Michael Stokes James Ramsey – 173rd Airborne Infantry

Facebook sperrt Stokes – mal wieder

Zuckerberg entscheidet, was Kunst ist und was anstößig

Da hat die moderne Zensur in der westlichen – angeblich so toleranten, aufgeklärten und sexuell befreiten – Welt mal wieder voll zugeschlagen: Der US-Fotograf Michael Stokes wurde für 30 Tage von Facebook gesperrt, weil er Bilder gepostet hat, die angeblich gegen die „Standards der Gemeinschaft“ verstoßen. Konkret geht es um Fotos von Kriegsveteranen, die Teil von Stokes neuestem Kickstarter-Projekt „Always Loyal“ sind, das im November 2015 als Buch auf den Markt kommt.

Ein Sprecher von Facebook Deutschland sagte gegenüber MÄNNER, man habe „nichts gegen Homosexuelle“, Stokes habe vielleicht gegen FB-Richtlinien verstoßen, die „nichts mit dem Content“ zu tun haben. Der Fall wird jetzt geprüft. Oft seien solche Fälle „nicht so einfach, wie es erscheint“, so der Sprecher.

Stokes, der mehr als 700.000 Facebook-Follower hat und innerhalb von nur einer Woche das Geld für sein Kickstarter-Projekt zusammen hatte, zeigt auf seinen Bildern amerikanische Soldaten, die mit Verletzungen leben müssen, die ihnen im „Krieg gegen den Terror“ zugefügt wurden. Für viele dieser Männer ist es ein großer Schritt zurück ins Leben, ihren Körper trotz fehlender Gliedmaßen als „sexy“ zu präsentieren, wie das Michael Stokes mit seinen inszenierten Fotos möglich macht. Deswegen haben auch verschiedene Kriegsveteranenverbände dieses Buchprojekt großzügig unterstützt, das derzeit vom Bruno Gmünder Verlag gedruckt wird.

Cover des Buchs "Always Loyal" von Michael Stokes.

Cover des Buchs „Always Loyal“ von Michael Stokes.

Um seine vielen Facebook-Fans und Kickstarter-Sponsoren regelmäßig auf dem Laufenden zu halten, was die Entwicklung des Buchs und anderer Projekte angeht, hat der in Los Angeles lebende Stokes natürlich immer wieder Bilder aus dem Projekt hochgeladen. Und obwohl dort jeweils nur ein einzelner Mann als Akt zu sehen ist, niemals komplett nackt, war das Facebook zu viel – beziehungsweise es hat sich jemand beschwert und eines der Bilder als „unangemessen“ und „anstößig“ gemeldet. Das Resultat: Stokes ist auf Facebook (mal wieder) außer Gefecht gesetzt.

Schnauze voll von Facebook, seinen Regeln und diesen Trollen.

Der Fotograf Michael Stokes.

Der Fotograf Michael Stokes.

Bemerkenswerterweise ist daraufhin ein wahrer Sturm von Kommentaren losgebrochen, bei dem auffällt, dass es vor allem Frauen sind, die sich äußern und die offensichtlich der Hauptteil seiner Fans sind, trotz oder gerade wegen der homoerotischen Qualität der Bilder mit heterosexuellen Soldaten.

Donna Dawson schreibt auf Facebook: „Diese idiotischen Menschen machen mich krank. An diesen Bildern ist nichts anstößig. Sie sind toll. OMG, es treibt mich in den Wahnsinn! Ist da ein fetter Mann mit Glatze eifersüchtig geworden, oder was? Solche Männer können natürlich alles Mögliche posten, solange Frauen zu sehen sind ist das kein Problem! Wenn jemandem etwas nicht gefällt, soll er einfach weiterklicken und sich um seine eigenen Sachen kümmern. Diese Körper sind wunderschön. Mein Gott, bald wird man nicht mal mehr Fotos von seiner eigenen gottverdammten Großmutter posten dürfen, ohne dass jemand sich davon unangenehm berührt fühlt. Wer immer diese Menschen sind, die sich über alles aufregen müssen: Get a life! Und bleibt weg von Facebook, ihr Idioten!“

Nicole Cooper Bovard meint: „Schön, dass Facebook weiterhin seine Definition durchsetzen will, was anstößige Inhalte sind und was als Kunst zählt. Werde erwachsen, Facebook, und komm‘ endlich in der Gegenwart an. Bitte!“

Cheryl Nichols ergänzt: „Das ist Kunst und nicht Kim K’s ausufernder Körper oder Miley in Stofffetzen. Schämt euch, Facebook, und alle, die sich beschwert haben. Wenn Ihr diese Seite von Michael Stokes nicht mögt, bleibt einfach fern!“ Katianna Rose Juellyn klagt: „Das ist so falsch!!! […] Ich habe die Schnauze voll von Facebook, seinen Regeln und diesen Trollen.“

Eines der angeblich "anstößigen" Bilder von Michael Stokes.

Eines der angeblich „anstößigen“ Bilder von Michael Stokes.

Dem ist wohl kaum etwas hinzuzufügen. Außer der Kommentar von Allison Marie: „Ach ja, es ist okay IS-Videos zu posten, Tierquälerei zu zeigen oder Kinder, die sich gegenseitig die Köpfe einschlagen, aber geschmackvolle Bilder von Männern – noch dazu Kriegsveteranen – verstoßen gegen die Standards unserer Gemeinschaft??? Wann werdet ihr endlich alle aufwachsen und feststellen, dass Facebook eine Plattform für eine liberale Agenda ist!!!“

Neue Form der Prüderie

Ganz offensichtlich ist Facebook eben genau dies nicht, sondern stattdessen eine Website, die zusammen mit Apple der Welt seit Jahren eine neue Form von Prüderie und vorauseilender Selbstzensur aufgedrängt hat, gegen die man sich als Einzelperson kaum wehren kann und die im radikalen Widerspruch zu dem steht, was sonst im Internet mit einem Mausklick verfügbar ist. Ob Mark Zuckerberg sein eigenes Social-Media-Imperium mit solchem Verhalten letztlich noch an die Wand fährt, weil verärgerte User abspringen und anderswo miteinander kommunizieren werden? So illusorisch das momentan scheint, auch in Bezug auf die iStore-Politik, so wünschenswert wäre es, nach solchen Aktionen wie der gegen Michael Stokes, die nur eine von (zu) vielen ist.

Die Benachrichtigung von Facebook an Michael Stokes.

Die Benachrichtigung von Facebook an Michael Stokes.


15 Kommentare

  1. Volker Schupetta

    Jeder weiss das FB nichts kostet. Jeder weiss das speziell in den USA andere Masstäbe gelten als hier im ach so feinen und friedliebenden Deutschland. Alle wissen das es sehr schwer ist dem HATER Wahn ein Ende zu setzen! Aber ALLE meckern auf FB – namentlich Zuckerberg! Ja – liebe Leute und liebe Unternehmen: Dann kündigt doch Eure Mitgliedschaft! In einem „unsozialen“ Netzwerk. Mit mehr als 1 Milliiarde Usern weltweit wird es IMMER andere Meinungen geben! Speziell wenn es um Kirche – Sexualität oder Ethnik geht! Man kann eigentlich immer nur meckern – oder aber mal „laufen lassen“ !

  2. Horst Lukas Kieler

    Ich glaube, das hat nichts mit Prüderie zu tun, sondern eher mit „religiösen Gefühlen und Vorbehalte.“ Der Typ oben auf dem Bild sieht doch in Aufmachung undGestik stark nach Jesus aus und auf einem anderen Foto hängt ein Halbnackter wie gekreuzigt an zwei Seile gebunden.

  3. Michael Thomas Röblitz

    Flammenwerfer für Flüchtlingskinder? Das geht bei facebook schon mal in Ordnung und verstößt nicht gegen die „facebook-Richtlinien“, aber wenn versehrte US-Kriegsveteranen selbstbewusst und erotisch dargestellt werden, das geht garnicht. Facebook – Die Seite für den Hass in der Welt?

  4. Uwe Günzel

    welche Alternative gäbe es denn?
    ich wäre sofort mit meinem Austritt aus FB dabei!
    Google+, Twitter mehr kenn` ich nicht, leider 🙁


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