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LSU ehrt Kirchenpräsident Jung

Ein Kämpfer für LGBTI-Rechte und Akzeptanz wird ausgezeichnet

Der Bundesverband der Lesben und Schwulen in der Union (LSU) hat am Donnerstagabend den Kirchenpräsidenten der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung, mit dem LSU-Ehrenpreis ausgezeichnet.

Ganzheitliche Liebe zwischen zwei Männern ist möglich 

„Dr. Volker Jung ist durch sein Reden und Wirken immer wieder dezidiert für die Rechte und gesellschaftliche Akzeptanz homosexueller Menschen eingetreten“, erklärte der LSU-Bundesvorsitzende Alexander Vogt zur Entscheidung seines Verbandes. In dessen Laudatio hieß es:

„Längst dient [ …] die heterosexuelle Ehe nicht mehr nur der Fortpflanzung. Auch andere Aspekte treten ins Blickfeld wie Treue und Fürsorge. Andererseits werden heterosexuelle Ehen werden zunehmend gänzlich ohne die Absicht geschlossen, Kinder zu zeugen. Und die hier für uns wohl wichtigste Erkenntnis des Tages: Selbstverständlich ist eine erfüllende und ganzheitliche Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts möglich…so selbstverständlich und banal das für uns alle klingen mag.

Für die AdHoc-Kommission des Rates der EKD lag das auf der Hand, als sie den Text „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familien als verlässliche Gemeinschaft stärken. Eine Orientierungshilfe des Rates der EKD“ verfasste.

Dort heißt es u.a. „Fragt man […]nach dem, was menschliche Beziehung in Gottes Schöpfung ausmacht, dann ist zu konstatieren: Der Mensch wird von Anfang an als Wesen beschrieben, das zur Gemeinschaft bestimmt ist (1 Mose 2, 18). Durch das biblische Zeugnis hindurch klingt als „Grundton“ vor allem der Ruf nach einem verlässlichen, liebevollen und verantwortlichen Miteinander, nach einer Treue, die der Treue Gottes entspricht. Liest man die Bibel von dieser Grundüberzeugung her, dann sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften, in denen sich Menschen zu einem verbindlichen und verantwortlichen Miteinander verpflichten, auch in theologischer Sicht als gleichwertig anzuerkennen.“

Wäre – wie im alten Weltbild – Liebe zwischen Menschen gleichen Geschlechts nicht möglich, nicht denkbar, wäre diese Aussage falsch. Da diese Liebe aber möglich ist, und dass sie es ist, wissen wir heute, macht diese Aussage zu einer zwingenden Schlussfolgerung.

Diese Schlussfolgerung haben Sie, Herr Dr. Jung, und die Mitglieder der AdHoc-Kommission gezogen. Sie haben sich auch nach Veröffentlichung des Papiers entschlossen und geduldig den Kritikern gestellt und tun dies bis heute. Und dafür möchte ich Ihnen und Ihren Mitstreitern aus tiefstem Herzen und aufrichtig danken, für die wir ihnen unseren Preis auch stellvertretend mit verleihen.“

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Eine Frage der Menschenwürde 

In seiner Dankesrede, die verdientermaßen lang anhaltenden Applaus bekam, sagte Jung, dass es wichtig sei, auch in Zukunft dafür einzutreten „Homosexualität als eine gute Prägung von Menschen zu akzeptieren, die wie Heterosexualität verantwortlich gelebt werden kann“. Dies sei eine Frage der Menschenwürde.

Mit Blick auf den Zustrom muslimischer Flüchtlinge sagte er: Die Feststellung, dass momentan viele Menschen zu uns kommen, die gegen die Gleichberechtigung von Frauen und Homosexuellen sind, möge vielleicht zutreffen. Es sei aber gefährlich, dies populistisch einzusetzen.

Der LSU-Ehrenpreis wird alle zwei Jahre verliehen. Erste Preisträgerin im Jahr 2011 war die frühere Bundestagspräsidentin und Bundesgesundheitsministerin Prof. Dr. Rita Süssmuth, die für ihre langjährigen Verdienste um gesundheitliche Aufklärung und im Kampf gegen HIV und AIDS gewürdigt wurde. Vor zwei Jahren zeichnete die LSU, die 400 Mitglieder zählt (10 % davon Frauen), die so genannten „Wilden 13“ aus – eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten der CDU/CSU –, die sich innerhalb ihrer Fraktion und öffentlich für die steuerliche Gleichstellung von eingetragenen Lebenspartnerschaften mit der Ehe eigesetzt hatten.

Titelfoto: www.lutherkirche-of.de


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