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Die Brent-Corrigan-Story in Hollywood

Disney, Bareback und ein brutaler Mord: neuer Film von James Franco über eine kontroverse Pornolegende

Ja, klar: Inzwischen werden die meisten mitbekommen haben, dass James Franco mal wieder mit einem schwulen Filmprojekt beschäftigt ist, weil das ja für Heteroschauspieler-in-Hollywood so besonders cool ist. Diesmal geht es um den Bareback-Filmproduzenten Bryan Kocis, Besitzer der Pornofirma Cobra Video. Dessen claim to fame ist, dass er 2004 Sean Lockhart unter dem Künstlernamen Brent Corrigan bekannt gemacht und zu einem Star aufgebaut hat mit kondomlosen Filmen wie „Every Poolboy’s Dream“, „Schoolboy Crush“ und „Bareboned Twinks“. Daraus entwickelte sich nach 2005 ein Rechtsstreit, als Corrigan via Anwalt mitteilte, dass er in diesen Filmen minderjährig gewesen sei. 2007 wurde der 44-jährige Kocis dann tot aufgefunden – brutal ermordet von zwei anderen Pornodarstellern, Harlow Cuadra und Joseph Kerekes. Die hatten versucht, Corrigan abzuwerben, der hatte jedoch einen Exklusivvertrag mit Cobra. Kocis musste also sterben, um Corrigan aus dem Vertrag rauszubekommen. D.h. es wird ein Thriller über minderjährige Twinks, ungeschützten Sex vor der Kamera, kriminelle Machenschaften in der Pornoindustrie, Ausbeutung, Konkurrenz und einen schockierenden Mord: Kocis‘ Körper wies 28 Messerstiche auf, außerdem war sein Hals fast vollständig durchgetrennt, danach hatten die Killer sein Haus angezündet. Die Behörden konnten Kocis nur anhand seiner Zähne identifizieren. Die beiden Mörder, Cuadra und  Kerekes, wurden beide zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Rolle von Kocis wird im neuen Film „King Cobra“ von Christian Slater gespielt. James Franco selbst sowie Molly Ringwald und Keegan Allen übernehmen weitere Hauptrollen.

Disney-Star Garrett Clayton am Set von "King Cobra". (Foto: Instagram/garrettclayton1)

Disney-Star Garrett Clayton am Set von „King Cobra”. (Foto: Instagram/garrettclayton1)

Die Frage war allerdings: Wer wird Brent Corrigan darstellen? Und was sagt Corrigan selbst zu dem Projekt? Da war zuerst die Überraschung, dass Franco als Produzent den ehemaligen Disney-Bubi Garrett Clayton („Teen Beach Movie“) zum jungen Pornogott erhoben hat. Ob der damit sein Image interessanter machen will? Jedenfalls postete Clayton erst ein Selfie von sich im Fitnessstudio, wo er sich den richtigen Pornobody antrainierte; dann folgte ein Schnappschuss am Set in Corrigan Pose-und-Outfit. Die Ähnlichkeit ist in der Tat verblüffend, obwohl eingeschworene Corrigan-Fans gleich in diversen Kommentarspalten erklärten, dass neben dem Körper das „supersüße Loch“ und der „7,5 Inch Schwanz“ Erfolgsdimensionen seien, die Clayton fehlten – oder zumindest nicht erkennbar sind auf den für PR-Zwecke zugängigen Bildern.

Mit seiner eigenen Geschichte und Person konfrontiert, meldete sich Corrigan ebenfalls zu Wort. Auf seiner Facebook-Seite schreibt er: „Im Internet schwirren Neuigkeiten rum zu einem Film, der gerade in New York gedreht wird, ein Film, der den Mord an Bryan Kocis nachzeichnet und von den frühen Tagen meiner Pornokarriere erzählt. Man hat mich ursprünglich angesprochen, ob ich in diesem Film selbst mitmachen möchte, als Berater und Schauspieler. Man bot mir eine kleine Rolle an, die ich aber abgelehnt habe. Ich möchte lieber meinen eignen Plan weiterverfolgen und endlich mein Buch veröffentlichen über die Ereignisse, die ich selbst durchlebt habe. Es wird ein spannendes kommendes Jahr!

Obwohl so viel Zeit verstrichen ist seither, sind die Erinnerungen an damals für mich noch sehr wirklich [real] und schmerzlich [raw]. Ich freue mich darauf, endlich selbst meine Geschichte erzählen zu können, den Anfang, die Mitte und das Ende – absolut ehrlich!“

Brent Corrigan heute, als Sean Lockhart mit Brille (Foto: Facebook)

Brent Corrigan heute, als Sean Lockhart mit Brille (Foto: Facebook)

Als ihn ein Follower fragte, wieso er sich denn nicht selbst spiele, antwortete Corrigan via Twitter: „Ich habe kein Interesse mich selbst zu spielen, egal in welchem Film, weil ich jeden Tag ich selbst bin.“ Und: Seine Fans würden verstehen, warum er bei dem Franco-Projekt nicht mitmachen wollte, wenn sie den Film sehen. Offensichtlich kennt Corrigan das Drehbuch bereits.

Was Franco aus der Geschichte machen wird, bleibt abzuwarten. Ob es Facebook-untaugliche Nacktheit im Film geben wird ebenfalls. Ob kritische Fragen zur schwulen Pornobranche gestellt – und beantwortet – werden, bleibt sowieso spannend. Um den Buzz noch mehr anzuheizen, hat Franco selbst zum Drehbeginn diese Woche ein Foto hochgeladen, wo man ihn und Co-Star Keegan Allen („Pretty Little Liars“) in Nasty-Pig-Unterhosen sehen kann – der perfekten Retro-Pornokostümierung aus den mittleren 2000er Jahren sozusagen.

James Franco (r,) mit Keegan Allen am Set von "King Corba". (Foto: Instagram/jamesfrancotv)

James Franco (r,) mit Keegan Allen am Set von „King Corba”. (Foto: Instagram/jamesfrancotv)

Sieht fast aus wie ich mit 17

Wie echte Pornostars posieren, daran erinnerte allerdings Corrigan selbst, als er unter Claytons Disney-artigem Porno-Post schreib: „Sieht fast aus wie ich mit 17.“ Dann folgte ein dahin gestrecktes Nacktfoto mit schön drapiertem 7,5-Inch-Schwanz. Nur zur Info: Corrigan hat seinen Look inzwischen stark verändert und ist nach diversen Ausflügen ins Independent-Filmbusiness zum Porno zurückgekehrt, mit mehr Muskeln und einem angenehm gereiften Äußeren. Denn wie schon Bertolt Brecht so schön sagte: „Schließlich kann man nicht immer 17 bleiben!“

So oder so kann man davon ausgehen, dass sich Corrigans Buch bestens verkaufen wird, wenn es zeitgleich zum Film rauskommt. Der hat bislang noch keinen Starttermin für 2016.

Titelbild: Brent Corrigan fotografiert von Stuart Sandford 2014, im Garten der Tom of Finland Foundation. (Aus der Ausstellung „Porn That Way” im Schwulen Museum*/StuartSandford.co.uk)


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