Doku mit Sprengstoff

Brasilianischer Film "Heilige Liebe" zeigt Sexabenteuer von Geistlichen

Dass der polnische Vatikan-Mitarbeiter Krzysztof Charamsa, der sich vor Beginn der Bischofssynode Anfang Oktober outete und seiner Kirche Rückständigkeit vorwarf, ein Einzelfall ist – ein verächtlicher noch dazu –, das möchte die Kirche die Allgemeinheit gerne glauben machen. Dabei wird von Theologen immer wieder bestätigt, dass es unter Geistlichen der katholischen wie der anglikanischen und evangelischen Kirche viele Schwule gibt. Es kursieren Schätzungen von 50 % aufwärts. Mitglieder des Vatikan sollen sogar eigens Apartments unterhalten, um dort Orgien zu feiern. Dass sie für einsamere Sexabenteuer teilweise auch Sakristeien des Vatikan nutzen, zeigt ein brasilianischer Dokumentarfilm mit dem Titel „Heilige Liebe“ („Amores Santos“).

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Screenshot AMORES SANTOS

500 Stunden Material hat der Dokumentarfilmer Dener Giovanini (Jahrgang 1967) gedreht, Webcam-Sessions, mit Geistlichen aus 30 Ländern weltweit. Der Schauspieler Darico Macedo hat als Lockvogel virtuelle Liebesbeziehungen zu Männern aus dem Klerus aufgebaut. Bischöfe sind in den Filmen zu sehen, die sich an heilige Figuren lehnen, während sie masturbieren. Einige tun dies sogar in den Sakristeien des Vatikan. Eine Szene zeigt einen Bischof in roter Damenunterwäsche, ein hohes Mitglied des Klerus bittet Darico, auf ihn zu urinieren.

„Ich dachte, es würde schwierig werden, das Vertrauen der Männer zu gewinnen“, sagt Schauspieler Darico gegenüber dem Blog Para Mocinhos („Für Jungs“). „Doch das Gegenteil war der Fall.“ Die Verzweiflung der Männer muss sehr groß sein.

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Lockvogel Darico Macedo / Screenshot AMORES SANTOS

Alle Kontakte und ihre Profile, sagt Dokumentarfilmer Giovanini, seien minutiös verifiziert worden, um Fakes auszuschließen. Die Namen der Geistlichen sind bekannt, werden aber im Film nicht genannt – auch die Gesichter werden unkenntlich gemacht.

Dener Giovanini legt Wert auf die Feststellung, dass seine Doku kein Film gegen die Kirche sei oder gegen Religionen. Vielmehr ein Film gegen die Heuchelei. Das System sei krank, es bedürfe einer Heilung. Er will den Diskurs derjenigen Religionen beeinflussen, die Homosexualität verurteilen. Darum kommen in seinem Film auch Schwule zu Wort, die aus religiösen Gründen verfolgt und von der Kirche verbannt wurden; schwule Familienväter, die ihre Kinder verloren hätten.

Giovanini weiß, wie viel Sprengstoff in seinem Film steckt. Auch für weniger sensible Menschen, sagt er, seien einige Szenen schockierend.

Noch ist der Film nicht fertig geschnitten. Trotzdem geht Giovanini jetzt schon an die Öffentlichkeit, weil im Vatikan noch bis zum Wochenende die Bischofsynode läuft und weil dort, wie er sagt, eine der größten Religionen der Welt ihren Umgang mit Sexualität und Andersliebenden definiere. Giovanini weiß, wie viel Sprengstoff in seinem Film steckt. Auch für weniger sensible Menschen, sagt er, seien einige Szenen schockierend. Er habe alle Wege eingeleitet, seine Produktion zu schützen. Es gebe zahlreiche Sicherheitskopien, die außerhalb Brasilien aufbewahrt würden.

Ob der Film zuerst auf einem Festival gezeigt wird, direkt ins Kino kommt oder als Video on Demand erhältlich sein wird, werden die nächsten Wochen zeigen. Eins steht fest: Die Kirchen sind in größter Erklärungsnot.

Titelfoto: Screenshot

 


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