Fünfzig glückliche Paare

Der Filmemacher Yulin Kuang hat 50 LGBTI-Hochzeiten mitgedreht

Als das Oberste Verfassungsgericht der USA vor vier Monaten entschied, die Ehe zu öffnen wäre verfassungsrechtlich und menschlich und überhaupt der richtige Schritt, da beschloss Yulin Kuang, ein junger, amerikanischer Filmemacher, zu zeigen, wie es aussieht, wenn LGBTI in allen 50 US-Bundesstaaten heiraten können. Also besuchte er Hochzeiten in all diesen Bundesstaaten und drehte das Glück mit, das ihm da entgegensprang. Er bat die Paare, Zeilen von Shakespeares 116. Sonett vorzutragem, einem der berühmtesten Liebesgedichte der Welt.

Sonett 116

Nichts löst die Bande, die die Liebe bindet.
Sie wäre keine, könnte hin sie schwinden,
weil, was sie liebt, ihr einmal doch entschwindet;
und wäre sie nicht Grund, sich selbst zu gründen.

Sie steht und leuchtet wie der hohe Turm,
der Schiffer lenkt und leitet durch die Wetter,
der Schirmende, und ungebeugt vom Sturm,
der immer wartend unbedankte Retter.

Lieb’ ist nicht Spott der Zeit, sei auch die Lippe,
die küssen konnte, Lieblichkeit dahin;
nicht endet sie durch jene Todeshippe.
Sie währt und wartet auf den Anbeginn.

Ist Wahrheit nicht, was hier durch mich wird kund,
dann schrieb ich nie, schwur Liebe nie ein Mund.

(Übersetzt von Karl Kraus, 1933)

Das Ergebnis ist eine große, schöne vier Minuten lange Version des totalen Glücks, an dem man teilhaben darf. Die meisten werden Taschentücher brauchen, um sich das anzusehen. Also raus damit und mitgeweint, schließlich ist es vor Freude.

 


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