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Heimat ist kein Ort

Sehr verschiedene Geschwister in Polen

Inge (54), Klaus (53) und Uwe (44) mögen sich nicht besonders. Was schwierig ist, denn sie sind Geschwister. Na gut, sie kennen sich nicht besonders gut, denn ihr Vater gab sie ins Heim, als die Mutter viel zu früh starb. Inge (Marie Gruber) hat es zur gefürchteten Stationsleitung im Krankenhaus gebracht. Ihr Bruder Klaus (Jörg Schüttauf) hat ein Alkoholproblem und deswegen gerade den Führerschein verloren. Das Ende seines Jobs als Taxifahrer. Außerdem will ihn seine Frau Monika nicht mehr sehen. Ihr jüngerer Bruder Uwe (Sönke Möhring) führt als schwuler Single die Hunde anderer Leute Gassi. Liebe können sie alle nicht besonders gut. Einander lieben schon gar nicht.

Papa überrascht noch nachdem er längst tot ist

Zu dumm, als sie bei der Testamentseröffnung ihres Erzeugers erfahren, dass es nur gibt, was er ihnen vermacht hat, wenn sie innerhalb von 14 Tagen zusammen nach Polen fahren, und seine Asche an genau vorbezeichneten Orten seiner Kindheit in Ostpreußen verstreuen, von dem Bahngleis, an dem er auf der Flucht seine Mutter für immer aus den Augen verloren hat, bis zum Grab seiner kleinen Schwester, die 1945 starb.

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Inge, Jette, Uwe und Klaus: Opa ist tot

Als Pfadfinder und Aufpasser dient ihnen der junge polnische Notar Krzysztow (Piotr Witkowski). Der kann nicht fassen, wie schlimm die Geschwister miteinander umgehen und schon gar nicht, dass der führerscheinlose Klaus den alten Mercedes-Wohnbus so übermütig fährt, dass sie nach einer Schlägerei mit der polnischen Polizei fast im Knast landen. Erst danach kommen alle langsam zur Besinnung, während sie immer mehr über das dramatische Schicksal ihres Vaters erfahren, der als Kind die Mutter und später die geliebte Frau verlor – und immer von der Rückkehr in die geliebte Heimat geträumt hatte. Die endlosen Weiten Ostpreußens mit seinen Seen und Feldern beruhigt die Gemüter und fördert zarte Liebesbande zwischen dem jungen Notar und Jule. Und auch Uwe könnte sich verlieben, wenn er wüsste, wie das geht.
Lo Malinke und Tetta Müller sind großartige Autoren
„Heimat ist kein Ort“ ist der neueste Streich von Lo Malinke und Tetta Müller, die bis vor zwei Jahren als Malediva die größten Stars der Kleinkunst in Deutschland waren und nun schon den dritten Film mit eigenem Drehbuch im deutschen Fernsehen zeigen können. Er wird in der ARD Themenwoche „Heimat“ ausgestrahlt. Was leicht und komödiantisch anfängt, steigert sich zu einem sehr berührenden Drama über Verlust und die Angst vor dem Leben. Sehr smart, sehr witzig und sehr berührend. Wer heute Abend noch nichts vor hat, liegt hier richtig, alle anderen können den Film in den nächsten Tagen in der ARD-Mediathek nachholen. Es lohnt sich.
Bilder: ARD

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