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Was sagen die Kinder dazu?

Kinder aus Regenbogenfamilien berichten

2005 erschien das erste deutschsprachige Buch über Söhne und Töchter schwuler, lesbischer und trans* Eltern: Wachsen sie in Regenbogenfamilien grundsätzlich anders auf als in konventionellen Familien? Jetzt haben die beiden Autorinnen alle Protagonisten noch mal besucht und gefragt:  Hat sich die Perspektive nach 10 Jahren verändert?

„Wir haben nicht unbedingt erwartet, dass es jetzt bestimmt alle gut finden“, sagt Uli Streib-Brzič, Soziologin und selbst lesbische Mutter einer Tochter. „Wir waren neugierig auf die Misstöne, auf das, was die Kinder vielleicht schwierig fanden.“ Im Nachhinein haben aber fast alle im Hinblick auf schwierige Zeiten gesagt: „Es hat mich gestärkt.“ Oder: „Ich finde es bereichernd, verschiedene Lebensweisen kennengelernt zu haben und besitze dadurch eine größere Offenheit für andere.“

uGeorg. Foto 1 Susanne Schwarz, 2004  Foto 2 Privat, 2014

Georg (Foto: privat)

Studien zeigen: Hetero-Väter haben noch eher diese Geschlechterrollen im Kopf. Sie neigen dazu, mehr zu reglementieren, gleichzeitig sind sie aber nicht so oft verfügbar.

Das zeigt sich auch an Geschichten wie der von Georg (27), der mit einer Frau zusammen ist. Er schließt aber nicht aus, dass er sich mal in einen Mann verliebt. „Das haben wirklich viele gesagt“, so Streib-Brzič. In den Berichten der inzwischen fast durchweg erwachsenen Interviewpartner lässt sich noch ein positiver Aspekt erkennen: Wenn sie sich mit Kindern aus konventionell-heterosexuellen Familien verglichen, war für sie immer eins klar: Das eigene Modell war ihnen lieber. „Es wird mehr gesprochen, nicht so viel verboten. Die Väter der anderen Familien kommen oft nicht so gut weg, weil sie strenger waren“, so die Autorin. „Studien zeigen: Hetero-Väter haben noch eher diese Geschlechterrollen im Kopf. Sie neigen dazu, mehr zu reglementieren, gleichzeitig sind sie aber nicht so oft verfügbar.“
Es stimmt schon: Oft hatten die Kinder in der Pubertät Schwierigkeiten mit sich und den Eltern (wer hat das in der Pubertät nicht?), zuweilen auch mit der Tatsache, dass sie schwul oder lesbisch sind.
„Für viele war es in der Grundschule kein Problem – in der Pubertät schon. Da haben sie von ihren Eltern vielleicht nur noch auf Nachfrage erzählt.“ Denn als Heranwachsender stellt man sich eher die Frage: Wie verhalte ich mich gegenüber der Peer Group, in die ich gehören möchte?

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Uli Streib-Brzič: Autorin und Mutter

Unerträgliches Mobbing
Die ungewöhnlichste Geschichte erzählt vielleicht Jane (23), eine junge Frau aus Neubrandenburg, die im Interview für das Nachfolgebuch gesagt hat: „Diesmal male ich nicht nochmal die Sonne rosa.“ Im ersten Buch war sie eher bemüht, ihre Familiensituation positiver darzustellen, als sie sie empfunden hat.
Jane und ihre Schwester Ariane wurden in einer Heterobeziehung geboren. Doch die Eltern trennten sich, weil die Mutter sich in eine Frau verliebte. In der Schule wurde Jane gemobbt, weil sie nun mit zwei Müttern aufwuchs. „Was ich mir da anhören musste, war für mich als Kind einfach unerträglich“, erzählt sie. Dazu kam, dass sich die Eltern nicht einigen konnten, wie der Kontakt der Mädchen zum Vater geregelt wird. Jane wurde immer frustrierter und zorniger.

Aus Enttäuschung mit Rechtsradikalen verbündet

Nach einem Streit mit der Mutter sucht sich Jane Verbündete. „Ich habe mir dann Leute gesucht, die auch was gegen Homosexuelle haben. Und das sind nun mal Rechtsradikale. Denen habe ich mich zugewandt.“ Sie musste beweisen, dass sie zuschlagen kann. Mit Erfolg. Es folgten Anzeigen bei der Polizei. Jane zog in eine betreute Jugend-WG, in der sie zur Ruhe kam – soweit der Schnelldurchlauf. Heute sagt sie: „Ich hab nichts gegen Homosexuelle, aber ich glaube, es ist nicht der richtige familiäre Ort für ein Kind.“
Es ist gut, dass diese Geschichte im Buch vorkommt. Sie zeigt, dass auch in Regenbogenfamilien nicht immer alles glatt läuft.

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„Und was sagen die Kinder dazu? Zehn Jahre
später!“

Uli Streib-Brzič, Stephanie Gerlach
Mit einem Vorwort von Patrick Lindner
360 Seiten, Querverlag, 19,90 EUR


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