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Raus aus dem Schrank!

Zum internationalen Coming-out-Tag: Wie war

Am 11. Oktober ist der internationale Coming-out-Tag. Wir haben Männer gefragt, die den Schrank verlassen haben: Alles halb so wild oder großes Drama?

Dominik (28, Erzieher aus Hamburg)

„Mein Coming-out hatte ich auf dem Land. Ich hatte das Glück, dass ich mich über das Internet informieren und mit anderen Jungen austauschen konnte. Meine Mutter weinte anfangs, weil sie glaubte, sie hätte in der Erziehung etwas falsch gemacht. Mein Vater sagte mir lange nach, ich würde eine Phase durchleben. Als ich ihn fragte, ob er das wüsste, weil er diese Phase auch erlebt hat, kam die Unterstellung nicht mehr von ihm. Meine Großeltern haben am entspanntesten reagiert und dieses Thema einfach nicht ständig in den Mittelpunkt gedrängt.“

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Patrick  (25, Merchandiser aus München)

„Bei mir war das relativ einfach. Ich bin zwar auf dem Land aufgewachsen, um uns nur fünf Häuser, aber mein Onkel war schwul. Es war nie ein Problem. Richtig geoutet habe ich mich nicht, weil es für mich ganz normal war, Männer toll zu finden und nicht Frauen. In der Schule war es auch überhaupt kein Thema. Sogar die ‚Gangstaz‘ der Schule fanden mich toll und haben mich zum Spaß immer umarmt.“

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Nils (22, Musikstudent und Youtuber aus Leipzig)

„Es war eigentlich ganz positiv, dabei hatte ich unglaublich Angst davor, dass sich alle von mir abwenden. Meiner besten Freundin sagte ich damals, dass ich mit ihr reden muss, wenn ich aus dem Urlaub zurück bin. Sie bestand darauf, dass ich es ihr sofort sagte und meinte danach nur sehr erleichtert: ‚Puh, ich dachte schon, du wärst in mich verliebt.‘ Nur mein Vater meldete sich drei Monate nicht mehr bei mir, bis ich ihn zufällig traf und zur Rede stellte. Ich brach sein Schweigen, brachte ihn zum Weinen und machte mit ihm den Deal, dass ich ihm alles erzählen werde, was er wissen möchte, um sich weniger Sorgen zu machen. So sind wir verblieben und heute kommt er gut damit klar.“

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Kosta (37, Reiseberater aus Zürich)

„Mein Coming-out lief erstaunlich unkompliziert. Ich dachte immer, meine Mutter würde es zuerst erfahren, aber dann war es mein konservativer Vater, der ihr zuvorkam. Ich hatte erwartet, dass er mich zum Teufel jagt, stattdessen nahm er es locker. Meine Mutter erfuhr von meinem Schwulsein per Zufall und setzte eins oben drauf, indem sie meinen damaligen Freund sofort persönlich zum Essen einlud.“

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Simon (33, Filmemacher aus London)

„Ich wollte mich ganz lässig outen und keine große Sache draus machen, also erzählte ich es jemandem auf einer Halloween-Party, den ich gar nicht wirklich kannte. Nach und nach kam die Nachricht bei meinen Freunden an. Die kamen dann auf mich zu und umarmten mich – ein Geist, ein Vampir und Edward mit den Scherenhänden. Ich war so betrunken, dass ich mich gar nicht mehr an so viel erinnere. Aber es war ziemlich surreal und einfach toll.“

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Jannis (40, Autor und Kulturaktivist aus Frankfurt)

„Meine Eltern sind gläubige Christen, griechisch orthodox, und ihre Äußerungen bezüglich anderer Sexualitäten waren schon eindeutig. Als mein erster Freund bei uns übernachtet hat, schaute mich meine Mutter am nächsten Morgen bitterböse an – später war sie sein größter Fan: Er bekochte sie. Bei meinen Geschwistern war es erst recht easy, die hatten mich schon Jahre vor ihm immer mit folgender Floskel zu sich eingeladen: ‚Du kannst jemanden mitbringen, eine Freundin oder einen Freund.‘ Und meine Freunde sagten noch Jahre später: ‚Du bist doch ein Idiot! Wir wussten doch alle, dass du schwul bist. Warum hast du dich immer so geziert?‘“

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Mehr  Coming-out-Geschichten stehen in MÄNNER 10.2015

Der Verein COMING OUT DAY unterstützt lesbische und schwule Jugendprojekte und sorgt dafür, dass lesbische Mädchen und schwule Jungen einen gleichberechtigten Start in Ihr Leben bekommen. Zu den prominenten Botschaftern gehören Thomas Hermanns und Maren Kroymann.

Jetzt seid Ihr dran: Wie habt Ihr Euer Coming-out erlebt?

Titelfoto: Jaromir Chalabala/shutterstock.com, Fotos: Privat 


1 Kommentar

  1. Addi Dion

    Mich wundert es bei diesem Beitrag nur Beispiele dargestellt werden die positive Reaktionen ausgelöst haben. Gab es denn keine negativen Beiträge?


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