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Irische Herzensangelegenheit

Eddie McGuinness: Aktivist der Herzen

The Outing zum Abschluss des 3. Matchmaking und Music Festival im westirischen Lisdoonvarna ist vorbei – eine familiäre LGBTI-Großveranstaltung mit Live Konzerten, Speed Dating und ausgiebigen Partys. Für Erfinder und Veranstalter Eddie McGuinness ist die Ehe für alle eine Herzensangelegenheit. Er hat neben vielen anderen im Vorfeld des Referendums um Ja-Stimmen geworben – erfolgreich. Ab Mitte November können schwule und lesbische Paare in Irland heiraten. 

 

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Eddie, es war ein tolles Wochenende. Super Stimmung, eine tolle Mischung von Leuten – wie viele waren es?

Wir haben über 2000 Gäste gezählt, 25 % mehr als im Vorjahr. Unsere Gäste bei The Outing kamen aus England, Frankreich, Spanien, Deutschland, Kanada, den USA und sogar aus Brasilien. Manche bleiben für eine Nacht, andere verbringen ein langes Wochenende hier. Einige Gäste kommen schon zum zweiten oder dritten Mal. Das große Matchmaking-Festival, das es für Heteros schon sehr lange gibt, hat inzwischen Besucherzahlen von 60.000 – die profitieren auch von der Berichterstattung um die Ehe für alle, bei der es meistens auch um unsere Veranstaltung geht. 

Drei Tage lang gab es in Lisdoonvarna kein anderes Thema als The Outing

Drei Tage lang gab es in Lisdoonvarna kein anderes Thema als The Outing

Dieses Jahr hat das Referendum zusätzlich geholfen?

Ja und nein. Fürs Marketing war es natürlich gut. Bei der Berichterstattung in den Medien war es aber so: Bis zum Tag der Entscheidung selbst waren Zeitungen, Radios und so weiter gesetzlich gezwungen, ausgewogen zu berichten. Das heißt, wenn sich jemand positiv über Schwule und Lesben geäußert hat, also auf der Yes-Seite war, musste man jemanden finden, der auf der No-Seite stand.

Warst Du selbst in der Yes-Kampagne aktiv?

Ja. Ich bin sowas wie ein kommerzieller Aktivist, komme eigentlich aus kleinen Verhältnissen, einer Arbeiterfamilie. Aber wenn es um Kampagnen für Safer Sex oder gegen Homophobie ging, hab ich immer geholfen – ich hab früher Clubs und Diskotheken geführt und fand das wichtig, als Teil der Szene. Vor allem, als ich mitkriegte, dass die Leute von der No-Seite Lügen verbreitet haben.

Zum Beispiel?

Im Bereich Familie und Erziehung zum Beispiel. Sie behaupteten, Kindern gehe es besser, wenn Vater und Mutter da sind. Nun gibt es aber in Irland einen sehr hohen Anteil von alleinerziehenden Müttern – deren Kinder sind, wenn man es böse ausdrücken will, Bastarde. Die fühlten sich angegriffen. Ebenso geschiedene Mütter und Väter. Ich stellte mich in den letzten drei Wochen vor der Abstimmung an einen belebten Platz in Dublin, immer zur morgendlichen Rush Hour. Hunderttausende Leute gehen da vorbei. Auf meinem Schild stand: Bitte stimmen Sie mit Ja. Mein Leben liegt in Ihren Händen.

Wie reagierten die Leute auf Dich?

Die meisten gingen vorbei. Manche sagten, ich stimme mit Nein. Ich sagte: Okay. Es gab auch einige, die mich beschimpften, wirklich schlimme Sachen sagten. Da kam ihre Homophobie deutlich zum Vorschein. Und es gab diese alte Frau, in ihren 70ern oder 80ern. Ab dem dritten oder vierten Tag, den ich da stand, kam sie vorbei und beschimpfte mich, ganz übel. Immer wieder. Ich sagte zu ihr: Ich bin ganz freundlich zu Ihnen, und Sie beschimpfen mich die ganze Zeit. Es gab immer Passanten, die die alte Dame weggeschickt haben – nicht ich. Eines Tages kam ein Mann nach ein paar Minuten zurück, tippte mir auf die Schulter und sagte: Ich habe jetzt ein paar Tage mit angesehen, wie diese Frau Dich beschimpft hat. Ich wollte eigentlich mit Nein stimmen, aber ich werde Ja sagen. Das war überwältigend. Da wusste ich, die Mehrheit wird mit Ja stimmen. Ich kriege jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Wow! Tolle Geschichte!

Finde ich auch. Und eine persönliche Geschichte. Und solche Geschichten waren entscheidend beim Referendum.

Seit 13 Jahren ein Paar: Eddie  (l.) und sein Lebenspartner John (demnächst wird geheiratet)

Seit 13 Jahren ein Paar: Eddie (l.) und sein Lebenspartner – demnächst wird geheiratet. John hilft bei „The Outing” immer kräftig mit.

 

Wann gibt es die erste Homo-Hochzeit in Irland? Der Gesetzentwurf hat doch mittlerweile das Parlament erreicht.

Der Entwurf, über den im Mai abgestimmt wurde, war so gut vorbereitet, dass der ganze Prozess wirklich verhältnismäßig schnell geht. Ende November, spätestens Weihnachten gibt es die ersten Hochzeiten. Wegen der Gleichstellung kann mir jetzt niemand mehr auf der Straße oder bei der Arbeit dumm kommen. Ich habe die gleichen Rechte. Ich kann heiraten, wie jeder andere auch in Irland. Ich kann Kinder haben, wie jeder andere auch in Irland.  Ich würde mir wünschen, dass es in möglichst vielen Ländern auch bald soweit kommt. Zumindest sollte es europäischer Standard werden, dass schwule und lesbische Paare heiraten können.

Mehr lesen: So war es bei The Outing!

Titelbild: The Outing/PR


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