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Alternativer Nobelpreis für LGBTI-Kampf

Aktivistin Jaqueline Kasha gibt in Uganda Magazin gegen Homophobie heraus


Eine ugandische Menschenrechtlerin setzt sich gegen die Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen in Afrika ein; unter Gefahr für das eigene Leben geht sie gegen diskriminierende Gesetze vor und schafft es mit ihrer kreativen und richtungsweisenden Arbeit, Mythen und Stereotype über LGBTI in Uganda und weltweit abzubauen; der Außenminister der Marshallinseln, der mit den Mitteln des Völkerrechts die Atommächte herausfordert; eine Inuit-Aktivistin, die für die Erhaltung der Arktis im Angesicht des Klimawandels kämpft; und ein italienischer Arzt und Kriegsgegner, der zahllose Menschenleben in bewaffneten Konflikten gerettet hat – das sind die diesjährigen Preisträger des Right Livelihood Award, auch bekannt als Alternativer Nobelpreis, die heute in Stockholm bekannt gegeben wurden.

 

Wer schwul ist in Uganda, lebt gefährlich – auch wenn das von Präsident Museveni unterschriebene Gesetz gegen Homosexualität vorerst vom Verfassungsgericht gekippt wurde. Aktivisten aus der schwul-lesbischen Community haben 2014 das LGBTI-Magazin „Bombastic“ gegründet. Ein Gespräch mit der Herausgeberin und Aktivistin Jaqueline Kasha, das unsere Autorin Simone Schlindwein im Frühjahr 2015 führte.

 

Was war der Anstoß für Euch, das Magazin zu gründen?

Wir wollten unsere eigene Platform gründen, um unsere Geschichten zu teilen, ohne Vorurteile. Wir wollen unsere persönlichen Geschichten aufschreiben: über Herausforderungen, Erfolge, unseren Glauben, sexuelle Orientierungen und unsere Identität. Die Mainstream-Medien in Uganda haben uns nicht unterstützt, waren nur selten neutral eingestellt, wenn sie über sexuelle Minderheiten berichtet haben. Im Gegenteil, sie haben uns meist vorverurteilt.

Wen wollt Ihr mit diesen Geschichten ansprechen?

Politiker, Glaubensvertreter und vor allem unsere Leute, die wir persönlich und direkt
gar nicht erreichen können. Ich hoffe, dass sie unsere Geschichten lesen und dass sie
realisieren, dass sie mit den Schwierigkeiten in ihrem Leben nicht alleine sind. Wir wollen
vor allem diejenigen in der Gesellschaft ansprechen, die uns diskriminieren, uns verurteilen und beschimpfen. Wir hoffen, unsere Geschichten mitteilen zu können, so dass sie uns besser verstehen, bevor sie mit Steinen nach uns schmeißen.

Wo bekommt man das Magazin?

„Bombastic“ ist frei erhältlich. Wir wollten so viele Menschen wie möglich erreichen. Wir
haben Freiwillige, die das Magazin verteilen: in Büros, in Supermärkten und anderen Anlaufstellen. Man kann es auch von unserer Webseite herunterladen. In der Anfangsphase haben wir 15.000 gedruckt. Wir haben Gelder über Crowdfunding zusammen gekriegt, sodass wir in der Lage waren, die erste Ausgabe zu produzieren. Wir haben unser Ziel aber nicht erreicht, 50.000 Exemplare zu drucken. Dafür brauchen wir mehr Geld, um die Mehrheit der Bezirke Ugandas und die ganze Zivilgesellschaft erreichen zu können.

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Vom 5. – 9. August fand der Uganda Pride statt (Foto: kuchutimes.com)

 

Habt Ihr in Uganda selbst gedruckt?

Ja, wir haben eine Druckerei gefunden, die uns gegenüber freundlich eingestellt ist.
Die Umgebung dieser Druckerei aber leider nicht. Dort wurde unser Team täglich beleidigt, man hat uns aber nicht vertreiben können. Das zeigt, wie entschlossen wir sind und dass uns wirklich niemand stoppen kann. Die großen Medien sind voller Vorurteile, wenn sie über uns berichten. Das ist jetzt unser Weg, unsere Geschichten zu verbreiten. Und das ist unser verfassungsmäßiges Recht.

War es schwer eine Druckerei zu finden?

Eigentlich nicht. Es war nur schwer, einen guten Preis auszuhandeln, denn sie verlangen von uns mehr. Sie sagen, sie riskieren sehr viel, wenn sie unsere Aufträge drucken. Gefährlich ist vor allem der Vertrieb, wenn wir draußen sind. Die Leute sagen so viele gemeine Dinge, drohen uns, wollen uns schlagen. Einige Gegenden sind auch nur schwer erreichbar.

Warum ist die ugandische Gesellschaft so feindlich gegenüber sexuellen Minderheiten eingestellt?

Die Bevölkerung wurde mit falschen Informationen gefüttert und einer Gehirnwäsche unterzogen. Wir brauchen unser Magazin „Bombastic“, um diese Falschinformationen zu tilgen und wahre Informationen über das Leben von marginalisierten Minderheiten in unserer Gesellschaft zu verbreiten. Sexuelle Minderheiten waren immer schon ein Teil der ugandischen Gesellschaft. Erst vor ein paar Jahren tauchte dieses Gerücht auf, dass wir eine Ausgeburt westlicher Einflüsse sind, weswegen wir jetzt mehr leiden müssen. Wir hoffen, „Bombastic“ kann darüber aufklären und Türen für einen Dialog öffnen – vor allem mit denjenigen, die ohne tieferen Grund gegen uns wettern. Ein Dialog wird uns in unserem Kampf helfen.

Vergangenes Jahr, als Ugandas Präsident Yoweri Museveni das harsche Anti-Schwulen-Gesetz unterzeichnet hatte, haben viele Geberländer ihre Finanzhilfen eingestellt. Denkst Du, das ist ein richtiger Schritt oder trifft es am Ende die falschen Leute?

Es sind nicht wir, die diese Politik beeinflussen. Wenn die Geberländer denken, die Steuergelder ihrer Bürger gehen an die falschen Leute und entscheiden, es in andere Kanäle umzuleiten, warum soll ich was dagegen haben?

Titelfoto: lev radin/Shutterstock

 Das vollständige Interview ist erschienen in MÄNNER 4.2015


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