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Stacheldraht statt Solidarität

Wo ist Europa, wenn man es braucht?

Was ist nur mit Europa los? Ungarn will wegen der Flüchtlingskrise weiter Zäune bauen, nun an der Grenze zum EU-Mitglied Rumänien. Gestern erst hatte die rechtskonservative Regierung Orbán den Zaun zu Serbien dicht gemacht. Zuvor hatte die Bundesregierung Angst vor der eigenen Courage bekommen: An der Grenze zu Österreich wurden wieder Kontrollen eingeführt und der Bahnverkehr zwischen beiden Ländern vorübergehend eingestellt. Was für eine Kehrtwende! Nichts mehr von Merkels optimistischem „Wir schaffen das!“ Immerhin erklärte sie heute, für ihre Verhältnisse ungewohnt emotional, warum sie am 5. September beschlossen hatte, die Grenzen für Flüchtlings aus Ungarn zu öffnen: „Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.”

Gerade heute haben wir unser Oktoberheft fertiggestellt – Schwerpunktthema: Flüchtlinge Willkommen. Wir berichten von Aktivisten, Engagierten und von Schicksalen aus München, Dresden und Stockholm. Das Ergebnis: Die Gay Community kämpft im Streit um die Rechte von Asylsuchenden an vorderster Front mit. Flankiert durch die eindrucksvollen Illustration von Reinhard Kleist („Der Traum von Olympia“), suchen wir in MÄNNER Antworten auf drängende Fragen.

Die europäische Idee: eine Vision oder kann das weg?

Wir wissen nicht, ob es Europa noch gibt, wenn unser nächstes Heft erscheint. Wir meinen Europa, die Idee, nicht Europa, den Kontinent. Einigermaßen fassungslos reibt man sich die Augen, angesichts dessen, wie die Politik derzeit in kurzsichtigem Aktionismus auf den Ansturm der Flüchtlinge reagiert: Menschen, die vorm Krieg im allgemeinen oder vor den Gräueltaten der ISIS im besonderen fliehen – in regelmäßigen Abständen stößt die Terrorgruppe vor allem in Syrien schwule Männer von hohen Gebäuden in den Tod. Würden wir da nicht auch alles stehen und liegen lassen und abhauen? Dass all diese Menschen kommen, ist ebenso überraschend wie das Auftauchen des Christkindes Ende Dezember. Hektisch werden Außengrenzen mit Stacheldraht gesichert und Autobahnen gesperrt. Die EU-Länder schafften es auch heute nicht, sich auf eine faire Aufnahmequote zu einigen. Wie war das mit einer gemeinsamen Außenpolitik? Die europäische Idee: eine Vision oder kann das weg? „Der Kitt, der die EU zusammenhält, bröckelt“, sagte ARD-Korrespondent Rolf-Dieter Krause heute gegenüber tagesschau.de

Wir haben erlebt, dass sich arabischsprachige Übersetzer weigern, das Wort schwul auszusprechen, weil sie es für schmutzig erachten.

Wenn nationale Egoismen über die europäische Idee gestellt werden, ist es nur eine Frage der Zeit, dass auch LGBTI-Rechte wieder eingeschränkt werden – oder jedenfalls nicht weiter ausgebaut werden. Gerne mit dem Hinweis, es gebe wichtigere Probleme. Darum ist es schön zu sehen, dass überall in Europa Menschen helfen: mal mit Geld, mal mit tatkräftiger Hilfe. Danke an alle, die sich derzeit für Flüchtlinge einsetzen und ihnen das Gefühl geben, dass sie willkommen sind!

Nicht alle möchten über ihr Engagement sprechen, und nicht immer ist Hilfe einfach: Beim CSD-Verein Magdeburg macht man sich für das Verteilen von mehrsprachigen Handzetteln stark mit Informationen darüber, an wen sich Betroffene wenden können. Allerdings müsse der Kontakt diskret erfolgen, berichtete kürzlich die Volksstimme. „Wir haben erlebt, dass sich arabischsprachige Übersetzer weigern, das Wort schwul auszusprechen, weil sie es für schmutzig erachten“, berichtet Mathias Fangohr, Vorstand des Vereins CSD Magdeburg. Hilfe für queere Flüchtlinge ist oft Einzelfallhilfe, aber das allein reicht nicht, schließt der Autor der Artikels. Aufklärung und Informationen, das Werben für ein gleichberechtigtes Miteinander in allen Teilen der Gesellschaft seien jetzt wichtig.

Foto: Shutterstock

 


14 Kommentare

  1. Redaktionsbüro Robert Niedermeier

    Ein homophiler Hassblogger und katholischer Theologe verhöhnt Flüchtlingshelfer und “Gutmenschen” im Stile der sogenannten “Asylkritiker”, eine LSVD-Funktionärin verbreitet die Nazi-Mär vom “ISIS-Anhänger” im Flüchtlingsheim, der homosexuelle CDU-Rechtsaußenpolitiker Jens Spahn schürt die Angst vor “importierter Homophobie”, die durch Flüchtlinge aus Syrien drohe… Durchdrungen von einer gezielten Vorurteilsbereitschaft gegen und vom schieren Hass auf Muslime, ergehen sich auch unbekannte Homosexuelle in fremdenfeindlichen Ergüssen, beschönigen und leugnen rechte Gewalt gegen muslimische Kriegsflüchtlinge und lästern in den mehr und mehr asozialen “Sozialen Medien” über angeblich schwulenfeindliche “Kanaken”, die unsere Freiheit bedrohten. Dabei sind sie es selbst, die unsere bunte, multikulturelle Republik mit ihren dumpfen Parolen und armseligen Hass beschädigen.

    – See more at: http://reiserobby.de/refugees-welcome-oeffnet-die-herzen-und-die-grenzen/#sthash.zfSnZhIM.dpuf

  2. facebook_robert.niedermeier.35

    @Remo: >Ein homophiler Hassblogger und katholischer Theologe verhöhnt Flüchtlingshelfer und “Gutmenschen” im Stile der sogenannten “Asylkritiker”, eine LSVD-Funktionärin verbreitet die Nazi-Mär vom “ISIS-Anhänger” im Flüchtlingsheim, der homosexuelle CDU-Rechtsaußenpolitiker Jens Spahn schürt die Angst vor “importierter Homophobie”, die durch Flüchtlinge aus Syrien drohe… Durchdrungen von einer gezielten Vorurteilsbereitschaft gegen und vom schieren Hass auf Muslime, ergehen sich auch unbekannte Homosexuelle in fremdenfeindlichen Ergüssen, beschönigen und leugnen rechte Gewalt gegen muslimische Kriegsflüchtlinge und lästern in den mehr und mehr asozialen “Sozialen Medien” über angeblich schwulenfeindliche “Kanaken”, die unsere Freiheit bedrohten. Dabei sind sie es selbst, die unsere bunte, multikulturelle Republik mit ihren dumpfen Parolen und armseligen Hass beschädigen.<

    – See more at: http://reiserobby.de/refugees-welcome-oeffnet-die-herzen-und-die-grenzen/#sthash.zfSnZhIM.dpuf

  3. Thomas Fröhling

    Aber wenn die übersetzter das Wort „Schwul” nicht übersetzten wollen, weil diese es für „Schmutzig” halten, ist dann da nicht auch was falsch am System Europa? Man kann ja darf da sogar keine Rücksicht drauf nehmen, wir haben hier eine offene Gesellschaft und es ist sicherlich falsch wegen jedem Aslybewerber das „Versteckspiel” wieder neu zu erfinden…

  4. Thomas Fröhling

    Davon abgesehen, sollte es soweit kommen muss man als Schwuler ja überlegen wo man politisches Asyl beantragen kann weil man ja damit rechnen muss nicht mehr von den Asylanten in Deutschland akzeptiert zu werden. Mir reicht es schon, dass man sich gegen die „verpeilten” und ewig gestrigen aus den „eigenen Reihen” immer wieder aufbäumen muss…

  5. Redaktionsbüro Robert Niedermeier

    Selbst deutsch-deutsche Homophile finden noch heute das Wort „schwul” schmutzig, Zum Glück nur wenige, wichtig ist es, Willkommenskultur mit Aufklärung zu verbinden. Die Leute, auch heterosexuelle, flüchten in demokratische Länder, weil sie demokratisch sind. Davon auszugehen, dass die alle homophob sein wollen, ist nicht konstruktiv.

  6. Redaktionsbüro Robert Niedermeier

    Wichtig ist es, Willkommenskultur mit Aufklärung zu verbinden. Die Leute, auch heterosexuelle, flüchten in demokratische Länder, weil sie demokratisch sind. Davon auszugehen, dass die alle homophob sein wollen, ist nicht konstruktiv. „Moralischer Imperialismus”, wo ist der Spruch her, Elsässer?

  7. Florian Drasky

    Ich muss ehrlich gesagt auch so langsam sagen, dass mir hier das Verständis fehlt, wenn ich höre, dass vielen Flüchtlingen, die vor Mord und Totschlag fliehen, ein Land wie Österreich nicht gut genug ist und sie auf jeden Fall nach Deutschland wollen. Da kommt einem allmählich schon die Frage auf: Warum ist das so??? Sind es vielleicht doch die finanziellen Anreize, die denen vorgetäuscht werden? Warum reicht denen Sicherheit in der EU nicht? Ein Land wie Detuschland kann nicht alle Flüchtlinge der Welt aufnehmen. So naiv kann man doch nicht denken. Die Bilder, die ich sehe, lassen mich auch nicht in Ruhe. Aber irgendwann ist das Limit erreicht und da kann man nur die Grenzen dicht machen. Eine Verteilung wird da eh nichts bringen, weil alle wieder versuchen werden, nach Deutschland zu kommen. Und wenn man mitbekommt, wie sie in den Lagern mit Stangen und Stühlen aufeinander losgehen, muss man sich die Frage erlauben, warum es bei einer so aggresiven Gruneinstellungen zu den Kriegen gekommen ist. Und das schwule Flüchtlinge aus den Lagen flüchten müssen, spricht auch irgendwie für sich…

  8. Lars Svenson

    Wir können nicht alle Verfolgten aufnehmen. Die Grenzen müssen wieder geschlossen werden. Auch gerade deshalb, weil streng konservative Menschen ins Land kommen, die uns Schwulen das Leben schwer machen werden. Fragt doch mal die muslimischen Flüchtlinge, was sie von Homosexuellen halten!!
    Männer Magazin berichtet sehr einseitig

  9. Lars Svenson

    Euer Beispielbild soll Mitleid erwecken, ein Kind unfasst einen Stacheldraht. Das soll Emotionen und Mitleid erwecken. Aber leider ist es absolut deplatziert. Es ging doch um schwule Männer aus dem Irak und Syrien…

  10. Kriss Rudolph

    Lieber Lars, findest Du, dass Kinder weniger das Recht haben, vor Krieg und Verfolgung zu fliehen als Schwule? Und nein – es geht im Text nicht nur um Männer aus dem Irak und Syrien. Aber Du hast vollkommen recht: Wir können nicht alle Verfolgten aufnehmen. Das hat aber auch niemand gesagt, und es steht auch so nicht im Artikel.


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