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Vatikan soll Farbe bekennen!

Weltbischofssynode diskutiert u.a. über künftigen Umgang mit LGBTI

Am Wochenende beginnt in Rom die Weltbischofssynode – drei Wochen lang diskutieren rund 300 Bischöfe und weitere vom Papst ernannte Experten darüber, wie die katholische Kirche künftig zum Thema Ehe und Familie steht. Titel: „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“. Im Klartext heißt das: Wie geht die Kirche künftig mit schwulen und lesbischen Paaren um, aber auch mit wiederverheirateten Geschiedenen oder Langzeitpaaren, die in „wilder Ehe“ leben – nach bisheriger Lehre alles Sünder.

Die Frage ist, wer sich auf der Synode durchsetzt: Reformer oder Traditionalisten? Auf welchen Kompromiss können sie sich einigen? Einige Teilnehmer sollen schon mit der Spaltung der Kirche gedroht haben, für den Fall, dass die jeweilige Gegenseite sich durchsetzt. Die Hoffnungen sind gedämpft. Wir erinnern uns an die Synode im Herbst 2014, als aus dem Schlusspapier der Familiensynode des Vatikans alle freundlichen Worte über Homosexuelle komplett gestrichen wurden.

Der Papst sollte am Ende der Synode nicht dasselbe zu Ehe und Familie sagen, was wir als katholische Kirche immer gesagt haben.

Der Bischof von Osnabrück Franz-Josef Bode gehört zu den Reformern und nimmt als einer von drei deutschen Bischöfen an der Synode teil. „Nach den bisherigen Äußerungen von Papst Franziskus erwarte ich, dass er am Ende der Synode nicht dasselbe zu Ehe und Familie sagen wird, was wir als katholische Kirche immer gesagt haben“, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Nötig sei es auch, homosexuelle Partnerschaften ernst zu nehmen, auch wenn ihre Lebenssituation nicht der Lehre der katholischen Kirche entspreche, denn: „Sie leben häufig eine Menge von Werten wie Treue, Verlässlichkeit und Liebe“, so Bode. „Wenn ich die Partnerschaft aber von vornherein als schwere Sünde abtue, komme ich gar nicht mehr in einen Dialog.“

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Bischof Bode (Foto: kathopost.files.wordpress.com)

Ähnlich äußerten sich auch Manuela Sabozin vom Netzwerk katholischer Lesben (NkaL) und Markus Gutfleisch von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK): „Farbe bekennen, so muss das Motto für die internationale Diskussion jetzt heißen. Denn die katholische Kirche hat viel Vertrauen verloren. Diejenigen, die in dieser Kirche etwas verändern wollen, müssen theologisch erklären, warum das notwendig ist. Wir erwarten von der Synode und von Papst Franziskus klare Worte gegen die Ausgrenzung von Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans*-Menschen (LGBTI). Wenn ein Ruck durch die Kirche gehen soll, mit dem sie glaubwürdiger wird, muss Schluss sein mit dem Gerede von homosexuellen Tendenzen. Es geht um Liebe.“

Der aktuelle Vorbereitungstext schafft keinerlei positiven Blick auf lesbische und schwule Partnerschaften.

Sabozin und Gutfleisch kritisierten, dass in einem Vorbereitungsdokument von „Personen mit homosexuellen Tendenzen“ die Rede sei. „Diese abstrakte Formulierung vernebelt, dass Lesben und Schwule ganz normal zur Kirche gehören. Das Dokument behauptet, auf die Kirche werde Druck in Sachen Einführung der Homo-Ehe ausgeübt, damit Entwicklungshilfe in bestimmte Länder fließt. Konkrete Belege dafür gibt es nicht. Der aktuelle Vorbereitungstext schafft keinerlei positiven Blick auf lesbische und schwule Partnerschaften, sondern bleibt in Abgrenzungen stecken.“

Kirche darf LGBTI und ihre Lebensweise nicht bekämpfen

Leider seien Schwule, Lesben, Bisexuelle und Trans*-Menschen an der Synode in Rom nicht beteiligt. „Dabei wäre es dringender als je zuvor, dass die Synodenbischöfe den Dialog mit ihnen und ihren Familien führen. In vielen Ländern sind Homosexualität und Transsexualität strafbar; LSBT sind Opfer von Gewaltverbrechen. Die Synode muss Position für die weltweiten Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*-Menschen beziehen. Nicht aus Barmherzigkeit, sondern mit der Bereitschaft zu echter kirchlicher Umkehr. Eine Kirche, die gegen Armut und Ungerechtigkeit eintritt, darf nicht LSBT und ihre Lebensweise bekämpfen.“

Titelbild: Shutterstock


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