. Aus dieser ausweglosen Situation resultiert seine Boshaftigkeit – und sie wäre sicher eine gute Folie für eine hochdramatische Liebesgeschichte.

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Immerhin gab es im Pilotfilm zur ersten Staffel einen Männerkuss zwischen Thomas und dem Herzog von Crowborough …

… der übrigens meine Idee war. Laut Drehbuch war er nicht vorgesehen, aber bei den Proben haben wir gemerkt, dass ein Kuss der Zeichnung der Figur zuträglich wäre. Als wir den Pilot dann in London auf der großen Leinwand des British Film Institute gezeigt haben, ging bei dem Kuss ein großes Raunen durchs Publikum. Niemand hatte ihn kommen sehen. Man steckte mitten in einem vermeintlich anderen Handlungsstrang und plötzlich rückte dieser Kuss viele Dinge in ein anderes Licht. Dramaturgisch eine wirklich gute Entscheidung.

Aber Skandalschlagzeilen wie zum Beispiel beim ersten schwulen Kuss in „Coronation Street“ im Jahr 2003 blieben aus, oder?

Das stimmt. Die britische Journaille hat das nicht skandalisiert. Ich werte das als gutes Zeichen. Offenbar sind wir über die Doppelmoral der 90er Jahre hinweg, als in „Brookside“ der erste lesbische Kuss im Vorabendprogramm zu einer Riesensache aufgeblasen wurde.

Mit welchen Serien bist Du aufgewachsen?

Eine Serie, die ich geliebt habe, und die in den achtziger Jahren wirklich Maßstäbe gesetzt hat, war die amerikanische Cop-Serie „Hill Street Blues“. Sehr düster, sehr kompromisslos. Das Comedy-Pendant dazu war „Cheers“. (singt) „Sometimes you wanna go, where everybody knows your name.“ Später kamen “The Simpsons” dazu. Ich bin ein großer Simpsons-Fan.

Und wie stehst Du zur These, dass TV-Serien das bessere Kino sind?

Da ist was dran. Nicht umsonst feiern immer mehr Leinwandstars in Serien Erfolge. Woody Harrelson, Matthew McConaughey, Al Pacino – sie alle gehen zum Fernsehen, weil dort die besten und mutigsten Drehbücher verfilmt werden. HBO hat in Amerika neue Standards gesetzt. „The Sopranos“ war revolutionär, das Gleiche gilt für „The Wire“, „Generation Kill“ und „The Killing“. Momentan gucke ich leidenschaftlich „Mad Men“. Ein fantastischer Stoff. In England versuchen wir mittlerweile, zu dieser Qualität aufzuschließen. „Downton“ ist dafür ein Beispiel. Es ist ja bezeichnend, dass wir mit Brian Percival einen Regisseur als Starthelfer hatten, der mit „Die Bücherdiebin“ bewiesen hat, dass er auch großes Kino kann.

Das vollständige Interview ist in MÄNNER 7.2014 erschienen. Mit dem ABO verpasst Du keine Ausgabe.

Foto: ITV


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