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Wird Wucherpreis für HIV-Pille gesenkt?

Der "meistgehasste Mann Amerikas" lenkt ein

Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man von Preiserhöhungen um 5500 % liest. Wenn es dann noch um ein lebensnotwendiges Medikament handelt, Daraprim nämlich, versteht man die Welt nicht mehr. Das seit über 60 Jahren erhältliche Medikament hilft gegen Toxoplasmose – eine Infektionskrankheit, die sich durch grippeähnliche Beschwerden wie leichtes Fieber und Abgeschlagenheit äußert; wer ein intaktes Immunsystem hat, ist in der Regel nicht gefährdet. Wer aber beispielsweise an AIDS leidet, für den ist das Medikament lebensnotwendig. Zumal es derzeit in den USA keine brauchbare Alternative gibt. Wer so ein Medikament über Nacht unbezahlbar macht, ist ganz offensichtlich selber krank – krankhaft gierig.

Es ist Zeit, die völlig aus dem Ruder gelaufenen Kosten in den Griff zu bekommen.

Das amerikanische Start-up-Unterehmen Turing Pharmaceuticals hatte kürzlich die Rechte an Daraprim erworben und den Preis auf jetzt 750 Dollar – und zwar pro Tablette – angehoben: eine Steigerng um das 55-fache. Der CEO Martin Shkreli wurde in den Medien schnell „zum meist gehassten Mann“.

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton kündigte prompt an, sie wolle im Falle ihres Wahlsiegs im kommenden Jahr die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente bei 250 Dollar im Monat deckeln. „Es ist Zeit, die völlig aus dem Ruder gelaufenen Kosten in den Griff zu bekommen.“

Das Antibiotikum Doxocycline wurde einst gar um 9100 Prozent teurer.

Auf dem Wissenschaftsblog Scienceblog ist nachzulesen, dass drastische Steigerungen bei Medikamenten immer wieder vorkommen: Der Preis für das Tuberkulose-Präparat Cycloserine stieg nach der Übernahme durch die Pharmafirma Rodelis auf das 21-fache, das Antibiotikum Doxocycline wurde einst gar um 9100 Prozent teuer. Auch Daraprim selbst, als die Rechte von der Firma CorePharma aufgekauft wurden, verteuerte sich 2010 schon einmal in relativ kurzer Zeit kräftig, von 1 Dollar auf 13,50 Dollar.

(Foto: a katz / Shutterstock.com)

(Foto: a katz / Shutterstock.com)

Auch Donald Trump, der  derzeit aussichtsreichste Präsidentschaftsbewerber der Republikaner, der seine Kritiker gerne als Vollidioten beschimpft und den wir in der Regel nie zitieren würden, nannte Shkreli ein „verzogenes Gör“, das „sich schämen“ sollte, weil es etwas „Widerliches“ getan habe. In einer Medienoffensive hatte Shkreli versucht, seine Preiserhöhung als großartige Sache für die Gesellschaft zu verkaufen.

Mittlerweile ist der Druck der Öffentlichkeit bei Shrkeli angekommen, sogar seinen Twitter-Account hat er vorsorglich erstmal gesperrt. Der 32-jährige ehemalige Hedgefonds-Manager erklärte, den Preis senken zu wollen. Wie stark, verriet er nicht. Nur so viel: Wir senken den Preis „auf ein erschwinglicheres Niveau, das es dem Unternehmen erlaubt, noch Gewinn zu machen – wenn auch einen sehr kleinen Gewinn.“

Titelbild: Shutterstock


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